Vorkommen und Bedeutung von Enterobacteriaceae in Säuglingsfertignahrungsmitteln unter besonderer Berücksichtigung von Enterobacter sakazakii
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Zusammenfassung
Getrocknete Säuglingsfertignahrungsmittel können eine mikrobielle Kontamination aufweisen, weshalb eine potentielle Gesundheitsgefährdung für die sensible Verbrauchergruppe der Säuglinge nicht ausgeschlossen werden kann. Ein eindeutiger kausaler Zusammenhang zwischen dem Konsum von Säuglingsfertignahrung und Erkrankungen ist bisher für die Enterobacteriaceae-Spezies E. sakazakii und Salmonella enterica beschrieben worden. Ein möglicher Kausalzusammenhang wird aber auch für andere Enterobacteriaceae angenommen. Veröffentlichte Daten über das qualitative und quantitative Vorkommen von Enterobacteriaceae in Säuglingsfertignahrungsmitteln liegen in Deutschland bisher kaum vor, sodass es Ziel dieser Arbeit war, einen Überblick darüber zu erhalten und somit Daten für eine aktuelle Bewertung der mikrobiologischen Sicherheit von Säuglingsfertignahrungsmitteln bereitzustellen.Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden in den Jahren 2005 und 2006 insgesamt 152 getrocknete Säuglings- und Kleinkinderfertignahrungsmittel des deutschen Marktes auf das qualitative und quantitative Vorkommen von Enterobacteriaceae untersucht. Zu den untersuchten Säuglingsfertignahrungsmitteln gehörten Säuglingsanfangsnahrungen (vorgesehener Verzehr von Geburt an), Folgenahrungen (Verzehr ab einem Lebensalter von > 4 Monaten), Beikost (Verzehr nach dem 4. Monat) und diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (Verzehr von Geburt an). Der Nachweis erfolgte unter Verwendung eines kombinierten Untersuchungsverfahrens, dem die Internationale Standardmethode (ISO) 21528-1:2004 für den Nachweis von Enterobacteriaceae, die Internationale Standardmethode (ISO) 6785:2001 für den Nachweis von Salmonellen, sowie die Methode der US Food and Drug Administration für den Nachweis von E. sakazakii zugrunde lagen. Für den Nachweis von E. sakazakii wurde zusätzlich ein chromogenes Selektivnährmedium eingesetzt. Die Bestätigung der kulturell und biochemisch als E. sakazakii identifizierten Keime erfolgte mittels Polymerase-Kettenreaktion.Enterobacteriaceae wurden in 45,4 % (69 von 152 Proben) der untersuchten Säuglingsfertignahrungsmittel nachgewiesen. Säuglingsanfangsnahrung erwies sich dabei zu 26 % (10 von 38) kontaminiert, Folgenahrung zu 37 % (14 von 38), Beikost zu 61 % (42 von 69) und diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke zu 43 % (3 von 7).Eine Monokontamination mit einer Enterobacteriaceae-Spezies konnte in 44 der 69 (64 %) Enterobacteriaceae-positiven Proben festgestellt werden, eine Mehrfach-kontamination mit zwei oder mehr Enterobacteriaceae-Spezies in 25 der 69 (36 %) Enterobacteriaceae-positiven Proben.Am häufigsten wurden die Keimspezies Enterobacter cloacae (in 14,5 % der untersuchten Proben), E. sakazakii (13,8 %) und Klebsiella pneumoniae (9,2 %) nachgewiesen. Es folgten mit abnehmender Häufigkeit Escherichia vulneris (8,6 %), Serratia ficaria (5,9 %), Escherichia hermanii (3,9 %), Pantoea spp. 3 (3,9 %), Escherichia coli (2,6 %), Pantoea spp. 4 (2,6 %), Pantoea spp. 2 (2,0 %), Leclercia adecarboxylata (1,3 %), Citrobacter youngae (0,7 %), Citrobacter spp. (0,7 %), Enterobacter amnigenus (0,7 %), Klebsiella oxytoca (0,7 %) und Serratia rubidaea (0,7 %).Salmonellen konnten in keiner der Proben nachgewiesen werden.Neben Enterobacteriaceae wurde in einer Reihe von Proben das Gram-negative Bakterium Acinetobacter baumanii detektiert, welches als nosokomiales Pathogen bekannt ist.Die Vorkommenshäufigkeit von E. sakazakii in den insgesamt untersuchten Säuglingsfertignahrungsmitteln betrug 13,8 % (21 von 152). Die untersuchten Säuglingsanfangsnahrungen waren zu 5,3 % (2 von 38) mit E. sakazakii kontaminiert, Folgenahrungen zu 5,3 % (2 von 38), Beikost zu 24,6 % (17 von 69) und diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke zu 0 % (0 von 7). Die aktuellen, gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich E. sakazakii (Nichtvorhandensein von E. sakazakii in getrockneter Säuglingsanfangsnahrung und getrockneten diätetischen Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke, die für Säuglinge unter 6 Monaten bestimmt sind) nach Verordnung (EG) 2073/2005 bzw. Verordnung (EG) 1441/2007 wurden somit von 5,3 % der untersuchten Säuglingsanfangsnahrungen nicht erfüllt.Die quantitative Belastung von Säuglingsfertignahrungsmitteln mit Enterobacteriaceae war in relativ niedrigen Keimzahlbereichen angesiedelt. 78 % der Enterobacteriaceae-positiven Proben waren mit weniger als 1 KbE/100 g kontaminiert, 15 % zwischen 1 und 5 KbE/100 g und 7 % mit mehr als 5 KbE/100 g. Drei der mit > 5 KbE/100 g kontaminierten Proben enthielten jedoch & #8805; 110 KbE/100 g, zwei dieser Proben sogar E. sakazakii.Wie die im Rahmen der vorliegenden Arbeit ermittelten Ergebnisse zeigen, sind Enterobacteriaceae - unter diesen auch E. sakazakii - in getrockneten Säuglingsfertig-nahrungsmitteln des deutschen Marktes relativ häufig vorhanden, allerdings meist in sehr niedrigen Keimzahlen. Gemessen am Konsum von Säuglingsfertignahrungsmitteln ist die Zahl der beschriebenen Erkrankungsfälle von Säuglingen gering. Das Infektionsrisiko für Säuglinge durch Säuglingsfertignahrungsmittel kann sich jedoch durch Fehler bei der Zubereitung bzw. bei der Handhabung des rekonstituierten Produktes, im Sinne einer Keimanreicherung, erhöhen.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2009
