Der akustische Schreckreflex kann durch einen leisen Ton 30 bis 500ms vor einem schreckauslösenden Geräusch gehemmt werden. Dieses Phänomen wird als Prepulse-Inhibition (PPI) bezeichnet. Gemessen wird die Augenblinzelkomponente des Schreckreflexes als Elektromyogramm des M. orbicularis oculi. Verglichen mit gesunden Kontrollgruppen ist die PPI bei schizophrenen Störungen vermindert, was durch Reizverarbeitungsdefizite erklärt wird. In dieser Arbeit wird untersucht, ob die Persönlichkeitsfaktoren Schizotypie, Affektintensität, Depressivität, Ängstlichkeit und Aktivation/ Deaktivation und unterschiedliche Aktivierungszustände bei gesunden Menschen mit Veränderungen der PPI bei 30ms- und 120ms-Intervallen assoziiert sind. Daraus ergibt sich die Frage, ob Persönlichkeitsfaktoren und Aktivierungsparameter eine natürliche PPI-Variabilität zur Folge haben und ob diese Faktoren bei der Zusammenstellung von Kontrollgruppen berücksichtigt werden müssen. Bei 40 Probanden wurden die genannten Persönlichkeitsfaktoren und die subjektive Aktiviertheit mit 5 Selbstbeurteilungsskalen und einer visuellen Analogskala erfaßt. Die Schreckreaktion ohne Vorstimulus und die Prepulse-Inhibition bei 30ms und 120ms mehrfach in einem Zeitraum von 90 Minuten gemessen. Während Vorstimulus (75 db, 1000 Hz, 20 ms) und Geräusch (weisses Rauschen, 105 dB, 50 ms) über Kopfhörer dargeboten wurden, wurde das EMG des M. orbicularis oculi abgeleitet. Mit einer Extremgruppen- und einer Korrelationsanalyse wurden die Schreckreaktionen ohne Prepulse und die PPI von Personen mit niedrigem und hohem Score in den einzelnen Fragebögen verglichen. Die Ergebnisse zeigen eine signifikant geringere PPI bei 30ms (p= 0,002) bei wenig Affektintensität. Bei hohem Score für Schläfrigkeit und bei abnehmender Nervosität ist die PPI bei 30ms signifikant höher (p = 0,04 bzw. p = 0,01). Faktoren wie Schizotypie, Depressivität und Ängstlichkeit scheinen in unausgelesenen Stichproben beim Prepulse-Intervall von 120ms, beim dem die PPI besonders robust ist, keinen Einfluß auf die PPI zu haben. Bei Verwendung des 120ms Prepulse-Intervalls in Vergleichsstudien ist die Miterfassung dieser Persönlichkeitseigenschaften somit nicht erforderlich. Die geringere PPI bei niedrigem Affektintensitätsscore bei 30ms zeigt eine Perspektive für Untersuchungen von PPI-Veränderungen speziell bei der Negativsymptomatik der Schizophrenie auf. Aktuelle Aktivierungsfaktoren sollten bei allen PPI-Untersuchungen berücksichtigt werden.
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