Der epitheliale Na+-Kanal (ENaC) besteht aus homologen Untereinheiten, die mit alpha, beta und gamma bezeichnet werden. Die aus demMeerschweinchencolon klonierte alpha-Untereinheit (gpalpha) wurde mit der beta- und gamma-Untereinheit des Xenopus-ENaC (chibetagamma-ENaC) in Xenopuslaevis Oocyten coexprimiert. Dieser Hybridkanal (gpalphachibetagamma-ENaC) wurde mit Hilfe der Zwei-Elektroden-Voltage-Clamp -Methodeuntersucht. Dosis-Wirkungs-Kurven mit dem spezifischen Blocker Amilorid lieferten für den vorliegenden gpalphachibetagamma-ENaC einen ki-Wert, der in sehrguter Übereinstimmung mit den Daten steht, die von anderen klonierten ENaCs berichtet werden. Somit zeigt der gpalphachibetagamma-ENaC ein fürhochaffine ENaCs typisches pharmakologisches Profil. Während der Ratten-ENaC (rENaC) - generierte Na+-Strom in Oocyten gar nicht durch cAMP aktivierbar ist, und sich der xENaC -vermittelte Na+-Strom durch cAMP-Applikation nur um 79 % erhöhte, zeigten gpalphachibetagamma-ENaC exprimierende Oocyten nach Perfusion mitcAMP eine Zunahme des Amilorid-sensitiven Natriumstroms (Iami) um durchschnittlich 530 %. Folglich muss die gpa-Untereinheit für diehohe cAMP-Sensitivität verantwortlich sein. Der schnelle Anstieg des Na+-Stroms und das Ausmaß der Stimulation lassen vermuten, dasssowohl bereits in der Zellmembran vorhandene ENaCs aktiviert als auch neue Kanäle eingebaut wurden. Experimente mitArginin-Vasotocin belegen, dass dieses Peptidhormon hier als first messenger fungieren kann und somit die beobachtetecAMP-Aktivierung des Na+-Stroms erklärt. Neben cAMP konnte auch Glibenclamid spezifisch den Iami gpalphachibetagamma-ENaC exprimierender Oocyten signifikant steigern. Diese Aktivierungum durchschnittlich 117 % war unabhängig von cAMP. Da es sich um additive Effekte der beiden Substanzen handelte, liegen offenbarverschiedene Signaltransduktionswege vor. Untersuchungen an Oocyten, die eine a-Chimäre aus Ratten - und Meerschweinchen-ENaCmit xhibetagamma-ENaC exprimierten, zeigten dann eine verminderte Glibenclamid-Sensitivität, wenn die extrazelluläre Schleife des alpha-ENaC von derRatte stammte. Dies lässt darauf schließen, dass der extrazelluläre Anteil des Kanals Angriffsort der Glibenclamidwirkung ist. Neben demENaC als direktem Ziel für Glibenclamid lässt sich eine Inhibierung des eventuell in Xenopus Oocyten vorkommendenSulfonylharnstoffrezeptors nicht ausschließen. Die vorliegenden Ergebnisse beweisen, dass der gpalphachibetagamma-ENaC - vermittelte Na+-Strom in Xenopus Oocyten signifikant durch cAMP undGlibenclamid erhöht wird. Künftige Forschungen werden zeigen, auf welchem Regulationsweg cAMP und Glibenclamid diesen Effektbewirken.
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