Phänologie und Lebenszyklusstrategie männlicher Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii, Chiroptera: Vespertilionidae) = Phenology and life-history strategy of male Daubenton s bats (Myotis daubentonii, Chiroptera: Vespertilionidae)
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Zusammenfassung
Fledermäuse (Microchiroptera) unterscheiden sich durch ihre Langlebigkeit, die geringe Anzahl an Nachkommen und deren langsame körperliche Entwicklung (K-Strategen) deutlich in ihrer Lebenszyklusstrategie von anderen insektivoren Kleinsäugern (r-Strategen). Durch die Fähigkeit zum aktiven Flug, die Nachtaktivität und die Echoortung können Fledermäuse nachtaktive Fluginsekten erbeuten und besetzen damit eine nahrungsökologische Nische, die sie nahezu konkurrenzlos nutzen können. Aufgrund ihrer nahrungsökologischen Spezialisierung sind Fledermäuse der gemäßigten Breiten regelmäßig auftretenden Nahrungsengpässen ausgesetzt. Diese zwangen sie zur Entwicklung von Torpor und Winterschlaf zur Energieeinsparung und machten saisonale Wanderungen zwischen Sommer- und Winterlebensräumen notwendig. Auch die Lebensweise während der saisonalen Aktivitätsperiode sowie der Reproduktionszyklus sind an die starken jahreszeitlichen Schwankungen der Nahrungsverfügbarkeit in den gemäßigten Klimazonen angepasst. Hauptursache der starken Gefährdung europäischer Fledermäuse ist der menschlichen Einfluss auf alle für sie essentiellen Habitattypen. Vor allem der fortschreitende Sommer- und Winterquartierverlust als Folge menschlicher Aktivitäten, aber auch die Abnahme potentieller Jagdhabitate und deren Isolierung von den Quartiergebieten durch zunehmende Landschaftsfragmentierung, sind für den Rückgang der Fledermausbestände in den vergangenen Jahrzehnten verantwortlich. Wegen der methodischen Schwierigkeiten bei der Untersuchung männlicher Fledermäuse liegen viel mehr Studien zur Biologie und Ökologie weiblicher als männlicher Fledermäuse vor. Fundierte Kenntnisse der saison- und altersspezifischen Entwicklungsprozesse physiologischer Merkmale, der saisonalen Verhaltensänderungen und der Lebensraumnutzung männlicher Fledermäuse sind jedoch zum Verständnis der Biologie europäischer Fledermausarten und daraus abzuleitende Schutzmaßnahmen unverzichtbar. Solche Resultate lassen sich nur durch die Erfassung großer Stichproben im Rahmen von Langzeitstudien erbringen. Die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) hat sich als geeignete Art zur vertiefenden ökologischen Untersuchung der Männchen erwiesen. Im Rahmen der vorliegenden Dissertation wurden in den Jahren 1997 bis 2004 im mittleren Lahntal (Hessen, Deutschland) verschiedene Langzeit-Studien zur Phänologie und der Lebenszyklusstrategie männlicher Wasserfledermäuse (Myotis daubentonii) durchgeführt. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden durch 173 Netzfänge und 54 Quartierfänge 2364 Wasserfledermäuse gefangen und 601 Tiere individuell mittels Unterarmklammern markiert. Außerdem wurde die zeitliche und räumliche Habitatnutzung von 24 weiblichen und 52 männlichen Wasserfledermäusen mittels telemetrischer Studien untersucht und das Verhalten von 99 Tieren im Jagdgebiet durch die Markierung mit chemilumineszenten Knicklichtern dokumentiert. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Entwicklung physiologischer Merkmale sowie Verhalten und Lebensraumnutzung männlicher Myotis daubentonii an die klimatischen Verhältnisse Mitteleuropas angepasst sind. Alle energieaufwendigen Prozesse (Spermatogenese, Paarung, Aufbau von Körperfettreserven) laufen in den Monaten mit ausreichendem Nahrungsangebot ab. Physiologische Energiesparmassnahmen (Torpor, Winterschlaf) ermöglichen es den Tieren, ihre Stoffwechselrate zu senken, um kurz- und längerfristige Nahrungsengpässe zu überdauern. Das Verhalten der Männchen ist an die saisonal unterschiedlichen Bedingungen angepasst, die sich aus dem Energiebedarf der Entwicklungsprozesse und dem Paarungsgeschehen ergeben. Außerdem sind männliche Wasserfledermäuse in der Lage, klimatisch und nahrungsökologisch ungünstigere Lebensräume zu besiedeln, die den Ansprüchen der Weibchen nicht genügen und für die Aufzucht der Jungen ungeeignet sind. Somit belegen die Ergebnisse dieser Studie eine sommerliche Geschlechtertrennung bei Wasserfledermäusen und Unterschiede in der Quartierwahl, der Vergesellschaftungen in den Quartieren und der Qualität der von Männchen bzw. Weibchen genutzten Sommerlebensräume. Die Ursache für diese inhomogene Verteilung der Geschlechter zur Wochenstubenzeit ist vermutlich agonistisches Verhalten der Weibchen gegenüber Männchen, wodurch die anspruchsloseren Männchen in suboptimale Gebiete verdrängt werden.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Myotis 40 (2002), S. 19-31; Mammalian Biology 69 (2004), S. 163-172; Mammalia 68 (2004), S. 291-297; Mammal Review 35 (2005), in press; Myotis 43 (2005), in press.
