Untersuchungen über die Auswirkungen unterschiedlicher Umwelttemperaturen beim neugeborenen Lamm in den ersten 72 Lebensstunden

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Die Verluste an Neugeborenen und Jungtieren in der Schafhaltung sind auch unter modernen Produktionsbedingungen nach wie vor relativhoch und minimieren dadurch die ökonomischen Erträge erheblich. Wie sich in zahlreichen Unter-suchungen der vergangenen Jahrenzeigte, dominieren in der Verluststatistik die nicht infektiösen Ursachen, für den Zeitraum der ersten zwei Lebenstage. Ablammungen unterunterschiedlichen Umwelt-, insbesondere Temperaturbedingungen beeinflussen die Entwicklungs- und Regulationsvorgänge desEnergiehaushaltes und der Thermoregulation bei neugeborenen Lämmern. Deswegen stellt der Hypothermie - Hypoglykämie - Komplexeines der Hauptprobleme bei neugeborenen Lämmern nicht nur regional, sondern weltweit dar. Ziel dieser Arbeit war es daher, klinisch aussagekräftige Parameter der Körperinnentemperaturentwicklung sowie des Energie- undSäure-Basen-Haushaltes neonataler Lämmer unter differenten Umweltbedingungen in den ersten 72 Lebensstunden eingehenddarzustellen. Dabei standen 49 Mutterschafe, die unter differenten Kältebedingungen (20°C bis -3°C) ablammten, zur Verfügung. Vertreten waren dieRassen Merinolandschaf (MLS) und Deutsch-Schwarzköpfiges-Fleischschaf (DSK). Das Alter der Muttertiere lag bei 4,0 ± 1,5 Jahren.Insgesamt wurden von ihnen 85 Lämmer geboren, wovon bis zur 72. Lebensstunde 74 überlebten. Es wurden vier Gruppen gebildet: Injeder Gruppe wurden jeweils 20 Lämmer unter Umgebungstemperaturen von 18,0 ± 3,7°C (Gruppe A), von 5,8 ± 2,2°C (Gruppe B), von -4,5 ± 2,0°C (Gruppe C) und 14 Lämmer (Gruppe D) aus geburtshilflichen Laparatomien, die bei einer Umgebungs-temperatur von 19,4 ±1,1°C zur Welt kamen. Bestimmt wurden folgende Parameter: Körperinnentemperatur, Körpergewicht, Blutglucose-, Bluttriglyzerid-, Blutcholesterin- undBlut-& betaHBA-Konzentration, Gesamteiweiß, sowie Parameter des Säure-Basen-Haushaltes innerhalb der ersten 72 Lebensstunden.Dazu kamen noch ethologische Bewertungen, Gewichtskontrollen und die Aufnahme klinischer Daten. Unmittelbar post natum wurde dieerste Blutprobe, sowie in der 1., 3., 6., 12., 18., 24., 36., 48. und 72. Lebensstunde weitere Proben aus der Vena jugularis entnommen,wobei gleichzeitig die Körperinnentemperatur sowie die Umgebungstemperatur gemessen wurden. Die statistische Auswertung der Daten erfolgte unter Verwendung des Statistik - Programmpaketes BMDP / Dynamic, Release 7.0. DieBeschreibung der Daten geschah tabellarisch mit Hilfe des Programms BMDP1D. Bei angenäherter Normalverteilung wurden diearithmetischen Mittelwerte (x), Standardabweichungen (±s), Minima (xmin), Maxima (xmax) und Stichprobenumfänge (n) berechnet. DieAuswertung der Ergebnisse erfolgte unter Berücksichtigung der Faktoren 'Gruppe', 'Zeit', 'Rasse', 'Geschlecht' und 'Geburtstyp'. Beiangenähert normalverteilten Datensätzen wurde dementsprechend eine fünffaktorielle Varianzanalyse mit Meßwiederholungen für denFaktor 'Zeit' ohne Aufnahme von Wechselwirkungen mit dem Programm BMDP2V durchgeführt. Es konnte ein deutlicher Einfluß der Außentemperaturen auf die Entwicklung der Körperkerntemperatur in den ersten 24 Lebensstundendargestellt werden. Die intrapartal hohe Körperinnentemperatur mit durchschnittlich 40°C fiel in allen drei Gruppen signifikant von derStunde 0 bis zur Stunde 12 ab. Danach stabilisierte sie sich, so daß als Normwert für die Zeit zwischen der 18. und 72. Lebensstunde einBereich von 39,3°C bis 39,5°C angegeben werden kann. Erheblich niedrigere Temperaturen wiesen Lämmer aus einer Sectio caesarea inder 1. Lebensstunde (38,5 ± 1,3°C) auf. Innerhalb der Gruppen waren zwar keine signifikanten Einflüsse der Rasse, des Geschlechts oderder Einlings-/Mehrlingsgeburt festzustellen, es bestand jedoch eine signifikante Beziehung zur Ernährungsform. Umgebungstemperatur und Geburtsart stellen zwei entscheidende Faktoren (p& le;0,01) für die Stabilisierung der Blutglucosekonzentrationdar. Überraschend ist dabei, daß unter annähernd normalen, aber auch bei niedrigeren Umgebungstemperaturen die Lämmer im Zustandeiner Hypoglykämie geboren werden. So lagen die Blutglucosekonzentrationen unmittelbar post natum in Gruppe A bei 2,3 ± 0,6 mmol/l, inGruppe B bei 2,3 ± 0,7 mmol/l, in Gruppe C bei 2,2 ± 0,7 mmol/l und in Gruppe D bei 1,8 ± 0,7 mmol/l. Hinsichtlich der Entwicklungen derBlutglucosekonzentrationen wiesen die Lämmer der Gruppe A, die unter günstigen Umweltbedingungen geboren worden waren, in denersten 72 Lebensstunden deutlich höhere Werte als die Lämmer der übrigen drei Gruppen auf. Die Lämmer in dieser Gruppe kommen biszur 6. Lebensstunde in den Bereich der Normoglykämie. Die Probanden in den übrigen Gruppen (Gruppe B, C und D) erreichen diesenStatus erst in der 18. Lebensstunde. Der Unterschied der Blutglucosekonzentrationentwicklung war in Verbindung mitUmgebungstemperatur und Geburtsart während der ersten 72 Lebensstunden statistisch signifikant. Innerhalb der Gruppen hatten dieneugeborenen Lämmer von MLS-Rassen und Einlingsgeburten sowie mit reiner Muttermilch ernährte erheblich höhereBlutglucosekonzentrationen als die neugeborenen Lämmer von DSK-Rassen und Mehrlingsgeburten sowie mit Milchaustauscherernährten. Die gemessenen Bluttriglyzeridkonzentrationen sind in den einzelnen Gruppen zum Zeitpunkt unmittelbar post natum auf nahezu gleichemNiveau und befanden sich im hypotriglyzeridämischen Bereich. So lagen die Bluttriglyzeridwerte unmittelbar post natum in Gruppe A bei0,49 ± 0,15 mmol/l, in Gruppe B bei 0,33 ± 0,15 mmol/l, in Gruppe C bei 0,53 ± 0,27 mmol/l und in Gruppe D bei 0,34 ± 0,14 mmol/l. ImVerlauf der Untersuchung trennten sich die Kurven: Während Lämmer der Gruppe A einen, im Vergleich zu den beiden übrigen Gruppen,signifikant steileren Anstieg und höheren Verlauf (zwischen der Werte 1,17 ± 0,51 und 1,50 ± 0,45 mmol/l) aufwiesen, verliefen die Kurvender Bluttriglyzeridkonzentrationen in den Gruppen B (zwischen 0,59 ± 0,17 mmol/l und 0,83 ± 0,31 mmol/l) und C (zwischen 0,45 ± 0,16mmol/l und 0,62 ± 0,13 mmol/l) auf deutlich niedrigerem Niveau. Lämmer der Rasse MLS wiesen über alle Gruppen hinweg einegeringfügig höhere Triglyzeridkonzentration im peripheren Blut auf als DSK-Lämmer. Im Allgemeinen hatten mit Kolostrum und reinerMuttermilch ernährte Lämmer signifikant höhere Bluttriglyzeridwerte als die mit Fremdkolostrum und Milchaustauscher artifiziell versorgten.Wurfgröße und Geschlecht spielten aber für die Entwicklung der Bluttriglyzeridkonzentration keine wesentliche Rolle. Parallele Tendenzenwaren für die Entwicklung der Blutcholesterinkonzentrationen gegeben. Die Verläufe der Blut-& beta;HBA-Konzentrationen spiegeln die angespannte Energiesituation der Lämmer der Gruppen B und C wider.Hier waren die Durchschnittwerte im Vergleich zu Lämmern der Gruppe A im Verlauf des Untersuchungszeitraums, bei annäherndidentischem Ausgangswert, signifikant erhöht. DSK-Lämmer, künstlich mit Milchaustauscher ernährte Lämmer sowie Mehrlingslämmerwiesen wesentlich höhere Blut-& beta;HBA-Werte auf als spontan gesäugte Lämmer und Einlingsgeburten sowie der Rasse MLS.

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