Von der "außerordentlichen Fleischbeschau zur Kontrolle der Eigenkontrolle : Entwicklung der tierärztlichen Lebensmittelüberwachung in Baden und Württemberg
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Zusammenfassung
Im Mittelalter war der Schutz des Käufers vor Übervorteilung das Hauptanliegen der Lebensmittelüberwachung. Heute steht insbesondere bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs der Schutz des Menschen vor Gesundheitsbeeinträchtigungen im Mittelpunkt. Die Entwicklung erfolgte aus der spätmittelalterlichen 'Fleischschau' zur Preisregulierung aus einer ursprünglichen Qualitätsbeurteilung entstand in der Neuzeit die vorbeugend gesundheitsorientierte Beurteilung nach 'Tauglichkeit zum Verzehr'. Die gezielte Ausbildung von Tierärzten in Baden und Württemberg erfolgte in neu gegründeten Tierarzneischulen erst ab dem 19. Jahrhundert. Die dort ausgebildeten Tierärzte waren noch keine wissenschaftlich ausgebildeten Tierärzte, sondern Tierärzte 'zweiter Klasse', die eher gelernte Handwerker waren und vielfach das Amt des 'Fleischschauers' in den Gemeinden übernahmen. Die tierärztliche Lebensmittelüberwachung in Baden und Württemberg begann in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit der grundsätzlichen Berufung von Tierärzten zur 'Fleischbeschau' und der Einführung der 'außerordentlichen Fleischbeschau' in Baden, bzw. der 'unvermutheten Visitationen' in Württemberg, bei denen die Metzgereien in regelmäßigen Abständen unangemeldet besucht und bezüglich der Hygiene und der Güte der Fleisch- und Wurstvorräte kontrolliert wurden. Zu dieser Zeit begann der enorme Aufschwung der Naturwissenschaften, an dem auch der tierärztliche Berufsstand beteiligt war und der dazu führte, dass die Lebensmittelüberwachung auf eine wissenschaftliche Basis gestellt, weiterentwickelt und im Deutschen Reich gesetzlich geregelt wurde. Die Tiermedizin erreichte ihre Anerkennung als akademische Wissenschaft. Durch Landesgesetze blieb in Baden und Württemberg die eigene Zuständigkeit der Tierärzte für die 'außerordentliche Fleischbeschau' erhalten, während es auf dem Gebiet der allgemeinen Nahrungsmittelkontrolle zu einer Aufgabenteilung zwischen Tierärzten und Vertretern des neu entstandenen Berufs des Nahrungsmittelchemikers kam. Nach dem 2. Weltkrieg fand mit der Entstehung des Bundeslandes Baden-Württemberg eine Neuordnung der Lebensmittelüberwachung statt. Die Tätigkeit des Lebensmittelkontrolleurs wurde vom neu gegründeten Wirtschaftskontrolldienst (WKD), einer Spezialeinheit der Polizei, übernommen. Die Tierärzte führten als Sachverständige gemeinsame Kontrollen mit den Beamten des WKD durch. Seit 1974 wurden Lebensmittelüberwachung und Veterinärverwaltung durch zwei Verwaltungsreformen modernisiert. Die tierärztliche Tätigkeit in der Lebensmittelüberwachung ging von den praktischen Tierärzten weitgehend auf die beamteten Tierärzte über. Das Landratsamt wurde zuständige Behörde. Zum 01.01.2005 wird in Baden-Württemberg eine weitere Verwaltungsreform in Kraft treten, durch welche die mit der Eingliederung der Staatlichen Veterinärämter in die Landratsämter 1995 begonnene Zusammenführung der Lebensmittelüberwachung fortgeführt wird: auch die Lebensmittelkontrolleure werden in die Lebensmittelüberwachungsbehörde der Unteren Verwaltungsbehörde (Landratsämter, Bürgermeisterämter der Stadtkreise) eingegliedert. Auf EU-Ebene findet derzeit eine Neustrukturierung des Lebensmittelrechts statt: Die Verantwortung für die Sicherheit von Lebensmitteln auf allen Produktionsstufen 'vom Stall auf den Tisch' soll vom Hersteller getragen und durch Eigenkontrollmaßnahmen gewährleistet werden. Die amtliche Überwachung konzentriert sich zukünftig auf die Kontrolle der Eigenkontrolle, wobei die Schwerpunkte nicht mehr bei den Untersuchungen des Endproduktes, sondern bei der Prozesskontrolle liegen werden. Dabei gelten gestiegene Anforderungen an die Qualifikation des amtlichen Überwachungspersonals, was eine Neuorientierung und Anpassung auch in der tierärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung erfordert.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Wettenberg : VVB Laufersweiler 2005
