Mit Hilfe dieser Studie wurden individuelle Prädiktoren für Stürze von Patienten mit Parkinson-Erkrankung im Klinikaufenthalt untersucht. Hierzu wurden retrospektiv Daten von 219 Patienten, die während eines stationären Krankenhausaufenthaltes stürzten, untersucht. Als Vergleichsgruppe dienten Daten von Parkinson-Patienten, bei denen keine Sturzereignisse zuvor oder während des klinischen Aufenthalts bekannt waren. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass insgesamt weniger Verletzungen durch die Stürze verursacht wurden, als in der Vergleichsliteratur angegeben. Das gewählte Studiendesign, bei welchem jeder Sturz sofort protokolliert wurde, kann hierfür die Ursache sein, da dadurch mehr Stürze erfasst wurden als bei retrospektiven Befragungen. Auch die Verletzungen an sich waren nicht so schwerwiegend wie in vielen anderen Vergleichsstudien. Frakturen traten mit 0,8 % als Folge von Stürzen relativ selten auf. Eindeutig sind Patienten im höheren Krankheitsstadium häufiger von Stürzen betroffen. Auch ist das Durchschnittsalter der Patienten, die stürzten, höher als das der Patienten, die nicht stürzten. Die sogenannte Polypharmazie ist ein weiterer Prädiktor für Stürze. Täglich wurden fast acht verschiedene Medikamente durchschnittlich von den Patienten eingenommen, die stürzten. Darunter finden sich viele Medikamente, welche als FRIDs (Fall-Risk Increasing Drugs) bekannt sind. Speziell die Einnahme von sedierenden Medikamenten erhöht die Wahrscheinlichkeit für Stürze. Eine bekannte Demenz oder ein pathologischer MMST können einen Hinweis auf ein erhöhtes Sturzrisiko geben. Darüber hinaus sind Halluzinationen als Sturzprädiktoren erkannt worden. Die Blickparese als Sehstörung wurde ebenfalls als Prädiktor für Stürze ermittelt. Es ist wichtig, dass Patienten mit Parkinson-Krankheit an einem intensiven Training teilnehmen, bei dem Bewegungsabläufe geübt werden, die bei sturzgefährdenden Situationen vorkommen. Auch das Einüben von Ausgleichsbewegungen für das Gleichgewicht ist ratsam. Eine kritische Überprüfung der Medikation durch den behandelnden Arzt ist eine weitere Maßnahme, welche künftige Stürze verhindern kann. Ebenso sollte der Wohnraum des Patienten bedarfsgerecht eingerichtet oder die Verwendung von Hausnotrufsystemen in Erwägung gezogen werden. So haben Patienten mit Parkinson-Krankheit die Chance, länger selbstbestimmt zu leben.
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