Beeinflussung der akuten Stressreaktion von Frauen auf einen Standardlaborstressor durch experimentell induzierten Schmerz als kurzfristige aversive Vorerfahrung
Der Einfluss von kurzfristigen, aversiven Vorerfahrungen auf Akutstress ist bislang nur wenig untersucht. Studien zur experimentell induzierten sozialen Ausgrenzung über ein virtuelles Ballwurfspiel (Cyberball) konnten zeigen, dass während des Spiels sozial ausgegrenzte Frauen auf einen dem Ausgrenzungserleben unmittelbar folgenden standardisierten Laborstressor (Redestress) keine Cortisolreaktion zeigten, während bei in das Spiel eingeschlossene, nicht ausgegrenzten Frauen eine signifikante Cortisolstressreaktion beobachtet wurde.Es stellt sich die Frage, ob dieser Befund spezifisch für soziales Ausgrenzungserleben ist, oder ob auch andere kurzfristig induzierte aversive Vorerfahrungen nicht sozialer Art zu einer ähnlichen Beeinträchtigung der Cortisolstressreaktion führen. Dieser Frage widmet sich die vorliegende Arbeit, indem sie als kurzfristige negative Vorerfahrung ohne soziale Komponente die Auswirkung einer physischen Schmerzerfahrung (operationalisiert durch die Induktion von Hitzeschmerz) auf die Cortisolstressreaktion untersucht. Dazu wurden 62 Frauen randomisiert entweder einer Experimental (EG)- oder einer Kontrollgruppe (KG) zugeteilt. Über eine TSA-Kontaktthermode an der Innenseite des Unterarms der nicht dominanten Hand wurde der EG Hitzeschmerz (Spitzentemperatur 46,5°) und der KG leichte Wärmereize (Spitzentemperatur 37°) appliziert. Unmittelbar anschließend an diese Vorerfahrung wurden beide Gruppen dem Redestress ausgesetzt. Während der gesamten Untersuchung wurden messwiederholt das psychische Befinden, die Herzfrequenz (HF) und die Herzratenvariabilität (HRV) erfasst sowie Speichelproben zur späteren Cortisolbestimmung entnommen. Unmittelbar nach der Applikation von Hitzeschmerz vs. Wärmereize unterschieden sich EG und KG signifikant mit deutlich erhöhtem (EG) vs. keinem (KG) subjektivem Schmerzempfinden. Hinsichtlich der Reaktion auf den Redestress zeigten alle Frauen eine signifikante Stressreaktion im psychischen Befinden, in der HF, der HRV und im Cortisol, wobei EG und KG sich mit Ausnahme der HF nicht signifikant unterschieden. Im Gegensatz zu Probandinnen nach sozialer Ausgrenzung zeigten die Probandinnen nach dem Hitzeschmerz keinen signifikanten Anstieg der negativen Affektparameter. Diese Ergebnisse könnten ein Hinweis sein, dass die veränderte Cortisolstressreaktion nach sozialer Ausgrenzung nicht per se aufgrund der Aversivität der Vorerfahrung entsteht, sondern eher mit der sozialen Komponente der aversiven Vorerfahrung zusammenhängt.
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