Das Ziel dieser Studie war die Aufklärung der erfolgreichen Wettbewerbsstrategie von Heracleum mantegazzianum. In der vergleichenden Studie wurde die Morphologie von Individuen sowie die Demographie von Populationen in verschiedenen Individuendichten untersucht. Dazu wurden in 5 Populationen in Hessen die Entwicklungsschicksale von H. mantegazzianum-Individuen in Subpopulationen hoher und geringer Individuendichte in Daueruntersuchungsflächen verfolgt. Hierbei können die Subpopulationen geringer Individuendichte als frühe, die Subpopulationen hoher Individuendichte als späte Besiedlungsstadien aufgefasst werden. Die Untersuchung erfolgte in zwei Untersuchungsintervallen von 2002 bis 2003 und 2003 bis 2004.
Im ersten Untersuchungsintervall, dessen Ende durch den extrem warmen und teilweise sehr trockenen Sommer 2003 bestimmt war, waren die Populationen durch eine hohe Mortalitätsrate aller Entwicklungsstadien sowie einen hohen Anteil an reproduktiven Individuen gekennzeichnet. Die entstandenen Bestandeslücken bedingten im folgenden Jahr eine große Anzahl kleiner Individuen sowie eine starke Entwicklung von mittelgroßen zu großen vegetativen Individuen. Dadurch wurde nach dem Rückgang der Populationen im ersten Untersuchungsintervall im zweiten Untersuchungsintervall ein sehr starkes Populationswachstum beobachtet. Dies führte zu einer Populationsstruktur, die nicht im Gleichgewicht mit den herrschenden Umweltbedingungen war. Aus diesem Grunde wurden für den Vergleich der Subpopulationen unterschiedlicher Dichte vorwiegend die Daten des ersten Untersuchungsintervalls verwendet.
Obwohl H. mantegazzianum im Mittel 40.000 Samen produziert, zeigte sich im Vergleich der Subpopulationen, dass aufgrund der sehr hohen Mortalität, insbesondere in der Jungpflanzenbank in den Subpopulationen hoher Dichte, die Reproduktion nicht der bedeutsamste Entwicklungsprozess ist. In Subpopulationen hoher Individuendichte sind vor allem der Verbleib in einem Stadium (d. h. Stagnation) und in Subpopulationen geringer Individuendichte Wachstum von großer Bedeutung. Diese Unterschiede in der Entwicklung führen zu einer verringerten Generationszeit von 3 Jahren in Subpopulationen geringer Individuendichte gegenüber mehr als 5 Jahren bei hoher Dichte.
Diese deutlichen Unterschiede konnten nach der Auswertung der morphologischen Daten durch folgende Wettbewerbsstrategie erklärt werden:
Die Konkurrenzstärke von H. mantegazzianum ergibt sich aus dem Wettbewerb um die Ressource Licht. Mit einem relativ geringen Einsatz an Biomasse kann H. mantegazzianum in einem relativ frühen Entwicklungsstadium durch die Verlängerung eines einzelnen Blattstiels eine große photosynthetisch aktive Fläche in geringem Abstand über das Niveau der umgebenden Vegetation ausbreiten und somit deren Lichtaufnahme einschränken ('Emergenten-Strategie'). Durch seine Wirkung auf die Ressource Licht wirkt H. mantegazzianum hier als 'ecosystem engineer'. Aufgrund der Beschattung durch diese zusätzliche Vegetationsschicht kommt es zur Strukturveränderung der Vegetation, die in den Subpopulationen hoher Individuendichte, in denen es zur Ausbildung eines Blätterdaches durch H. mantegazzianum kommt, mit dem Fehlen der unteren Krautschicht einhergeht. Die 'Emergenten-Strategie' begünstigt in den Subpopulationen geringer Dichte schon relativ frühe Entwicklungsstadien durch eine hohe Lichtabsorbtion, die zur Einlagerung von Reservestoffen führt, so dass hier im Vergleich zur hohen Dichte, bei der diese Stadien aufgrund der Lichtkonkurrenz mit adulten Individuen in der Entwicklung stagnieren, eine verkürzte Generationszeit beobachtet wird.
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