Ziel der vorliegenden Studie war es zu überprüfen, ob mit steigender Anzahl kariöser Läsionen auch eine konstante Zunahme der Hefebesiedelung und deren Konzentration einhergeht.
An Kindern im Alter zwischen 2 und 7 Jahren wurden mikrobiologische Untersuchungen zur Keimbesiedelung der Mundhöhle durchgeführt. Dabei handelte es sich um eine Gesamtgruppe von 120 Kindern, die gemäß ihrer Anzahl vorhandener kariöser Milchzähne in 4 Einzelgruppen zu je 30 Kindern unterteilt wurden: (Gruppe I: d(t)-Wert=0; Gruppe II: d(t)-Wert=1-3; Gruppe III: d(t)-Wert=4-6; Gruppe IV: d(t)-Wert=>6). Bei allen Kindern wurden entnommene Speichel- und Plaqueproben, bei Kindern mit kariösen Gebissen zusätzlich auch Proben kariös erweichter Zahnsubstanz auf das Vorhandensein von Candida-spezies untersucht. Des Weiteren erfolgte die Entnahme zusätzlicher Speichelproben für die Testung auf Mutans Streptokokken (Dentocult SM-Test) und Laktobazillen (Dentocult LB-Test) sowie zur Analyse der Pufferkapazität (Dentobuff-Test).
Der Vergleich der Candidabesiedelung der Mundhöhle zwischen den Gruppen ergab, dass mit steigender Anzahl kariöser Zähne die Häufigkeit der Candidabesiedelung im Speichel, in der Plaque und in der kariösen Substanz stetig zunimmt. Während Speichelproben innerhalb der Gruppe I nur in 13,3% und Plaqueproben nur in 10% der Fälle Candida albicans enthielten, stiegen die Werte bei Kindern mit höheren d(t)-Werten stetig an. So enthielt der Speichel in Gruppe IV schließlich in 60% und die Plaque in 66,7% der Fälle Candida. In kariös erweichter Zahnsubstanz konnten sogar in 93,3% der Proben Hefen diagnostiziert werden.Darüber hinaus konnte eine Korrelation zwischen der Candidamenge und den d(t)-Werten der Kinder festgestellt werden. Die Klassifizierung «keine» nahm für Speichel, Plaque und kariöse Substanz mit Ansteigen der Anzahl kariöser Zähne ab, während der Bewertungsgrad «massenhaft» (>10³ koloniebildende Einheiten) im Speichel der Gruppe III, in der Plaque der Gruppen III und IV und in der kariösen Substanz der Gruppe II, III und IV diagnostiziert werden konnte. Die Differenzierung der Candidaarten erbrachte bei einem Kind den Nachweis von Candida tropicalis sowie bei einem weiteren Kind von Candida parapsilosis. In allen anderen Fällen handelte es sich um Candida albicans.
Die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchung der Patienten mit kariösen Gebissen zeigten ebenfalls ein vermehrtes Auftreten der kariesspezifischen Keime Streptococcus mutans und Laktobazillen im Speichel. Um so höher der d(t)-Wert der betroffenen Kinder war, desto häufiger waren diese Keime im Speichel nachweisbar. Innerhalb der Gruppe I beherbergten nur 36,7% der Kinder Mutans Streptokokken und 70% Laktobazillen. In der Gruppe IV waren hingegen alle Speichelproben mit diesen Keimen besiedelt. Zwischen der Pufferkapazität des Speichels und der Anzahl kariöser Zähne bestand keine Korrelation.
Aus den Ergebnissen lässt sich ableiten, dass eine orale Besiedelung mit Candida nicht erst bei stark kariösem Gebisszustand auftritt. Die Kolonisation der Mundhöhle beginnt vielmehr bereits bei kariesfreien Gebissen und nimmt mit ansteigendem d(t)-Wert kontinuierlich zu. Darüber hinaus nimmt auch die Candidamenge mit höheren d(t)-Werten zu, so dass Kinder mit großem kariösen Gebisszerstörungsgrad eine größere Menge an Pilzen in den Proben aufweisen als Kinder mit geringem Zerstörungsgrad. Schließlich besteht ebenfalls eine positive Korrelation zwischen der Häufigkeit der kariesspezifischen Keime Streptococcus mutans und Laktobazillen im Speichel und ansteigenden d(t)-Werten der Kinder
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