In den letzten Jahrzehnten fokussierte die Milchrinderzucht vordergründig auf eine Verbesserung in den Leistungsmerkmalen, wohingegen einer Selektion auf funktionale Merkmale und Robustheit weniger Beachtung geschenkt wurde. Eine gute Robustheit und verbesserte Resistenz gegen wirtschaftlich bedeutende Erkrankungen erlangen seit einigen Jahren jedoch einen zunehmenden Stellenwert in der Milchrinderzucht. Robustheit reflektiert die gute Anpassung der Milchkuh an eine weite Bandbreite von Umweltfaktoren bei einer gleichzeitig guten Widerstandsfähigkeit gegen pathogene Erreger oder metabolische Imbalancen. Gesundheitsmerkmale auf Basis von Dokumentationen der Landwirte zu Euter- oder Klauenerkrankungen werden inzwischen in vielen Ländern in den Selektionsindex integriert. Zudem werden Hilfsmerkmale wie die somatische Zellzahl als Indikator für Eutererkrankungen genutzt. Zunehmend beschäftigt sich die Forschung mit den zugrunde liegenden genetischen Mechanismen für neue innovative Merkmale wie z.B. den Milchketonkörpern ß-Hydroxybutyrat (BHB) und Aceton oder Milchfettsäuren als Indikatoren für Stoffwechselerkrankungen, um diese zukünftig in der Zuchtwertschätzung zu berücksichtigen. Genetische Studien zu infektiösen Erkrankungen, welche durch bakterielle, virale, fungale oder parasitäre Erreger induziert sind, liegen bis dato nicht ausreichend vor. Die notwendige Erfassung aussagekräftiger Phänotypen, der starke Einfluss durch äußere Umwelteinflüsse (z.B. Klima) sowie individuelle Wirt-Pathogen-Interaktionen erschweren genetische Analysen auf diesem Gebiet. Dennoch ist die züchterische Bearbeitung einer genetischen Resistenz gegen infektiöse Erkrankungen beim Milchrind von zentraler Bedeutung, da Zunahmen in der Erregerresistenz gegen derzeit verfügbare Wirkstoffe (z.B. Antibiotika, Anthelminthika) global zu beobachten sind und die Therapiemöglichkeiten damit erschweren.Der erste Teil der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit Phänotypisierungsstrategien und mit der Schätzung quantitativ-genetischer Parameter zu konventionell in der Zucht genutzten und innovativen neuen Merkmalen beim Milchrind. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Merkmalen, die mit Robustheit und insbesondere mit einer verbesserten Krankheitsresistenz gegen bakterielle und parasitäre Erreger bei der Milchkuh assoziiert sind. Am Beispiel endoparasitärer Infektionen als innovative Merkmale der Krankheitsresistenz und Robustheit beim Milchrind wurden im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit Studien auf genomischer, molekulargenetischer und phänotypischer Ebene durchgeführt. Die Arbeit gliedert sich in 6 Kapitel, wobei die Kapitel 3, 4 und 5 statistische Analysen zu Endoparasiteninfektionen beim Milchrind unter Einbezug verschiedener Datensätze und verschiedener Selektionslinien schwarzbunter Milchkühe (Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind (DSN), Holstein Friesian (HF), HF-Kreuzungen) beinhalten.
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