Das Einschläfern von Haustieren wird für die wenigsten Praktiker zur Routine und bleibt häufig mit Unbehagen verbunden, da sie sich ineinem Spannungsfeld verschiedener Bedürfnisse und Erwartungen befinden. So ist der Tierarzt in der Euthanasiesituation nicht nur mitseiner fachlichen Kenntnis zur Verabreichung der tödlichen Drogen, sondern in hohem Maße auch mit seiner sozialen Kompetenzgefordert.
Diese Arbeit liefert eine Bestandsaufnahme sozialer Kompetenz deutscher Tierärzte beim Einschläfern von Hunden. Dazu wurden auf demPostweg und per Internet beziehungsweise E-Mail 315 Tierärzte zu ihrer Selbsteinschätzung befragt, die sich auf den Umgang mit demTier, seinem Besitzer, dem Praxisteam und auf die persönliche Verarbeitung der Situation bezog. Die Itemkonstruktion erfolgte nachKriterien der klassischen Testtheorie. Anhand von Retest-Methode, Experten-Rating und Faktorenanalyse wurde der Test auf seineGütekriterien kontrolliert. Die Überprüfung der Arbeitshypothesen erfolgte mit t-Test, einfaktorieller ANOVA und bivariater Korrelation. Eswurden Zusammenhänge festgestellt zwischen der sozialen Kompetenz eines Tierarztes und seinem Geschlecht, der Praxisausrichtung,dem Einzugsgebiet der Praxis und der bevorzugten Euthanasie-Indikation. Keinen signifikanten Einfluss auf das Ausmaß der tierärztlichenSozialkompetenz hingegen haben Alter und Jahre der Berufspraxis des Arztes, die Euthanasiesituation und die Anzahl derEinschläferungen pro Monat. Bezogen auf das kompetente Agieren bei Tiereuthanasien machte die Mehrzahl der Testpersonen Aussagen,die in Anlehnung an die wissenschaftlichen Empfehlungen auf große soziale Kompetenz schließen lassen. Im Teilaspekt der innerenReflexion und Verarbeitung des Euthanasiegeschehens und der persönlichen Einstellung des Tierarztes dazu konnte die überwiegendeZahl der Probanden nach Maßgabe der Fachleute als mittelmäßig kompetent eingestuft werden. Eine Steigerung der tierärztlichenSozialkompetenz erscheint wünschenswert und erreichbar, indem der Umgang mit Tierbesitzern Bestandteil der veterinärmedizinischenLehre wird.
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