Die Motivation der Studie war die Erhebung von Kenntnissen und Einstellungen Pflegender in Pflegeheimen und Hospizen zu Fragen des Patientenwillens, der Patientenverfügung und der Therapiebegrenzung mit Schwerpunkt auf Verzicht auf Flüssigkeitsgabe und Ernährung bei Bewohnern und Gästen dieser Einrichtungen. Ziel war die Erarbeitung von Hilfen zur Verbesserung dieser Kenntnisse und zur Steigerung der Beachtung der Autonomie der Bewohner.Dafür wurden mit einer quantitativen Studie mittels eines strukturierten, fragebogenbasierten Interviews und vier klinischen Fallbeispielen in jeweils zwei Versionen 61 Teilnehmer aus fünf Altenpflegeeinrichtungen und 18 Teilnehmer aus zwei Hospizen im Raum Gießen zwischen August 2011 und August 2012 befragt.Die Studie zeigt, dass es bei den befragten Pflegenden deutliche Unsicherheiten in Bezug auf die Unterscheidung von aktiver und passiver Sterbehilfe gibt. Ähnliche Unsicherheiten wurden auch in Studien an Betreuungsrichter und Ärzten festgestellt, jedoch liegt die Fehleinschätzung von passiver Sterbehilfe als aktive Sterbehilfe bei den Pflegenden noch höher. Desweitern bestehen sowohl in den Hospizen als auch in den Al-tenpflegeeinrichtungen Unsicherheiten im Umgang mit Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. In Hospizen werden mehr Gespräche zum Thema Therapieverzicht geführt als in Altenpflegeeinrichtungen, daher sind die Verzichtswünsche der Bewohner in Hospizen präsenter als in Altenheimen. Der Umgang mit Verzicht auf Ernährung und Flüssigkeitsgabe fällt Teilnehmern aus den Altenheimen schwerer als im Hospiz. Ab-lehnung von Sondenernährung scheint von allen akzeptiert zu werden. Verzicht auf Flüssigkeitsgabe scheint schwerer zu fallen. Ob es emotional leichter ist auf andere medizinische Handlungen zu verzichten als auf Ernährung und Flüssigkeit, konnte nicht belegt werden. Insgesamt sind die Teilnehmer aus den Altenheimen mehr auf Lebenserhalt bedacht als in Hospizen, auch wenn dieser Lebenserhalt dem erklärten Willen des Bewohners entgegensteht.Wir sehen Bedarf an einer engeren Vernetzung von Palliativpflege/-medizin und Alten-pflegeeinrichtungen und an der Etablierung von Ethikberatung in Altenpflegheimen, um den Umgang mit genannten Themen zu verbessern.
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