Nicht-invasive Erfassung der Ovarfunktion beim Lama und Alpaka mittels Messungen von Sexualsteroiden in der Milch und exfoliativer Vaginalzytologie
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Die Festlegung eines geeigneten Deckzeitzeitpunkts ist bei Neuweltkamelen schwierig, da empfängnisbereite Stuten keine zuverlässigen Brunstsymptome oder Verhaltensänderungen zeigen. Grundsätzlich können bei den induziert ovulierenden NWK die Ovarien mittels transrektaler Sonografie dargestellt und auf das Vorhandensein ovulationsbereiter Follikel oder Gelbkörper untersucht werden. Dieses Verfahren ist jedoch mit einem hohen Aufwand und bei widersetzlichen Tieren mit Stress und einer nicht unerheblichen Verletzungsgefahr verbunden. Das Ablaufen der Follikelwellen kann auch durch Messungen der Östrogenkonzentrationen in Blutproben verfolgt werden. Die Gewinnung von Blutproben setzt bei Neuweltkameliden jedoch eine gewisse Erfahrung voraus und kann für die Tiere ebenfalls mit erheblichem Stress verbunden sein. Daher wurde in dieser Feldstudie
die Anwendbarkeit der Messung der Östrogenkonzentrationen in der Milch sowie der Vaginalzytologie als nicht-invasive Methoden zur Erfassung der Ovaraktivität untersucht. Die Messungen der Sexualsteroide umfassten neben Estradiol - 17β (E2) und Gesamtöstrogenen (GOE) auch Progesteron (P4).
In der Studie wurden nach eigenen Informationen erstmals E2 - Bestimmungen in der Milch von Kameliden durchgeführt. Zwischen den Steroidkonzentrationen im Blut und den entsprechenden Messwerten in der Milch ergaben sich bei den Lamas für alle gemessenen Parameter hochsignifikante positive Korrelationen, während bei den Alpakas eine statistische Signifikanz in allen Fällen deutlich verfehlt wurde. Es zeigte sich, jedoch, dass bei den Lamas die Korrelationen zwischen den Östrogenkonzentrationen im Blut und der Milch trotz ihrer hohen statistischen Signifikanz insgesamt nur mäßig ausgeprägt sind. Eine Abschätzung der im Blut zirkulierenden Östrogenkonzentrationen ist daher anhand der in der Milch gemessenen Werte ist auf der Ebene des Einzeltieres nur mit erheblichen Einschränkungen möglich.
Ähnlich zeigte sich, im Unterschied zu den Alpakas, bei den Lamas eine ganze Reihe statistisch teilweise hochsignifikanter Korrelationen zwischen Östrogenkonzentrationen in Blut bzw. Milch und vaginalzytologischen Parametern Dies bedeutet, dass sich bei den Lamas Schwankungen der ovariellen Östrogenproduktion grundsätzlich in vaginalzytologischen Befunden widerspiegeln. Um das Potential der Vaginalzytologie im Zuchtmanagements bei NWK abschließend zu beurteilen, müssten in zukünftigen Untersuchungen vaginalzytologische Befunde nicht nur zu Östrogenkonzentrationen, sondern auch zu Beobachtungen aus regelmäßigen begleitenden sonografischen Ovarkontrollen in Beziehung gesetzt werden. Weiterhin sollte die zeitlichen Beziehungen zwischen den Fluktuationen der Östrogenkonzentrationen und korrespondierenden Veränderungen vaginalzytologischer Befunde näher untersucht werden.
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Gießen: Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft Service GmbH, 2026