Vergleichende Untersuchung von Schafen in ganzjähriger Freiland- und Winterstallhaltung unter besonderer Berücksichtigung der Mütterlichkeit, Vitalität und Parasiteneiausscheidung
Auf dem Versuchsbetrieb Relliehausen der Georg-August-Universität Göttingen wurde in den Jahren 2000 bis 2002 eine vergleichende Untersuchung von Schafen in zwei unterschiedlichen Haltungssystemen durchgeführt. Dazu wurden insgesamt 110 Mutterschafe und 323 Lämmer der Rassen Schwarzköpfiges Fleischschaf und Rhönschaf sowie deren reziproke Kreuzungen verwendet. Die eine Gruppe wurde ganzjährig im Freien auf einer Standweide gehalten, die andere Gruppe in Winterstallhaltung mit Umtriebsweidesystem während der Weidesaison. Ziel der Untersuchung war es, die Tiere der beiden Haltungssysteme in den Merkmalen Mütterlichkeit, Vitalität und Parasiteneiausscheidung zu vergleichen sowie mögliche Auswirkungen einer erhöhten Parasitenausscheidung auf das Verhalten, die Muttereigenschaften und die Vitalität der Lämmer darzustellen.
Als Muttereigenschaften wurde das Verhalten der Mutterschafe bis 30 Min. p.p. beurteilt, außerdem wurde eine Mütterlichkeits- und eine Duldungsnote vergeben. Zwischen den beiden Haltungssystemen wurden keine signifikanten Unterschiede in den Merkmalen der Mütterlichkeit ermittelt, während die Rasse der Mutter signifikanten Einfluss hatte. Kreuzungsschafe leckten ihre Lämmer früher nach der Geburt ab als die reinrassigen Tiere. Bei Annäherung eines Menschen verließen sie allerdings ihr Lamm und kehrten nach kurzer Zeit wieder zurück. Signifikanten Einfluss auf die Muttereigenschaften hatte ebenfalls der Geburtsverlauf und der Geburtstyp. Nach spontanen Geburten waren die Schafe mütterlicher als nach Geburten, bei denen Geburtshilfe notwendig war. Die Muttereigenschaften gegenüber dem einzelnen Lamm waren bei Mehrlingen schlechter als bei Einlingen.
Als Merkmale der Vitalität wurden die Zeiten bis zum ersten Stehen und zum ersten Steh- und Saugversuch nach der Geburt gemessen sowie die Rektaltemperatur, das Geburtsgewicht und die Gewichtsentwicklung bis zum 42. Lebenstag. Es wurde eine Vitalitätsbenotung in Form des APGAR-Schemas vergeben. Zwischen den beiden Haltungssystemen bestanden keine signifikanten Unterschiede in diesen Merkmalen. Signifikant unterschiedlich waren die Geburtsgewichte und die täglichen Zunahmen zwischen den beiden Haltungssystemen. Die Lämmer der Freilandhaltung hatten höhere Geburtsgewichte, jedoch die niedrigeren Gewichtszunahmen im Vergleich zu den Lämmern der Winterstallhaltung. Dies könnte durch einen höheren Energieverlust wegen niedrigerer Außentemperaturen bedingt sein, da die Lämmer ihren Müttern folgten, wenn diese den Weidegang auch bei Kälte und Wind nutzten. Die Vitalitätsmerkmale wurden noch von zahlreichen anderen Faktoren wie Rasse und Geschlecht des Lammes, Rasse und Kondition der Mutter sowie Geburtstyp beeinflusst. Lämmer der Rasse Schwarzköpfiges Fleischschaf und Kreuzungslämmer hatten signifikant höhere Geburtsgewichte als die Rhönlämmer. Männliche Lämmer waren signifikant schwerer und standen nach der Geburt später auf als weibliche Lämmer. Die Lämmer von Kreuzungsmuttern und Rhönschafen waren vitaler. Lämmer von Muttern mit schlechter Konditionsbeurteilung hatten signifikant niedrigere Geburtsgewichte und schlechtere Gewichtszunahmen. Signifikanten Einfluss auf die Vitalität der Lämmer hatte auch das mütterliche Verhalten der Schafe. Lämmer, die wenig intensiv nach der Geburt abgeleckt wurden, standen später auf.
Zur Messung der Parasiteneiausscheidung wurden individuelle Kotproben der Tiere mikroskopisch untersucht und die Eier pro Gramm Kot (EpG) ermittelt. Als Indikatormerkmale des Parasitenbefalls bzw. einer resistenz wurde das Verhalten der Tiere in einem Arena-Test beobachtet, außerdem die Blutparameter eosinophile Granulocyten und Hämatokrit bestimmt. Zwischen den Haltungssystemen bestanden lediglich bei den eosinophilen Granulocyten der Mutterschafe signifikante Unterschiede mit höheren Werten der Tiere in Freilandhaltung.
Die EpG-Werte der Mutterschafe und Lämmer hatten keinen direkten Einfluss auf das Verhalten der Mutterschafe im Arena-Test und die Vitalität der Lämmer. Signifikant war der Einfluss auf das Mütterlichkeitsmerkmal Leckintensität. Muttern mit höherer Parasiteneiausscheidung leckten ihre Lämmer weniger intensiv ab als die Muttern mit niedrigerer Eiausscheidung. Somit kann die Vitalität über die Muttereigenschaften durch hohe EpG-Werte beeinflusst werden. Hohe EpG-Werte der Mutterschafe können eine verminderte Leckaktivität nach der Geburt zur Folge haben und somit die Vitalität der Lämmer verschlechtern, da frühe Vitalitätsmerkmale wie erstes Stehen und erster Saugversuch von der Leckintensität beeinflusst werden.
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