Fragestellung: Die vorliegende Studie stellt eine empirische Einzelfallanalyse über 100 Tage dar. Untersucht werden sollte der Einfluss einer ambulanten vierstündigen Psychoanalyse auf die psychobiologischen Parameter (sekretorisches IgA im Speichel = IGA, Speichel-Cortisol = COR) sowie auf bestimmte Stimmungsparameter (Valenz = VAL, Erregung = ERR, Dominanz = DOM). Patient und Methode: Die Patientin litt am psychopathologischen Syndrom der Alexithymie und wies eine anhaltende, somatoforme Schmerzstörung auf. Sie sammelte über etwa 15 Wochen täglich ein Röhrchen Saliva, was zur Verlaufsanalyse der Konzentrationen von IGA und COR diente. Zudem füllte sie jeden Abend Fragebögen aus (SAM, GBB in gekürzter Form, HAQ), welche ihre Stimmungen, Körperbeschwerden und die therapeutische Beziehung erfassten. Aus den Tagebuchaufzeichnungen und den psychoimmunologischen Messungen ergab sich eine multivariate Zeitreihe über 100 Tage. Ergebnisse: An bestimmten Therapietagen resultierten IGA- bzw. COR-Extremwerte, die auf besondere Ereignisse im Therapiegeschehen der Patientin hinwiesen. Insgesamt gesehen zeigte das Speichel-Cortisol im ersten und letzen Monat des Therapieausschnitts einen Anstieg. Dies konnte positiv bewertet werden, da die Patientin sich aus ihrer inneren Starre zu lösen schien und sich an der Therapie beteiligte. Das sekretorische IgA im Speichel nahm im Therapieverlauf deutlich zu, die Schmerzsymptomatik der Patientin nahm hingegen parallel dazu ab. Die Psychoanalyse hatte demnach einen immunprotektiven Einfluss ausgeübt. Im Modell für langfristige Schwankungen (VAR-Modell) zeigte sich, dass eine positive Korrelation zwischen der Erregung am Vortag und dem sekretorischen IgA im Speichel bestand, sowie eine positive Korrelation zwischen dem sekretorischen IgA im Speichel und der therapeutischen Beziehung. Das signifikante Ergebnis des VEC-Modells (Modell für kurzfristige Schwankungen) war ein IGA-Anstieg bei erhöhter Erregung am Vortag. Zudem resultierte ein COR-Anstieg bei erhöhter Erregung und Valenz am Vortag sowie bei verminderter Dominanz an den beiden Vortagen. Durch erhöhtes COR an den beiden Vortagen sowie erhöhte Erregung am zweiten Vortag resultierte eine erhöhte Valenz.Diskussion: Somit dürfte das enge Zeitfenster der vierstündigen Psychoanalyse für sehr starre, versteinerte Patienten mit Neigung zur Somatisierung von Nutzen sein. Es wäre wünschenswert, wenn in der Zukunft mehr Patienten mit gleichen, und im Kontrast auch mit anders ausgeprägten Krankheitsbildern untersucht würden.
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