Relevanz der computertomographischen Untersuchung des Schädels von Katzen mit einem geringgradigen Schädel-Hirn-Trauma : Vergleich der bildgebenden Verfahren - Röntgen versus Computertomographie - im Hinblick auf knöcherne Veränderungen des Schädels bei Katzen mit einem geringgradigen Schädel-Hirn-Trauma

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In der Humanmedizin ist die radiologische Bildgebung ein zentraler Bestandteil derNeurotraumatologie, mit deren Hilfe eine vollständige Erfassung des Verletzungsausmaßesbei Patienten mit einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) möglich wird. Indiesem Zusammenhang gilt die Computertomographie (CT) als das wichtigstebildgebende Verfahren in der Akutdiagnostik und löst in diesem Kontext das Röntgenvollständig ab.In Anlehnung an die radiologische Aufarbeitung von SHT Patienten in derHumanmedizin war die Zielsetzung des ersten Teils der vorliegenden Studie, dieNotwendigkeit einer computertomographischen Untersuchung des Kopfes vonKatzen mit einem geringgradigen SHT zu evaluieren. Die Untersuchung solltedetaillierte Erkenntnisse über das Vorkommen intrakranieller und extrakraniellknöchernerVeränderungen ergeben.Im Unterschied zur Humanmedizin ist in der Veterinärmedizin die konventionelleröntgenologische Aufarbeitung traumatisierter Tiere nach wie vor etabliert. ImHinblick darauf wurde im zweiten Teil dieser Arbeit ein Vergleich der diagnostischenMöglichkeiten des konventionellen Röntgens mit der CT bei Katzen mit einemgeringgradigen SHT vorgenommen. Die Befunderhebung beider bildgebenderVerfahren beschränkte sich ausschließlich auf die knöchernen Strukturen desSchädels. Das Ziel dieser Untersuchung war es, einen Goldstandard für einoptimales diagnostisches Management bei Katzen mit einem geringgradigen SHTund/oder kraniofazialen Verletzungen zu definieren.Bei der computertomographischen Untersuchung kommt ein 16-zeiliger Spiral-CT derFirma Phillips zum Einsatz. Die Röntgenbilder werden mit dem Televix 1600 mitObertischröhre und Durchleuchtungsfunktion der Firma CGR mit dem GeneratorSelctor MD Typ 125-80 der Firma Hofmann angefertigt.Es wurden 34 Katzen mit einem geringgradigen SHT computertomographischuntersucht und zusätzlich zum Vergleich beider bildgebenden Verfahren bei 28Tieren Röntgenbilder des Kopfes in 2 Ebenen angefertigt. Insgesamt wurden 47anatomische Strukturen am Schädel der Tiere beurteilt.Von den 34 computertomographisch untersuchten Katzen wiesen 28 Tiere (82%)mindestens eine kraniofaziale Fraktur auf. Der hohe prozentuale Anteil (77%)multipler Frakturen (> 2) spiegelte das Ausmaß der knöchernen Verletzungsfolgeninnerhalb unseres Patientenkollektivs wider. Frakturen der Orbita (71%), des Vomer(59%), sowie der Ober- (59%) und Unterkiefersymphyse (56%) gehörten zu den amhäufigsten diagnostizierten Veränderungen bei Patienten mit einer kraniofazialenFraktur.In der Humanmedizin wurden erstmals 1901 klassische Bruchlinienverläufe beiMittelgesichtsfrakturen (Le Fort I-III Frakturen) beschrieben. Der Nachweis gehäuftkombiniert auftretender Frakturen gelang auch in der vorliegenden Arbeit bei Katzenmit einem kraniofazialen Trauma. Eine statistische Signifikanz bestand bei folgendenFrakturkombinationen:- Viszero- und Neurokranium (p = 0,0001)- Oberkiefersymphyse und Orbita (p < 0,0001)- Oberkiefersymphyse und Vomer (p < 0,0001)- Oberschädel und Unterkiefer (p = 0,0003)- Unter- und Oberkiefersymphyse (p = 0,0013).Trotz der zum Teil erheblichen Schädelverletzungen gelang bei keinem Tier derNachweis einer traumaassoziierten intrakraniellen Pathologie. Nach dem jetzigenKenntnisstand ist das alleinige Kriterium eines leichten SHTs im Hinblick aufintrakranielle Verletzungsfolgen nicht ausreichend, um eine generelle Empfehlungder CT bei dieser Patientengruppe auszusprechen.Im Rahmen der vergleichenden Untersuchung (Röntgen versus CT) konnten imzweiten Teil dieser Arbeit signifikante Unterschiede bei der Erkennung vonSchädelfrakturen aufgezeigt werden.Eine gute Übereinstimmung der Befunde zeigten das Röntgen und die CT bei denDiagnosen der Unter- und Oberkiefersymphysiolyse sowie der Kiefergelenksfrakturen.Im Vergleich zum Röntgen war die CT signifikant empfindlicher in der Darstellungvon Frakturen des Vomer (p < 0,0001), des Os palatinum (p = 0,0005) sowie derdazugehörigen Sutura palatina mediana (p = 0,001) und des Os temporale(p = 0,016).An 23 unterschiedlichen Schädelstrukturen konnten Frakturen anhand derRöntgenbilder nicht diagnostiziert werden, wohingegen diese computertomographischeindeutig darstellbar waren. Eine statistische Signifikanz bestanddiesbezüglich bei der Beurteilung des Os ethmoidale (p < 0,0001), des Os frontale(p<0,0001), des Os sphenoidale (p < 0,0001), des Septum nasi (p < 0,0001), derOssa conchae (p = 0,0001), des Os präsphenoidale (p = 0,0001), der Laminaperpendicularis des Os palatinum (p = 0,001), der Sutura nasomaxillaris und des Oslacrimale (p = 0,016), des Os pterygoideum (p = 0,031) und kleinerer Fortsätze(Processus sphenoidalis (p = 0,0002), Hamulus pterygoideus (p = 0,031)). Anhandder Röntgenbilder wurden zudem an 11 verschiedenen SchädelregionenFrakturdiagnosen gestellt, die sich in der CT nicht bestätigen ließen. Aufgrund dergeringen Größe und Komplexität der knöchernen Schädelstrukturen gestaltete sichdie röntgenologische Interpretation überwiegend in Bereichen mehrfacherÜberlagerungen schwierig bis unmöglich.In der vorliegenden Arbeit war die CT dem konventionellen Röntgen in derFrakturerkennung am Schädel deutlich überlegen und kann aufgrund dessen alsDiagnostikum der Wahl bei Katzen mit einem geringgradigen SHT gewertet werden.Um mit der Humanmedizin vergleichbare Angaben und Klassifikationen derBruchlinienverläufe am Schädel von Katzen vornehmen zu können, sind weiteregezielte Untersuchungen notwendig. In diesem Zusammenhang wäre es interessant,in Anlehnung an Le Fort zunächst an Köpfen von Katzenkadavern eineUntersuchung der Frakturverläufe durch zu führen, um anschließend dieÜbertragbarkeit der Ergebnisse an Patienten mit einem kraniofazialen Traumaüberprüfen zu können.

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Giessen : VVB Laufersweiler 2010

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