Messung der LH-Konzentrationen nach exogen verabreichten Gonadotropin-Releasing-Hormon-Gaben in den ersten 10 Tagen post partum beim Rind unter Berücksichtigung des Schweregrades der Geburt
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Zusammenfassung
Über die Aktivität der Adenohypohypophyse und mithin des Ovars beim Rind in der I. Dekade der postpartalen Regenerationsperiode gibt es in der Literatur nur wenige, belegte Informationen, die dazu noch unterschiedliche Aussagen in sich bergen. Es schien daher relevant, die Sekretionsleistung des Hypophysenvorderlappens in dieser postpartalen Periode anhand von LH-Messungen zu untersuchen. Darüberhinaus sollten weitere Fragen eine Klärung zugeführt werden, ob sich durch exogene GnRH-Gaben die hypophysäre Aktivität in der frühen postpartalen Zeit nachhaltig anregen läßt, und ob dies zu einer Induktion der postpartalen ovariellen Funktion führt. Das Tierkollektiv bestand aus 40 Kühen der Nutzungsrichtung "Milch". 57,5 % gehörten der Rasse Deutsch-Holstein Zuchtrichtung Schwarzbunt (n = 23), 42,5 % der Rasse Deutsch-Holstein Zuchtrichtung Rotbunt (n = 17) an. Das Durchschnittsalter betrug 4,8 ± 1,9. Zwanzig klinisch gesunde Kühe wurden der Gruppe A nach komplikationsloser Geburt, die übrigen zwanzig Tiere nach komplikationsbehafteter Geburt (erschwerte Zughilfe, Sectio caesarea und Fetotomie) der Gruppe B zugeteilt. Alle Probandinnen unterlagen regelmäßig einer klinischen Allgemein- und einer speziellen nachgeburtlichen Untersuchung. Aus dem Probandenkollektiv wurden dann folgende Untergruppen (jeweils n = 5) gebildet: AKontrolle (keine GnRH-Gabe), A1 (GnRH-Gabe am 1. Tag post partum), A2 (GnRH-Gabe am 7. Tag post partum) und A3 (GnRH-Gabe am 10. Tag post partum); BKontrolle (keine GnRH-Gabe), B1 (GnRH-Gabe am 1. Tag post partum), B2 (GnRH-Gabe am 7. Tag post partum) und B3 (GnRH-Gabe am 10. Tag post partum). Zum Einsatz kam das GnRH-Analogon Receptal® (Buserelinacetat, Fa. Intervet, Unterschleißheim, Deutschland), welches nach Entnahme der probe intramuskulär verabreicht wurde. Die LH-Messungen fanden an den Tagen 1 und 2, 7 und 8 sowie 10 und 11 nach der Geburt über einen Zeitraum von jeweils 10 Stunden statt, wobei die Blutproben innerhalb der ersten sechs Stunden in 30minütigen und innerhalb der folgenden vier Stunden in 60minütigen Abständen entnommen wurden. Weiterhin wurden über den Untersuchungszeitraum von 11 Tagen täglich die Estradiol-17ß-Konzentrationen ermittelt. Die Summierung aller gemessenen LH-Werte in der Gruppe AKontrolle ergab, dass sich der LH-Basislevel innerhalb des Untersuchungszeitraumes (11 Tage) kaskadenartig erhöht (Tag 1/2: 0,2 ng/ml; Tag 7/8: 0,3 ng/ml; Tag 10/11: 0,4-0,5 ng/ml). Diese Zunahme ließ sich statistisch sichern (p = 0,0004). Die Darstellung der Einzelprofile macht deutlich, dass es offenbar in den ersten 11 Tagen insgesamt zu einer wieder zunehmenden LH-Aktivität kommt. Das heißt, dass eine kurzfristige postpartale Blockade der LH-Sekretion besteht, die sich um den 7./8. Tag post partum allmählich auflöst. Während die Profile am 1. Tag nur eine gewisse Unruhe erkennen ließen, kam es am 7./8. Tag zu einer Frequenzerhöhung der LH-Pulse mit intervallartig auftretenden Spitzenwerten. War am 7. Tag noch ein gewisses verhaltenes Muster erkennbar, so war am 10. Tag post partum die LH-Pulsatilität deutlicher ausgeprägt.Differente Verhältnisse hinsichtlich der LH-Aktivität liegen nach einer Schwergeburt vor. Die Kühe der Gruppe B nach einer Dystokie zeigten einen verhalteneren Anstieg des Basislevels innerhalb der ersten 11 Tage post partum. Dies bedeutet, dass bei ihnen eine längere Protraktion der LH-Aktivität besteht. Eine statistische Signifikanz zwischen den LH-Basiswerten der Gruppe AKontrolle und BKontrolle war allerdings nicht gegeben (p = 0,1). Die Estradiol-17ß-Konzentrationen von der Kontrollgruppe nach komplikationsloser Geburt (AKontrolle) zeigten über den Untersuchungszeitraum einen undulierenden Kurvenverlauf. Die Basislinie wurde dabei deutlich überschritten, wobei teilweise Werte über 12 pg/ml erreicht wurden, was den ovulationsnahen Bereich markierte.Innerhalb der Gruppe BKontrolle wiesen nur zwei Tiere (Nr. 23 und 24) eine kurzfristige Erhöhung der Estradiol-17ß-Konzentrationen auf. Bereits am 1. Tag war es möglich, mit einer exogenen GnRH-Gabe (20 µg Buserelinacetat) bei den Gruppen nach einer Eutokie (A1, A2 und A3) eine deutliche Konzentrationserhöhung des LH zu bewirken. Diese erfuhr einen weiteren Anstieg am 7. und schließlich am 10. Tag post partum. Eine GnRH-Stimulierung am Tag 1 und 7 post partum nach einer Dystokie erbrachte zwar eine leichte Zunahme der LH-Frequenz, war aber bei weitem nicht so ausgeprägt wie nach einer Eutokie. Am 10./11. Tag wurden die höchsten LH-Konzentrationen gemessen. Tiere der Gruppen B1-3 zeigten im Unterschied zu den peakartigen LH-Konzentrationserhöhungen der Gruppen A1-3 eher eine Plateauphase. In der Gesamtheit zeigte sich, dass nach einer Schwergeburt zwar die Stimulation der Hypophyse durch GnRH möglich ist, sich aber die LH-Konzentrationserhöhung verhaltener darstellt als nach einer Normalgeburt. Am 10./11. Tag scheint jedoch die Adenohypophyse durch GnRH verstärkt stimulierbar, wobei der Effekt allerdings unter dem, der in den Gruppen A1-3 zu erzielen war, lag. Der Unterschied, der sich aus den Beobachtungen beider Geburtsgruppen ergibt war mit p = 0,03 statistisch signifikant, wobei die stimulierten Tiere nach Eutokie denen nach einer Dystokie überlegen waren. Bezüglich der Estradiolkonzentrationen in den Gruppen A1-3 wurde nur von einer Kuh der Gruppe A1 eine Konzentration erreicht, die auf eine ovarielle Aktivität hinweisen könnte (Nr. 3). Die übrigen Tiere zeigten Werte im basalen Bereich. Die Tiere der Gruppe B1-3 präsentierten keine Werte, welche sich über das basale Niveau erhoben. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass mit einer gewissen Protraktion der LH-Aktivität in den ersten Tagen nach einer Normalgeburt und unkompliziert ablaufenden postpartalen Periode zu rechnen ist. Diese wird jedoch ab dem 7./8. Tag wieder aufgehoben, so dass im folgenden Zeitraum mit einer Reaktivierung der ovariellen Funktion zu rechnen ist. Eine Ovarfunktion vor dem 10. Tag post partum ist nach einer Schwergeburt aufgrund der vorliegenden Befunde nicht zu erwarten. Postuliert werden kann, dass die Aktivität der Achse Hypothalamus-Hypophyse bei Kühen nach einer Schwergeburt in Folge der geburtsbedingten Stresssituation und im Zusammenhang mit der Endotoxinausschüttung der im Cavum uteri befindlichen Keime über längere Zeit im inhibierten Zustand verharrt. Ob durch eine Erhöhung der GnRH-Supplementation oder Verlegung des Zeitpunktes der GnRH-Gabe auf den 12. 14. Tag post partum eine verbesserte Induktion der Ovarfunktion zu erreichen ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Dies wäre insofern von Interesse, weil auf diesem Wege die endogene Östrogensynthese angeregt werden könnte, die sich förderlich auf die uterinen Retraktions- und Regenerationsprozesse auswirken könnte.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler 2007
