Die Nutzflächenstrukturen vieler landwirtschaftlicher Unternehmen sind unzureichend auf den technischen Fortschritt abgestimmt und verursachen zu hohe Arbeitserledigungskosten. Das Betriebswachstum durch Pacht oder Kauf von landwirtschaftlichen Flächen führt i.d.R. zu einer steigenden Zahl von Bewirtschaftungseinheiten (Schläge) mit der Folge einer Zunahme von Wege- und Rüstzeiten. Auch verursachen kleine und in der Form ungünstig angelegte Flächen durch Wendevorgänge, negative Randstreifeneffekte und Überlappungen bei Aussaat und Applikation von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln erhöhten Bewirtschaftungskosten.
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung des Einflusse von Flächengröße und Flächenform unter besonderer Beachtung der Auswirkungen daraus resultierender Wendevorgänge auf die Arbeitserledigungskosten in der Hauptzeit. Hierzu wird ein Arbeitsmodell entwickelt mit der Aufgabe theoretische und im Praxisversuch erhobene Werte in Leistungsdaten des Arbeitszeitaufwandes zu verrechnen. Als Untersuchungsgegenstand werden in das Arbeitsmodell Flächengrößen, Flächenformen und Mechanisierungsvariationen mit unterschiedlichen Arbeitsbreiten und einer Direktsaatvariante aufgenommen
Mittels einer Methode der kausalen Zeitermittlung, der Zeitelementmethode, werden in einer Arbeitszeitstudie für die unterschiedliche Flächenformen, Flächengrößen und Mechanisierungsvariationen Wendevorgänge gemessen, zu Zeitelementen verarbeitet und daraus im Arbeitsmodell Planzeitelemente entwickelt.
Die im Arbeitsmodell gewonnenen Ergebnisse zu Wendezeitanteilen an der Gesamtzeit von Arbeitsvorgängen im Getreidebau zeigen deutliche Unterschiede von Wendezeitanteilen zwischen den Arbeitsgängen der Bodenbearbeitung, Aussaat und Bestandsführung und auch ebenso zwischen Flächengröße und Flächenform. So liegt, je nach Konfiguration, der Zeitanteil für Wendevorgänge auf einem 1-Hektar-Schlag bei 30 bis 70 Prozent mit deutlichen Degressionen auf 5 bis 30 % bei einer Flächenvergrößerung auf 20 Hektar.
Die untersuchten Maschinenvariationen zeigen auf allen Flächenformen deutliche Leistungssteigerungen auf Schlägen bis 10 Hektar. Bei Gespannen mit einer höheren Vorfahrtgeschwindigkeit führen die Wendevorgänge zu einer höheren prozentualen Zeitbelastung in der Arbeitserledigung mit einer flacher verlaufenden Degressionskurve bis 20 Hektar.
Eine Auswertung der Arbeitserledigungskosten zeigt bei Flächengrößen bis 4 Hektar Kostenvorteile für die Maschinenvariation A (geringere Arbeitsbreiten). Die Mechanisierungsvariation B (höhere Arbeitsbreiten) mit höheren Maschinenkosten kann unter den getroffenen Annahmen erst bei Flächen ab 5 Hektar sinnvoll eingesetzt werden. Durch die Gestaltung von rechteckigen Schlägen im Bereich von 20 Hektar können die Arbeitserledigungskosten bei gleicher Form der Mechanisierung um bis zu 8 % gegenüber kleineren und ungünstiger geschnittenen Schlägen reduziert werden.
Daher wird festgestellt, dass - auch im Zusammenhang mit einem breiteren Vorgewende - der technische Fortschritt von größeren und effizienteren Maschinen zwingend eine Anpassung der landwirtschaftlichen Nutzflächen erfordert. Dabei gibt es keine optimale Flächengröße, sondern diese steht in Korrelation zu den Mechanisierungsverfahren.
Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen