Ontogenese und krankheitsbedingte Modulation der Urinsteroidausscheidung von Fruehgeborenen groeßer 30 Schwangerschaftswochen mit Hilfe der Gaschromatografie/Massenspektrometrie
Ziel der Studie: Die Datenlage ueber die Funktion der Nebennierenrinde von Fruehgeborenen (FG) groesser 30 Schwangerschaftswochen (SSW) ist spaerlich und zum Teil widerspruechlich. Das Ziel der Studie bestand darin, die Kortisolproduktionsrate (KPR) als einen integralen Parameter der adrenalen Funktion dieser Kinder waehrend der Neonatalperiode und den Einfluss der Schwere von Erkrankung auf die Hoehe der KPR zu bestimmen. Weiterhin sollten die Ergebnisse mit denen unreifer FG kleiner 30 SSW verglichen werden. Zusaetzlich sollte die Produktionsrate der fetalen Steroide (FPR) longitudinal bestimmt werden, um Aussagen ueber den gestationsalterabhaengigen zeitlichen Verlauf der Involution der Foetalzone treffen zu koennen. Untersucht wurde auch, ob die Produktion der Glukokortikoide und fetalen Steroide den gleichen Regulationsmechanismen unterliegen.Methodik: Longitudinale Beobachtungsstudie. Urin wurde nicht-invasiv in Windeln aus reiner Zellulose 24 Stunden lang gesammelt und durch eine hydraulische Presse (120kPa/cm2) extrahiert. Glukokortikoide bzw. fetale Steroide wurden mittels Gaschromatographie/Massenspektrometrie identifiziert und quantifiziert. Die KPR bzw. FPR wurde aus der Summe der individuellen Metabolite berechnet (Summe aus 14 bzw. 17 Metaboliten) und bei 59 wenig beeintraechtigten (Mittelwert [Standardabweichung] : 33,5 [3,5] SSW) und 20 kranken (Mittelwert [Standardabweichung]: 33,3 [3,3] SSW) FG bestimmt. Eine postnatale Steroidtherapie war ein Ausschlusskriterium. Die Schwere der Erkrankung wurde nach klinischen Kriterien und dem Score for Neonatal Acute Physiology (SNAP) beurteilt.Ergebnisse: Die hoechsten SNAP-Werte wurden in der ersten Lebenswoche gemessen und unterschieden sich zwischen kranken und wenig beeintraechtigten FG bis auf Tag 2 (p=0,06) signifikant (p<=0,01). Die Mediane der KPR (µg/kg/d/mg Kreatinin) betrugen bei kranken (wenig beeintraechtigten) FG an Tag 1: 31 (28); Tag 2: 24 (28); an Tag 3: 27 (26); Tag 5: 28 (17); Woche 2: 20 (19); Woche 3: 17 (19); Woche 4: 16 (16) und Monat 2: 17 (23). Die univariate Analyse ergab eine signifikante Korrelation zwischen maximalem SNAP und dem Maximum der KPR (odds ratio 3,7 (95% confidence interval 1,2-11,5); p = 0,02). Auch nach Hinzunahme weiterer Einflussfaktoren wie des Gestationsalters (p=0,004), Geburtsmodus (nicht signifikant, NS), Geschlecht (NS) und praenataler Steroidtherapie (NS) in eine logistische Regressionsanalyse blieb der Einfluss des max. SNAP auf die max. KPR signifikant. Im Vergleich zu unreiferen FG kleiner 30 SSW waren die KPR der FG groesser 30 SSW in der Neonatalperiode signifikant um den Faktor 1,5 bis 3,0 niedriger [31]. Die FPR von FG groesser 30 SSW naeherte sich ab einem postmenstruellen Alter von 38 Wochen den Werten der reifen Neugeborenen an. In einer Spearman-Rang-Analyse konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen den Ausscheidungsraten der fetalen Steroide und der Glukokortikoidmetabolite gefunden werden.Diskussion: Bei FG groesser 30 SSW besteht eine signifikant positive Korrelation zwischen der Schwere der Erkrankung und der Kortisolproduktion. Dies deutet auf eine Reifung der adrenalen Stressantwort im Vergleich zu unreifen FG mit einem Gestationsalter unter 30 SSW hin. Dieser Reifungsprozess ist gleichzeitig mit einer signifikant niedrigeren Kortisolproduktion verglichen mit FG kleiner 30 SSW assoziiert. Die Involution der Foetalzone ist nicht abhaengig vom Geburtszeitpunkt sondern vom postmenstruellen Alter. Die Produktion der fetalen Steroide und der Glukokortikoide scheint unabhaengig von einander reguliert zu werden.
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