In Untersuchungen an kleinen Labortieren hat sich gezeigt, dass verschiedene biochemische Messwerte sensibel auf die alimentäre Mangan-Zufuhr reagieren. In dieser Arbeit wurden geprüft, inwieweit diese Stoffwechselparameter auch als Indikatoren des aktuellen Mangan-Status beim Schwein dienen können. Berücksichtigt wurden dabei einige Parameter, deren Probenmaterial sich auch am lebenden Tier gewinnen lässt, wie z. B. Ausscheidungen, Blut und Borsten. Sie wurden verglichen mit den Ergebnissen einer im Rahmen der Untersuchung durchgeführten Bilanzstudie und validiert anhand von Kennwerten des Mangan-Versorgungsstatus wie der Mangan-Einlagerung in Organen und Knochen.Für den Versuch wurden männliche kastrierte Absatzferkel der Kreuzung Deutsches Edelschwein x Pietrain in zwei Gruppen mit je acht Tieren von durchschnittlich 8,8 kg Lebendgewicht aufgeteilt und in Einzeltierhaltung in Stoffwechselkäfige aus Edelstahl eingestallt. Über 45 Tage hinweg erhielten die Tiere eine halbsynthetische Diät auf Basis von Maisstärke, Cellulose, Casein und Sonnenblumenöl. Der native Mangan-Gehalt der Diät betrug 1,33 mg/kg in der Mangelgruppe. Für die Zulagegruppe wurde der Mangan-Gehalt durch die Addition von MnSO4 (p.a.) auf 20,92 mg/kg Futter angehoben. Im Versuchsverlauf wurden Futteraufnahme und Veränderungen der Lebendmasse aufgezeichnet, und in 14-tägigem Abstand wurden Blutproben entnommen. Der Versuch endete mit der Schlachtung der Ferkel bei einer mittleren Lebendmasse von ca. 30 kg und einer vergleichenden Schlachtkörperbewertung.Die Ferkel mit niedriger alimentärer Mangan-Zufuhr nahmen geringfügig mehr Futter auf und hatten bei etwa gleich hohen täglichen Zunahmen eine um nahezu vier Prozent schlechtere Futterverwertung. Außerdem waren bei einigen Tieren im Mangan-Mangel charakteristische Verkrümmungen der Vordergliedmaßen zu beobachten, wodurch das Bewegungsverhalten der betreffenden Tiere deutlich eingeschränkt war. Hier ergaben die Knochenmessungen, dass die Länge von Ulna und Radius tendenziell verkürzt war. An den Schlachtkörpern der Mangelgruppe wurde außerdem eine signifikant größere Rückenspeckdicke am Nacken gemessen, die sich in einer größeren Fettfläche über dem Rückenmuskel und einem schlechteren Fleisch-Fett-Verhältnis widerspiegelte. Die Mangan-Zufuhr beeinflusste auch die Nährstoffverwertung. Defizitäre Gehalte von Mangan in der Diät führten zu einer höheren scheinbaren Verdaulichkeit der Rohasche, gleichzeitig kam es zu einem niedrigeren Stickstoff-Ansatz. In der Mangelgruppe waren scheinbare Absorption und Retention in Prozent der Aufnahme nicht nur bei Mangan signifikant erhöht, sondern auch bei den Spurenelementen Eisen, Zink und Kupfer.Keine Gruppenunterschiede wiesen die Mangan-Gehalte der im Versuch nachgewachsenen Borsten auf. Dagegen zeigten sich signifikante Veränderungen bei der Mangan-Konzentration im Vollblut. Auch im Plasma waren signifikante Differenzen in der Mangan-Konzentration vorhanden. Diese fielen zwar nominal geringer aus als im Vollblut, standen regressionsanalytisch jedoch in einem engeren Zusammenhang mit der Mangan-Aufnahme. Statistisch hoch abgesicherte Unterschiede traten bei der Mangan-Retention in Organen (Leber, Duodenum, Pankreas Niere, Herz), Gallenflüssigkeit und Knochen auf. Beim Muskel gab es hingegen keinen Zusammenhang zwischen Mangan-Angebot und -Retention. Ein gerichteter Einfluss der Mangan-Zufuhr war auch bei der Eisen-Retention in der Leber sowie der Phosphor-Konzentration in Ulna und Radius erkennbar.Die Konzentrationen von Glucose und Vitamin E im Blut sowie die Cholesterol-Werte in Plasma und Leber zeigten zu keinem Zeitpunkt Unterschiede zwischen den Gruppen. Dagegen lag der Hämoglobingehalt des Blutes zu Versuchsende in der Mangelgruppe signifikant höher. Leicht erhöht waren in der Mangelgruppe auch die Plasma-Harnstoffwerte sowie die renale Harnstoffausscheidung, was auf eine schlechtere Proteinverwertung hindeutet. Die enzymatischen Untersuchungen ergaben, dass eine niedrige Mangan-Zufuhr zu einem Aktivitätsrückgang der Alkalischen Phosphatase in der Leber führt. Bei niedriger Mangan-Versorgung wurden sowohl im Plasma als auch im Pankreas erhöhte α-Amylase-Aktivitäten festgestellt, die von einer signifikant höheren Amylase-Ausscheidung über den Harn begleitet waren. Dies kann diagnostisch als Hinweis auf eine vorliegende Pankreatitis angesehen werden. Die Aktivität der Arginase war weder in Plasma und Erythrozyten noch in der Leber von der Mangan-Versorgung beeinflusst. Dagegen zeigte die Superoxid-Dismutase in den gewaschenen Erythrozyten sowie die Mangan-abhängige Superoxid-Dismutase in Leber und Pankreas im Mn-Mangel tendenziell reduzierte Aktivitätswerte.
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