Zur Retikulozytose ohne begleitende Anämie und dem erhöhten retikulozytären Hämoglobingehalt (CHr) bei Hunden

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Der Einfluss von Kortisol auf die Retikulozytenzahl von HundenHintergrundDer Nachweis einer Retikulozytose ohne begleitende Anämie gelingt in den letzten Jahren durch geeignete Hämatologie-Analyse-Geräte häufiger. Die Suche nach auslösenden Ursache ist von wachsendem Interesse. Das Vorliegen von schweren zugrundeliegenden Erkrankungen wird ebenso wie der Einfluss von Katecholaminen und einer katecholaminbedingten Milzkontraktion sowie Glukokortikoiden diskutiert. Ziele der StudieZiel dieser prospektiven Studie war der Nachweis des stimulierenden Einflusses von Kortisol auf die Retikulozytenzahl im peripheren Blut von erkrankten Hunden.Material und MethodenZur Evaluation des Kurzzeiteffektes von Kortisol wurden hämatologische Untersuchungen bei Hunden durchgeführt, die einen ACTH-Stimulationstest als zusätzliches Diagnostikum während einer internistischen Aufarbeitung spezifischer Fragestellungen an der Klinik für Kleintiere Innere Medizin der JLU Gießen erhielten. Den Tiere wurde zu diesem Zweck Tetracosactrin, ein synthetisches ACTH-Analogon, in der Dosierung von 5µg/kg intravenös verabreicht. Vor und 60 Minuten nach Stimulation wurden Blutproben zur Bestimmung einer vollständigen Hämatologie samt Retikulozytenzahl sowie zur Kortisolbestimmung entnommen. Die hämatologische Untersuchung erfolgte mit dem Hämatologie-Analysegerät ProCyte Dx®. Eine manuelle Kontrolle der Retikulozytenzählung erfolgte an Neumethylen-Blau-gefärbten Ausstrichen. Ausschlusskriterien waren ein unzureichendes Ansprechen auf das verabreichte Tetracosactrin und eine vorliegende Anämie. ErgebnisseNach Stimulation mit Tetracosactrin kam es zu einem signifkanten Anstieg des Plasma-Kortisol-Spiegels von 3.91 ± 2,66 mg/dl bis 11.41 ± 3,94 mg/dl (P<0.0001). Erstaunlicherweise kam es zu einem signifikanten Abfall der peripheren Retikulozytenzahl von 58.53 x 109/l to 47,32 x 109/l (P = 0.0029). Ein weiterer signifikanter Abfall konnte im Hinblick auf die Erthrozytenzahl (P = 0,0026), den Hämatokrit (P < 0,0001), das mittlere korpuskuläre Volumen (MCV) (P = 0,006) sowie die Verteilungsbreite der erythrozytären Größe (RDW) (P = 0,006) nachgewiesen werden. Die mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration (MCHC) sank signifikant ab (P = 0,049). Bezogen auf die Leukozyten kam es zu einem signifikanten Anstieg der Gesamtleukozytenzahl (P = 0,029) getragen von einem Anstieg der neutrophilen Granulozyten (P = 0,0165). Lymphozyten (P = 0,0034) und eosinophile Granulozyten (P = 0,0077) fielen signifikant ab. Die Leukozytenveränderungen stehen im Einklang mit einem Stressleukogramm. Zwei Hunden mit Synkopen und Dyspnoe im Vorbericht zeigten eine Retikulozytose ohne begleitende Anämie, die in beiden Fällen keine Beeinflussung durch Tetracosactrin zeigte.SchlussfolgerungEin Kurzzeiteffekt von Kortisol auf die periphere Retikulozytenzahl bei kranken, nicht anämischen Hunden konnte nicht nachgewiesen werden. Die basal höheren Retikulozytenzahlen sind möglicherweise einer Milzkontraktion in Folge von Aufregung oder körperlicher Belastung geschuldet. 6.2. CHr-Erhöhung: Vorkommenshäufigkeit und ÄtiologieHintergrundDer retikulozytäre Hämoglobingehalt (CHr) des Hämatologiegerätes ADVIA® 2120 von Siemens ist human- und tiermedizinisch ein etablierter Marker zur Diagnose einer eisendefizitären Hämatopoese und dementsprechend eines Eisenmangels; deutlich erniedrigte Werte unterhalb des Referenzbereiches sind bekannt. Wissenschaftliche Erkenntnisse zu der Vorkommenshäufigkeit, Ätiologie und klinischen Relevanz eines erhöhten CHr sind nicht existent. Ziele der StudieDas Ziel des retrospektiven Teils der Arbeit war die Erstbeschreibung der Erhöhung des CHr bei Hunden. Augenmerk wurde auf die Vorkommenshäufigkeit und mögliche Ätiologien gelegt. Material und MethodenIm Rahmen der retrospektiven Arbeit wurden die hämatologischen Untersuchungen von 26342 Hunden der Klinik für Kleintiere Innere Medizin der JLU Gießen des Zeitraumes 2008-2013 hinsichtlich Retikulozytenzahl und CHr ausgewertet. Die hämatologische Untersuchung erfolgte bei allen Tieren mit dem Hämatologiegerät ADVIA® 2120 von Siemens. Eine Einteilung des CHr erfolgte nach Cut-Off-Werten in Tiere mit einem erhöhten CHr (>1,85fmol/l), Tiere mit Hinweisen auf einen Eisenmangel (<1,29fmol/l) sowie Tiere im intermediären Bereich (1,29-1,46 und 1,47-1,84fmol/l). Eine exakte Begutachtung erfolgte bei den Hunden mit erhöhtem CHr im Hinblick auf zugrundeliegende Erkrankungen sowie Erythrozytenmoprhologie anhand der maschinell erstellten Erythrogramme zur Detektion möglicher Artefakte und Erythromorphologie. ErgebnisseEin erhöhter CHr wurde bei nur 1,7% aller Messungen detektiert, hingegen war die Vorkommenshäufigkeit eines erniedrigten CHr mit 10,7% ähnlich der bisher beschriebenen Prävalenzen. Der Großteil dieser Tiere lag innerhalb des Referenzbereiches Insgesamt wurde bei 53 Tieren ein CHr von >1,85fmol/l gefunden. Der mediane CHr dieser Hunde lag bei 1,89fmol/l (Range 1,85-2,39). Sehr hohe Werte über 2,0fmol/l waren selten. Der Großteil der Tiere zeigte eine regenerative Anämie mit einer medianen Retikulozytose von 96,2x109/l (Range 7,1-566,1). Nur bei 4% der Tiere konnte ein physiologischer Hämatokrit nachgewiesen werden. Im Median waren die Erythrozyten dieser Hunde grenzwertig makrozytär mit 73fl (Range 66,4-96,6) und im Mittel hypochrom (MCHCb 19,99 ± 1,49mmol/l). Eine Einteilung der Tiere erfolgte in Erkrankungen mit offensichtlichen Blutungen (19%), hämaolytische Erkrankungen (11%), systemishe Inflammationsreaktionen (15%), Neoplasien (17%), Nierenerkrankungen (21%) sowie andere Erkrankungen (17%). Hunde mit Neoplasien zeigten dabei die höchsten CHr-Werte. Bei Hunden mit Blutungsanämien und Hämolyse fanden sich signifikant höhere Retikulozytenwerte. Als Ursache der CHr-Erhöhung konnten hochgradige Retikulozytosen mit Makroretikulozyten, Artefakte (Agglutinatmessung, Fehlklassifizierung von Leukozyten, Heinz-Körperchen und weitere) sowie echte Makrozytosen auf Grund einer Dyserythropoese detektiert werden. SchlussfolgerungEine CHr-Erhöhung ist ein rares Phänomen und häufig mit gravierenden Grunderkrankungen vergesellschaftet. Bei Messung eines erhöhten CHr-Wertes sollten die Retikulozytenzahl, die erythrozytären Indizies und, wenn möglich graphische Darstellung der Erythrogramme bei der Interpretation mit einbezogen werden. Nach Ausschluss einer Retikulozytose und Artefaktmessung bleiben Makrozytosen in Folge einer möglichen Dyserythropoese als Ursache. Weitere Untersuchungen müssen die Eignung des erhöhten CHr als Parameter für eine mögliche Dyserythropoese bestätigen.

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Giessen : VVB Laufersweiler Verlag

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