Die zystische Fibrose (CF) ist die häufigste autosomal-rezessive Stoffwechselerkrankung in Deutschland mit einer aktuellen Inzidenz von 1:3300-4800 und einem jährlichen Zuwachs von ca. 300 Neugeborenen.Die Leberbeteiligung besitzt die dritthöchste Mortalitätsrate bei zystischer Fibrose (CFLD) und je nach Studie eine kumulative Inzidenz von 2-68%. Über ein Drittel der Patienten entwickeln bereits in ihrer ersten Lebensdekade eine Leberbeteiligung in Form einer fortgeschrittenen Fibrose. Aufgrund der genannten Umstände ist eine frühzeitige Diagnose der CFLD entscheidend für die Verbesserung der Prognose und damit Lebensqualität sowie die Verlängerung der Lebenszeit. Da die Prävention einer Leberbeteiligung in erster Linie auf die pädiatrischen Patienten abzielt, sollte diese Diagnostik insbesondere durch ein schnelles, nicht-invasives und präzises Screening auch außerhalb von Spezialeinrichtungen in der täglichen Praxis ermöglicht werden. Die aktuellen Screeningmethoden weisen erhebliche Limitationen auf und ermöglichen nur eingeschränkte Vorhersagen einer zukünftig eintretenden Leberbeteiligung. Die Limitationen betreffen in erster Linie die geringe Sensitivität sowie Spezifität der klinischen Untersuchung, der Serummarker (Leberenzyme, Fibrose-Tests und -scores), des Ultraschalls und auch des zeit- und kostenintensiven MRTs, der Exposition durch Strahlung beim CT und eine Invasivität sowie Stichprobenfehler bei dem bisherigen Goldstandard Leberbiopsie.In der vorliegenden Dissertation wurde Lipocalin-2, ein Apoptose-induzierendes Trägerprotein, welches bereits als Biomarker einiger Nierenerkrankungen etabliert ist und bei anderen chronischen Leberschädigungen in erhöhter Konzentration vorliegt, auf die Erkennung einer Leberbeteiligung bei zystischer Fibrose unter besonderer Berücksichtigung pädiatrischer Patienten analysiert.Zum Vergleich mit Lipocalin-2-Werten im Serum wurden die diagnostischen Werte der transienten Elastographie, einer sonografischen Gewebesteifigkeitsmessung, sowie die Serum Fibrosescores AST, ALT, der APRI-Score und FIB-4 herangezogen. Die Ergebnisse dieser Dissertation zeigen: Die Messergebnisse der TE entsprechen der aktuellen Literatur. Eine erhöhte Lebersteifigkeit von >6,3 kPa diagnostiziert eine CFLD. Werte unterhalb des Cut- offs sind einer CFnoLD zuzuordnen. Lipocalin-2 weist signifikante Unterschiede zwischen den Patienten mit und ohne Leberbeteiligung bei CF auf. Es konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen pädiatrischen und erwachsenen Patienten detektiert werden. Eine Korrelation der TE-Werte mit Lipocalin-2 als diagnostischer Hinweis für eine Leberbeteiligung wurde nachgewiesen.Multicenter-Studien zur endgültigen Etablierung dieser Diagnostika bei CF sind notwendig.Aus den Ergebnissen lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass Lipocalin-2 eine zunehmend bedeutende Rolle in der Leberdiagnostik bei pädiatrischen CF-Patienten spielt und die Lipocalin-2-Messung als unterstützende Maßnahme zur Routinediagnostik hinzugezogen werden sollte.Es bleibt zu klären, ob Lipocalin-2 ein Parameter der Akut-Phase-Reaktion ist und folglich nur bei akuten Schüben der CFLD erhöht vorliegt.Weiterhin ist ein klar definierter Schwellenwert für die Lipocalin-2-Messung erforderlich. Auch fehlen genaue Kenntnisse über das Anstiegsverhalten von Lipocalin- 2 bei einem akuten Leberschaden aber auch bei den einzelnen Fibrosestadien.Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit sprechen dafür, dass Lipocalin-2 sensibler bei einem Leberzellschaden reagiert als etablierte Leberparameter/Fibrose-Scores und die transiente hepatische Elastographie (TE).
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