Untersuchung der Stressreagibilität verschiedener psychoimmunologischer Parameter bei Patienten mit chronischer Urtikaria
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Zusammenfassung
Die Urtikaria ist eine der zwanzighäufigsten dermatologischen Erkrankungen undmacht etwa 3% des Patientengutes einer Hautarztpraxis aus.Bekannt sind u. a. (auto-)immunologische Pathomechanismen sowie nichtimmunologischeFaktoren, die zu einer direkten Mastzellstimulation führen, aberauch z.T. über eigenständige vasodilatative und exsudative Fähigkeiten verfügen. Trotz dieser Erkenntnisse ist ein eindeutiges ätiologisches und pathogenetischesVerständnis der Urtikaria noch nicht gegeben. 30-40% der Urtikariapatienten weiseneine chronisch idiopathische Form auf. Seit Jahrzehnten wird auch immer wiedereine psychosomatische Genese, zumindest eine Verschlechterung der bestehendenSymptomatik durch Stress und/oder sog. Life events diskutiert.Ausgangspunkt dieser Arbeit war es, Urtikariapatienten und hautgesundeKontrollpersonen einer psychologischen Stressbelastung auszusetzen. Davor,während und anschließend wurden die Parameter Kortisol im Speichel, dasDifferentialblutbild, Tryptase, eosinophiles cationisches Protein (ECP), intrazelluläresAdhäsionsmolekül (ICAM 3), löslicher Interleukin 2-Rezeptor (sIL-2) undImmunglobulin E (IgE) gemessen. Hierfür wurden 39 Patienten mit einer chronischenUrtikaria sowie 39 hautgesunde Probanden in Alter und Geschlecht sichentsprechende Kollektive aufgenommen. Unter standardisierten Bedingungen mittelsdes Trierer Sozial Stress Testes (TSST) wurde jedem Probanden zu dreiMesszeitpunkten Blutproben und zu sieben Messzeitpunkten Speichelprobenentnommen und analysiert. Des Weiteren wurde das Patientenkollektiv anhand einesAnamnesefragebogens und der Angaben zur Hautsymptomatik am Tag nach demStressexperiment in Untergruppen unterteilt und auf Gruppenunterschiedeuntersucht. Zwischen dem Patientenkollektiv und der Kontrollgruppe gab es hinsichtlich dersoziodemographischen Daten keine wesentlichen, die Stressreagibilitätbeeinflussenden Unterschiede.Hinsichtlich der Untersuchung des Schweregrades der Urtikaria korrelieren dieSymptome Juckreiz und Befall sowie Juckreiz und Rötung. Als Nachweis aktiviertereosinophiler Granulozyten kommt es auch zu einer Korrelation zwischen einer hohenECP-Konzentration und Juckreiz bzw. Rötung. Unklar blieben die Korrelationzwischen einigen Blutbildparametern wie Hämoglobin (Hb), Hämatokrit (Hkt),122mittleres korpuskuläres Volumen (MCV), mittleres korpuskuläres Hämoglobin (MCH),Erythrozyten und Thrombozyten und der kutanen Beschwerden, die sich nicht aufgängige pathophysiologische Modelle zurückführen lassen.Die Validität unseres Stressors zeigte sich sowohl im Patienten-, als auch imKontrollkollektiv durch entsprechende Veränderung der stresssensitiven ParameterHerzfrequenz (HF), Blutdruckwerte (RR) und des Kortisols im Speichel sowie dersubjektiven Selbsteinschätzung. In der Kontrollgruppe lagen die Kortisolwertekonstant über dem Mittelwert der Urtikariapatienten. Unterschiede in den Kollektivenfanden sich in der subjektiven Selbsteinschätzung zu Anspannung und Nervosität. So waren die Urtikariapatienten signifikant angespannter und nervöser. Dies kann füreine deutlich größere Erwartungshaltung der Patienten sprechen. Auch andereParameter wiesen in beiden Kollektiven eine Stressreagibilität auf. In dervorliegenden Arbeit wurden keine Unterschiede zwischen den Urtikariapatienten undden hautgesunden Probanden gefunden.In der Betrachtung des Patientenkollektivs wiesen die Patienten mit einerQuaddelsymptomatik, die länger als 24 Stunden andauert, einen signifikant höherenSpiegel der ECP-Konzentration bei der ersten Blutentnahme auf, als die Patienten,deren Quaddeln sich innerhalb von 24 Stunden zurückbilden. Möglicherweisekönnten die chemotaktischen Fähigkeiten einiger Mastzellmediatoren, welcheinsgesamt die Entzündungsreaktion unterstützen, vor allem bei Patienten mitlängerer Quaddelsymptomatik, zu einer erhöhten Anzahl an eosinophilenGranulozyten in der Haut und somit zu einer höheren ECP-Konzentration führen. Durch eine weitere Unterteilung des Patientenkollektives anhand der Häufigkeit derQuaddelsymptomatik (täglich, mehrfach wöchentlich, mehrfach monatlich undseltener) ließ sich bei Patienten mit täglicher Symptomatik die Angabe einerstärkeren Hautrötung finden. Dies könnte für eine größere Anzahl an aktiviertenMastzellen und weiteren Entzündungszellen in der Haut sprechen. Die in derLiteratur zu findende erhöhte ECP-Konzentration bei Patienten mit täglichenQuaddeln konnte in unserer Arbeit nicht nachgewiesen werden. Auch in diesenUntergruppen fand sich nicht nur bei den vegetativen Parametern und beim Kortisol,sondern auch beim ECP und der Tryptase eine Stressreagibilität. Nur bei denBlutbildparametern MCV und MCH zeigte sich ein Gruppenunterschied. So lagen dieKonzentrationen in der Gruppe mit täglicher Symptomatik unter den Konzentrationender anderen Patienten. Spekulativ betrachtet könnte es sich um einen Effekt derEisenumverteilung bzw. -mangel wie bei chronischen Erkrankungen handeln. Dietägliche Symptomatik wirkt hier wie ein chronischer Stressor. Durch diekontinuierliche Entzündungsaktivität kann es über entsprechende Zytokinaktivierungzu einer Stimulation des hämopoetischen Systems kommen und durch vermehrtenEisenbedarf bilden sich letztlich hypochrome, mikrozytäre Erythrozyten. WeitereBlutbildparameter wie Erythro-, Leuko-, Lympho- und Thrombozyten sowie Hb, Hkt,MCHC zeigten erneut eine Stressreagibilität in allen Untergruppen. Hier wärenweitere Untersuchungen zur Einordnung und Verifizierung unserer Ergebnissenotwendig. In einer weiteren Betrachtung des Patientenkollektivs zeigte sich, dass dieProbanden mit Befallzunahme am Folgetag in ihrer subjektiven Einschätzungsignifikant belasteter waren. Dies könnte damit erklärt werden, dass bereits eineVerschlechterung der Symptomatik durch den Stresstest erwartet wurde. Es bestandkein signifikanter Unterschied der Gruppen hinsichtlich der Häufigkeit derUrtikariasymptomatik. Damit kann die Befallzunahme nicht nur auf eine täglicheQuaddelbildung zurückgeführt werden.Insgesamt konnte in unserer Arbeit die Stressreagibilität einiger Urtikaria-relevanterParameter gezeigt werden, jedoch ohne gravierende Unterschiede zu denhautgesunden Probanden. Für die genauere Betrachtung einiger Parameter scheintjedoch die erfolgte serologische Bestimmung nicht ausreichend zu sein (s. Kapitel6.7). Eine Einteilung der Urtikariapatienten in stressresponder oder non-responder bereitsmit Hilfe der Angaben im Anamnesebogen vornehmen zu können, ist nach denErgebnissen unserer Arbeit nicht möglich.Leider fehlen in der Literatur vergleichbare Untersuchungen zur Urtikaria, so dasseine Einordnung und Bewertung unserer Daten nicht immer erfolgen konnte.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2007
