Stellenwert der therapeutischen Herzkatheterinterventionen bei angeborenen und erworbenen Herzfehlern in den Jahren 1996-1998 am Kinderherzzentrum Gießen
Von 1000 lebend geborenen Kindern leiden 8-10 an einem angeborenen Vitium. In den vergangenen Jahren ist der Stellenwert der durch Herzkatheter vermittelten Therapieoptionen ständig gestiegen. Viele Therapien haben sich bereits als gleichwertige Alternative zur chirurgischen Behandlung etabliert. Einige gelten bereits als Therapie der ersten Wahl. Im gleichen Maße, wie das Spektrum der katheterinterventionell vermittelten Therapiemöglichkeiten ansteigt, können chirurgische Eingriffe eingespart werden. Ziel der hier vorliegenden Arbeit ist es, den momentanen Stellenwert der herzkatheterinterventionellen Therapie anhand der in der Kinderkardiologie Gießen im Zeitraum von 3 Jahren durchgeführten Herzkatheterinterventionen aufzuzeigen und zu diskutieren.
Inzwischen wird die herzkatheterinterventionelle Therapie, wie bereits erwähnt, bei einigen Herzfehlern als Therapie der ersten Wahl angesehen, so z.B. bei der solitären Pulmonalklappenstenose (PVS). Dagegen stellen andere Herzfehler noch immer Herausforderungen in ihrer optimalen Behandlung dar.
Ballonangioplastien (BAP) der Aortenisthmusstenose (CoA) gelten heute beispielsweise bei Restenosen nach operativen Eingriffen als indiziert, bei nativen Aortenisthmusstenosen herrscht weiterhin Uneinigkeit über die optimale Therapie. Auch aortopulmonale Shunts und der persistierende Ductus arteriosus (PDA) gelten hinsichtlich der Ballondilatation oder Stentimplantation weiterhin als fragliche Indikationen, obwohl die interventionellen Ergebnisse immer bessere Erfolge aufweisen. So auch die im Beobachtungszeitraum untersuchten Interventionen am Kinderherzzentrum in Gießen. Insgesamt wurden im beobachteten Zeitraum 594 Patienten katheterinterventionell behandelt, ihr Alter lag zwischen einem Tag und 21 Jahren. Die Ergebnisse werfen überwiegend ein sehr positives Licht auf die verschiedenen herzkatheterinterventionellen Therapien. Bei den Interventionen, welche bereits allgemein als Therapie der Wahl akzeptiert sind, wurden auch in Gießen sehr gute Ergebnisse erzielt.
Bei allen in Gießen durchgeführten Interventionen kommt man, bei genauer Betrachtung und unter Berücksichtigung der alternativ zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sowie der jeweils spezifischen Probleme der verschiedenen Herzfehler, auch bei den Interventionen mit nur mäßigem Langzeiterfolg zu dem Schluss, dass der jeweilige Therapieversuch lohnend war.
Die Interventionen führten in jedem Fall zu einer, wenn auch nur kurzfristigen, Verbesserung der klinischen Situation oder waren aufgrund der extrem niedrigen Komplikationsrate und dem Mangel an therapeutischen Alternativen gerechtfertigt.
Die Durchsetzung einer Kombination aus herzkatheterinterventioneller Therapie und operativen Verfahren zur Etablierung eines optimalen neonatalen Behandlungskonzeptes bei komplexen Vitien wird in Zukunft einen immer größeren Stellenwert einnehmen. Weiterentwicklungen der Materialien mit kindgerechten Implantaten sowie eine Optimierung der Technik, die strahlenfreie Herzkatheterisierung mittels MRT können bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern die Gesamtprognose weiter verbessern.
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