Theoretische Vorteile der seitenbetonten Spinalanaesthesie sind eine bessere hämodynamische Stabilität und eine profundere neuronale Blockade der betroffenen Seite. Ziel der vorliegenden Arbeit war es festzustellen mit welcher Zuverlässigkeit eine Seitenbetonung zu erreichen ist und wie deren Verlauf durch die Dauer der Seitenlagerung beeinflusst wird.
In einer randomisierten, prospektiven Untersuchung erhielten 40 Patienten jeweils 2,0 ml Bupivacain 0,5% hyperbar zur Spinalanästhesie. Die Injektion erfolgte in Seitenlage. Gruppe I (n=20) wurde nach 5 min, Gruppe II (n=20) nach 15 min wieder in Rückenlage gebracht. Der Verlauf der sensiblen und der motorischen Blockadeausbreitung wurde seitengetrennt in einem standardisierten Zeitraster perioperativ erfasst.
Die beiden Gruppen unterschieden sich, bis auf eine geringe Abweichung beim Körpergewicht, nicht in ihren morphometrischen Eigenschaften. 15 min nach Injektion unterschied sich die mittlere sensible Blockadeausbreitung zwischen der zunächst unten und oben liegenden Seite in Gruppe I um 2 Segmente (Th 7 vs. Th 9) und in Gruppe II um 4 Segmente (Th 8 vs. Th 12). Im weiteren Verlauf verschwanden diese Seitenunterschiede zunächst und zeigten sich erst nach deutlicher Rückbildung der sensiblen Blockade wieder. Ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen war hinsichtlich der Sensibilität zu keinem Zeitpunkt nachzuweisen. Im Gegensatz zur Sensibilität zeigte sich bei der motorischen Blockade eine deutliche und im Verlauf anhaltende Seitenbetonung zugunsten der zunächst unten liegenden Seite. Dabei war jedoch kein Gruppenunterschied feststellbar. In Gruppe I gaben die Patienten im Mittel 43 min früher Schmerzen im OP-Gebiet an als in Gruppe II (225 min vs. 268 min). In Gruppe I kam es im Mittel 48 min früher zu einer subjektiven Normalisierung der Sensibilität auf der Seite des OP-Gebietes als in Gruppe II (218 min vs. 266 min).
Eine klinisch relevante Seitenbetonung der sensiblen Blockade konnte in unserer Untersuchung nicht erreicht werden. Die weitgehend erhaltene Motorik der nicht operierten Seite kann aber möglicherweise Ängste der Patienten reduzieren (partiell erhaltenes Körpergefühl) und zu einer grösseren Akzeptanz der Methode führen. Die mögliche Ursache für die fehlende sensible Seitenbetonung sind anhaltend hohe Wirkstoffkonzentrationen im Liquor, die sich nach Umlagerung, der Schwerkraft folgend, auch auf die zuvor oben liegende Seite verteilen. Zur Blockade der motorischen Efferenzen (A alpha-Fasern) sind diese Konzentrationen offensichtlich zu gering. Der Einfluss der Lagerungsdauer ist auf die Analgesiedauer und die Dauer bis zur subjektiven Normalisierung der Sensibilität der operierten Seite begrenzt und von geringer klinischer Relevanz. Die Dauer der Seitenlagerung spielt nach den vorliegenden Ergebnissen somit nur eine untergeordnete Rolle für das Erreichen einer Seitenbetonung.
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