Einflüsse von Desfluran versus Isofluran zur Anästhesie auf die intestinale Gewebeoxygenierung bei kontinuitätserhaltenden kolorektalen Eingriffen

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Desfluran, ein relativ neues, seit 1995 für den klinischen Einsatz in Deutschland zugelassenes volatiles Anästhetikum, ist ein ausschließlich fluorierter Methylethylether, der sich lediglich durch die Substitution eines Chloratoms gegen ein Fluoratom im Molekül von dem weit verbreiteten und allgemein akzeptierten Isofluran unterscheidet. Auf der Suche nach dem optimalen Anästhetikum zeichnet sich Desfluran durch eine Reihe vorteilhafter Eigenschaften gegenüber sämtlichen klinisch gebräuchlichen Inhalationsanästhetika aus: Es besitzt neben der niedrigsten Metabolisierungsrate und besten Umweltverträglichkeit, die geringste Blutlöslichkeit, wodurch ein schnelles Vertiefen der Anästhesie und kurze Aufwachzeiten ermöglicht werden. Volatile Anästhetika unterscheiden sich u. a. in ihrer Wirkung auf die intestinale Hämodynamik und Gewebeoxygenierung. Beeinträchtigungen dieser Art können, neben vielen weiteren Faktoren, die Inzidenz einer Anastomoseninsuffizienz nach kontinuitätserhaltenden Resektionen erhöhen und beeinflussen darüber die postoperative Letalität maßgeblich. Ebenso wird dem Magen-Darm-Trakt über eine protrahierte intestinale Gewebehypoxie eine entscheidende Rolle bei der Genese des Multiorgan-Dysfunktionssyndroms zugeschrieben. Die vorliegende Studie sollte die Einflüsse von Desfluran als Teil einer balancierten Allgemeinanästhesie im Vergleich zu Isofluran auf die intestinale Gewebeperfusion und -oxygenierung bei kontinuitätserhaltenden kolorektalen Resektionen evaluieren. Nach Randomisierung erhielten 20 Patienten Desfluran und 24 Patienten Isofluran. Zielvariable war der Gewebesauerstoffpartialdruck (ptiO2) der Kolonserosa vor Resektion (T1) und mindestens 60 Minuten später nach Resektion im Bereich der Enteroanastomosennaht (T2). Zusätzlich wurde mit der gastralen Flüssigkeitstonometrie intramukosal der piCO2, der pHi sowie die aiDCO2 bestimmt, um die Gewebeperfusion und damit oxygenierung auf regionaler Ebene zu T1 und T2 zu überwachen. Die Registrierung der globalen Hämodynamik und Oxygenierung zu T1 und T2 erfolgte über einen Pulmonalarterienkatheter. Zu T1 war der ptiO2 in beiden Gruppen im statistischen Mittel identisch (Desflurangruppe: 59,0 ± 22,6 mmHg versus Isoflurangruppe: 57,9 ± 19,6 mmHg). Ebenso waren im Wesentlichen die Ergebnisse der gastralen Tonometrie und der globalen Hämodynamik bzw. Oxygenierung zu diesem Zeitpunkt vergleichbar. Zwischen T1 und T2 stieg der ptiO2 nur in der Isoflurangruppe an (p = 0,013), um zu T2 signifikant über dem ptiO2 der Desflurangruppe zu liegen (p = 0,021), der sich im Mittel zeitlich nicht veränderte (Desflurangruppe: 55,3 ± 16,8 mmHg versus Isoflurangruppe: 70,5 ± 21,1 mmHg). Alle übrigen Parameter änderten sich im Wesentlichen nicht signifikant über die Zeit und waren auch zu T2 im Mittel in beiden Gruppen identisch. Die Magentonometrie war mit methodischen Problemen behaftet, spiegelte aber trotzdem in ihren Ergebnissen möglicherweise einen Trend wider, der die für den ptiO2 erzielten Erkenntnisse bestätigte. Bei zwei Patienten der Desflurangruppe, die sich einer Rektumresektion unterzogen hatten, trat eine postoperative Anastomoseninsuffizienz auf. Die Kernaussage der Studie lieferte die klinische Interpretation für den ptiO2: Desfluran und Isofluran gewährleisten unter Steady State Bedingungen eines Darmeingriffes gleichermaßen die intestinale Perfusion und Oxygenierung. Eine reaktive Hyperämie trägt nach kurzfristiger Ischämie, wie z. B. nach intestinaler Resektion und Anastomosierung, physiologisch zur Verbesserung der lokalen Gewebeoxygenierung bei und scheint unter Isofluran eher erhalten zu sein als unter Desfluran. Das Ausbleiben der reaktiven Hyperämie könnte eine Folge der für Desfluran, jedoch nicht für Isofluran beschriebenen, wissenschaftich nicht vollends geklärten sympathoadrenergen Aktivierung sein. Man kann anhand von zwei, nur in der Desflurangruppe aufgetretenen Anastomoseninsuffizienzen und des ausschließlich unter Isofluran verbesserten ptiO2 der Anastomose bei einem Kollektiv von 44 Patienten keine verbindlichen Empfehlung für eines der beiden Anästhetika aussprechen, wofür weitere Untersuchungen bei einer größeren Anzahl von Patienten notwendig wären. Unter den Bedingungen der vorliegenden Studie scheinen jedoch die Patienten der Isoflurangruppe von der Wahl dieses volatilen Anästhetikums zu profitieren. Die Studie erhärtet den Hinweis darauf, dass bei kolorektalen Eingriffen, gerade bei Risikopatienten, verstärkt das Augenmerk auf die Wahl eines angemessenen Anästhesieverfahrens zu richten ist.

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Marburg : Görich & Weiershäuser 2005 (Wissenschaft in Dissertationen ; 784)

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