Sprachenpolitik in Bildungssystemen beeinflusst, neben einer Vielzahl weiterer Faktoren, sehr entscheidend die Bildungserfolge der Schüler. In fast allen Staaten Sub-Sahara Afrikas wird in der offiziellen Sprachenpolitik nur in den ersten Jahren der Grundschule eine der indigenen Sprachen als Unterrichtssprache verwendet und meist erfolgt bereits während der Grundschulzeit ein Wechsel auf die ehemalige Kolonialsprache. In der südafrikanischen Verfassung von 1996 sind elf offizielle Sprachen mit neun Bantusprachen, Afrikaans und Englisch aufgelistet. Die Verwendung innerhalb des Bildungssystems ist jedoch von weiteren Rahmenbedingungen und Vorgaben beeinflusst, insbesondere durch die 1997 formulierte Language in Education Policy (LiEP), die ebenso wie die Verfassung grundsätzlich eine multilinguale Sprachenpolitik vorsieht. Trotz dieser multilingualen Sprachenpolitik führten die nationalen curricularen Entwicklungen zu einer Bevorzugung von Englisch und Afrikaans. Einzig in den ersten drei Jahren, der Foundation Phase, sind alle elf Sprachen als Unterrichtssprache vorhanden und die Bantusprachen werden überwiegend verwendet. Ab der 4. Klassenstufe hingegen sind dies dann nahezu ausschließlich Afrikaans und Englisch. Um die Implementierung der offiziellen Sprachenpolitik innerhalb des Bildungssystems Südafrikas zu analysieren, untersucht diese Dissertation mit Gauteng, Limpopo und Nord West drei der neun Provinzen Südafrikas. Dies geschieht durch ein sequentielles Mixed Methodology Design. Zunächst gab es Leitfadeninterviews mit verschiedenen Vertretern des südafrikanischen Bildungssystems, ehe daran anschließend die Befragung von über 3.000 Lehrern an öffentlichen Grund- und Sekundarschulen erfolgte. Zudem fand eine Erfassung der jeweiligen Sprachenpolitik-Dokumente an den ausgewählten Schulen statt. Ziel dieser Datenerhebung und deren anschließenden explorativen statistischen Auswertung war es, einen Einblick in die Spracheneinstellung und die tatsächliche Sprachenpraxis auf dem Mikro-Level, also jedes befragten Lehrers, zu bekommen. Dabei wird untersucht, 1. inwieweit ein Unterschied zwischen der offiziellen Sprachenpolitik und der täglichen Sprachenpraxis vorliegt, 2. ob geographische Unterschiede der sprachlichen Kompetenzen und Sprachenpolitik sowohl zwischen den drei Untersuchungsprovinzen als auch innerhalb der Provinzen existieren und 3. wie die Spracheneinstellungen der Lehrer und involvierten Personen die Sprachenpolitik an Schulen beeinflusst1. An den Schulen in den drei untersuchten Provinzen liegen teilweise große Unterschiede zwischen der offiziellen Sprachenpolitik und der tatsächlichen, täglichen Sprachenpraxis vor. Insgesamt gibt es Lehrer, die vollumfänglich die offizielle Sprachenpolitik umsetzen, aber auch Lehrer, die bisweilen v. a. in der mündlichen Kommunikation neben Afrikaans und Englisch auch eine oder mehrere Bantusprachen in ihren Unterrichtsstunden verwenden und Lehrer die größere Unterrichtsabschnitte in einer der Bantusprachen sowohl mündlich, als auch schriftlich kommunizieren. 2. Hinsichtlich der sprachlichen Kompetenzen der befragten Lehrer werden Unterschiede erkennbar. Gauteng bildet eine multilinguale Provinz, etwa 29 % sind Afrikaans-Sprecher und jeweils knapp über 10 % Englisch-, isiZulu-, Sesotho- und Setswana-Sprecher, wohingegen Limpopo klare räumliche Konzentrationen der Bantusprachen aufweist und in der ca. 30 % Sepedi-Sprecher und je 20 % Tshivenda- und Xitsonga-Sprecher sind. In Nord West dominiert mit Setswana eine Bantusprache, so ist die überwiegende Anzahl der befragten Lehrer Setswana-Sprecher, lediglich im Dr. Kenneth Kaunda Distrikt arbeiten viele Sesotho-Sprecher, neben einer größeren Anzahl an Afrikaans-Sprechern. 3. Gerade auch die Spracheneinstellungen der interviewten Schuldirektoren offenbarten deren Einfluss auf die Sprachenpolitik der Schule, genauso wie die Quantität und Qualität der Sprachenpolitik-Dokumente die große Spannbreite von südafrikanischen Schulen inklusive deren Management aufzeigen.
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