Hintergrund: Bei der chronisch thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH) handelt es sich um eine Form der pulmonalen Hypertonie (PH), die auf dem Boden einzelner oder rezidivierender Lungenembolien entsteht, chronisch progredient verläuft und letztendlich in ein Rechtsherzversagen münden kann. Mit der pulmonalen Endarteriektomie (PEA) steht eine prinzipiell kurative Therapieoption der CTEPH zur Verfügung. Allerdings bleibt bei 5-35 % der Patienten postoperativ eine residuelle PH bestehen, die auf thromboembolische Gefäßwandveränderungen in chirurgisch nicht erreichbaren distalen Gefäßabschnitten und/oder auf eine sekundäre Arteriopathie zurückgeführt wird. Bei Patienten mit pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH) konnte das glykierte Hämoglobin A1c (HbA1c) als prognostischer Biomarker identifiziert werden. Die klinische Bedeutung des HbA1c als Biomarker bei operablen CTEPH-Patienten ist bisher jedoch ungeklärt. Ziel dieser Studie ist es, eine Assoziation des HbA1c-Levels mit funktionellen und hämodynamischen Parametern bei operablen CTEPH-Patienten zu untersuchen. Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, ob die präoperativen HbA1c-Level mit dem postoperativen Outcome 1 Jahr nach PEA assoziiert sind und als Prädiktor einer residuellen PH fungieren können. Methoden: 102 Patienten, die sich während des Zeitraumes März 2013 bis März 2014 in der Thoraxchirurgie der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim einer PEA unterzogen haben, wurden prospektiv gescreent und bezüglich der Ein- und Ausschlusskriterien überprüft. Letztendlich konnten 45 Patienten mit vollständigen hämodynamischen Daten sowohl bei Studienbeginn als auch bei den Verlaufskontrollen in die finale Studie eingeschlossen werden. Präoperativ sowie bei den 1-Jahres-Kontrollen wurden bei allen Patienten demographische Daten, relevante Komorbiditäten, medikamentöse Therapie und aktuelle Laborparameter inklusive HbA1c-Level erfasst. Des Weiteren wurden bei jedem Patienten präoperativ und 1 Jahr postoperativ funktionelle sowie hämodynamische Daten mittels transthorakaler Echokardiographie (TTE), 6-MinutenGehtest (6-MWT), kardiopulmonalem Belastungstest (CPET) sowie Rechtsherzkatheter (RHK) erhoben. Ergebnisse: 45 Patienten (männlich/weiblich: 20/25, Alter: 62,7 ± 12,3 Jahre, BMI: 27,3 ± 6,0 kg/m2) wurden in die finale Studie eingeschlossen. Zu Studienbeginn litten sie unter einer schweren präkapillären PH [mittlerer pulmonal-arterieller Druck (mPAP): 43,6 ± 9,4 mmHg; pulmonal-vaskulärer Widerstand (PVR): 712,1 ± 520,4 dyn*s*cm-5; Herzindex (CI): 2,4 ± 0,5 l/min/m2] und zeigten die typischen präoperativen Befunde eines CTEPH-Patienten mit stark eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit [6-MWT: 362,2 ± 133,9 Meter; maximale Sauerstoffaufnahme (Peak VO2): 12,4 ± 4,1 ml/min/kg; WHO-Funktionsklasse III: 62,2 %; WHO-Funktionsklasse IV: 17,8 %]. Die Verlaufskontrolle 1 Jahr postoperativ zeigte einen signifikant verbesserten hämodynamischen und funktionellen Status des Patientenkollektivs (mPAP: 28,5 ± 10,4 mmHg, p < 0,001; PVR: 314,9 ± 233,7 dyn*s*cm-5, p < 0,001; CI: 2,6 ± 0,6 l/min/m2, p = 0,04; 6-MWT: 434,7 ± 124.5 Meter, p < 0,001; Peak VO2: 14,2 ± 3,9 ml/min/kg, p = 0,03). In der linearen Regressionsanalyse zeigte sich erstmals bei operablen CTEPH-Patienten eine Assoziation des präoperativen HbA1c-Levels mit den Baseline-Parametern rechtsatrialer Druck (RAP: R = 0,37, p = 0,023), CI (R = 0,47, p = 0,001) und Peak VO2 (R = 0,39, p = 0,015) sowie mit der Änderung der 6-MWD von präoperativ zu 1 Jahr postoperativ (delta6-MWD: R = 0,32, p = 0,032). Allerdings ergab sich in der univariaten sowie multivariaten logistischen Regressionsanalyse trotz signifikanter Assoziation des HbA1c-Levels mit den Baseline-Parametern keine Assoziation des HbA1c-Levels mit dem postoperativen Outcome. Schlussfolgerung: Dies ist die erste prospektive Studie, die eine Assoziation des HbA1c-Levels mit pulmonalen hämodynamischen und funktionellen Parametern bei operablen CTEPH-Patienten aufzeigt. Es ist uns gelungen, den HbA1c als relevanten Biomarker zu identifizieren und seine klinische Signifikanz zu demonstrieren. Allerdings konnte der HbA1c bei unserem Patientenkollektiv nicht als relevanter Prädiktor des postoperativen Outcomes im Sinne einer residuellen PH identifiziert werden. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein pathologischer Glukosemetabolismus den Schweregrad der Erkrankung negativ beeinflusst. Wenngleich die chirurgische Intervention bei der CTEPH-Therapie Mittel der Wahl ist, könnte die optimale metabolische Einstellung begleitend eine wichtige Rolle spielen. Es werden weiterführende Studien benötigt, die den Zusammenhang zwischen CTEPH und Glukosestoffwechselstörungen im Speziellen sowie zwischen CTEPH und metabolischen und endokrinologischen Störungen im Allgemeinen näher untersuchen. Neben Studien zur Prävalenz eines Prädiabetes/Diabetes mellitus bei CTEPHPatienten sowie Interventionsstudien bieten sich auch Studien an, die die Eignung alternativer Marker des Glukosestoffwechsels für die Vorhersage einer postoperativen residuellen PH erforschen.
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