Anämie ist ein zunehmend häufigerer klinischer Befund. Patienten mit KHK haben aufgrundder Koronarstenosen eine eingeschränkte Möglichkeit der Anämiekompensation, welchezusätzlich durch Komorbiditäten beeinträchtigt wird. Es gibt bereits einige Studien, welcheden negativen Einfluss präoperativer Anämie in Bezug auf postoperatives Outcomebeschreiben. Die Frage, ob Anämie ein unabhängiger Risikofaktor oder nur der Ausdruck desklinischen Bildes eines Patienten ist, wird in der Literatur zum Teil kontrovers diskutiert. Inunserer Studie soll geklärt werden, ob Anämie ein eigenständiger zusätzlicher Risikofaktor inBezug auf die 30-Tages Mortalität und Morbidität in Form von MACCE ist. Weiterhin solluntersucht werden, ob es einen linearen Zusammenhang zwischen präoperativem Kreatininund Hämatokrit gibt.In der vorliegenden Studie wurden 3311 Patienten, welche in den Jahren 2004 bis 2006 an 2Instituten bypassoperiert wurden, untersucht. Insgesamt waren 171 Patienten anämisch,definiert als HKT = 33% beziehungsweise Hb = 11 g/dl. Zielgrößen sind zum einen die 30-Tages Mortalität und zum anderen die Morbidität in Form von MACCE. Mithilfe des exaktenTestes nach Fisher bzw. dem Chi-quadrat-Test, dem Wilcoxon- bzw. Median Testuntersuchten wir Gruppenunterschiede. Anschließend wurde die Strukturgleichheit derGruppen überprüft und nach Cohen bewertet. Danach erfolgte die Berechnung der univariatenZusammenhänge mit der Zielgröße. Die berechneten Einflussgrößen wurden anschließend indas Modell der multivariablen logistischen Regression aufgenommen. Zum Schluss erfolgtedie Berechnung der Korrelationskoeffizienten nach Spearman und Pearson zwischenpräoperativem Kreatininwert und Hämatokrit.Patienten mit Anämie weisen eine signifikant (p<0,0001) höhere postoperative Mortalität(13,45% vs. 2,26%) und eine deutlich höhere MACCE-Rate (14,62% vs. 5,29%) im Vergleichzu nicht anämischen Patienten auf. Im Mittel sind anämische Patienten älter, öfter weiblich,haben einen geringeren BMI und besitzen ein erhöhtes Risikoprofil sowie mehrKomorbiditäten als die Vergleichsgruppe. In der anämischen Gruppe sind niedrigere EF,Vorhofflimmern, akuter MI, Dialysepflicht, Diabetes mellitus und Notfalleingriffe häufigerals bei nicht anämischen Patienten. Sie erreichen durchschnittlich höhere Werte im Euroscoresowie in der ASA- Klassifikation und haben gleichzeitig eine erhöhte Wahrscheinlichkeit,peri- bzw. postoperative Erythrozytentransfusionen erhalten zu müssen. Trotzdem zeigte sichin der multivariablen logistischen Regression unter Berücksichtigung möglicher Störvariablenein 3,5-fach erhöhtes Mortalitäts- (OR: 3,523, 95% KI: 2,041-6,081) und ein 2,2-facherhöhtes MACCE-Risiko (OR: 2,206, 95%-KI: 1,396-3,485) anämischer Patienten gegenüberder nicht anämischen Vergleichsgruppe. Eine lineare Korrelation zwischen präoperativemKreatinin und Hämatokrit konnte nicht nachgewiesen werden.In unserer Studie mit über 3300 Patienten konnte Anämie nicht nur als Indikator desklinischen Risikoprofils bei Patienten mit ACB-Operation identifiziert werden, sondern ist einunabhängiger zusätzlicher Risikofaktor. Die Ergebnisse belegen einige Studien, welcheAnämie als unabhängigen Risikofaktor für postoperativ schlechtes Outcome bei ACBOperationenbereits zeigten 41,55,92. Im Gegensatz zu der Studie von Bell et all 82 blieb inunserer Untersuchung der negative Effekt von Anämie auch im multivariablen Modellbestehen. Eine mögliche Korrelation zwischen Anämie und Kreatinin, wie sie bei Bell et al 82gezeigt wurde, konnte nicht bestätigt werden.Die gefundenen Ergebnisse zeigen, dass Anämie als eigenständiger, unabhängigerRisikofaktor zu den bestehenden Faktoren und Scores hinzugefügt werden muss.Weiterführende prospektiv randomisierte klinische Studien sollten untersuchen, ob gezielteTherapien das Outcome bypassoperierter anämischer Patienten verbessern.
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