Ein Vergleich zwischen der mentalen Juckreizinduktion unter Einsatz audiovisueller Stimuli und der Histamin-Iontophorese nach vorheriger Aufmerksamkeitslenkung auf die Haut
Zielsetzung: Im Rahmen der experimentellen Pruritusforschung werden primär invasive sowie nicht-invasive Induktionsmethoden für Pruritus genutzt, die eine Manipulation der Haut erfordern. Nachdem die relativ junge Methode der mentalen Juckreizinduktion schon bei mehreren Studien erfolgreich eingesetzt wurde, soll durch diese Arbeit ein direkter Vergleich zwischen der audiovisuellen Juckreizinduktion und der etablierten Histamin-Iontophorese erfolgen. Ein Nichtunterlegenheitstest soll klären, ob die mentale Induktion gegenüber der physikalischen hinsichtlich des empfundenen Juckreizintensitätsanstiegs äquivalent ist. Gegenüber eines früheren nicht erfolgreichen Versuchs desselben Vorhabens wurde das Studienprotokoll nun dahingehend geändert, dass sämtliche Probanden initial auf den Kontext Haut geprimet werden. Neben methodeneigenen Auswirkungen sollen auch Assoziationen mit psychologischen Skalen sowie mit auftretenden Sinnesqualitäten und Emotionen untersucht werden. Methoden: An der Doppeltblind-Studie nahmen 80 gesunde Probanden zu gleichen Teilen randomisiert in der Experimental- (EG) oder Kontrollgruppe (KG) teil. Alle Probanden erlebten initial ein dermales Priming. Das Treatment der EG bestand aus einem Experimentalvideo mit audiovisuellen Reizen zur Juckreizinduktion und wurde nach einer Placebo-Histamin-Iontophorese präsentiert. Die KG erfuhr eine Histamin-Iontophorese mit anschließendem Neutralvideo. An jede Phase schloss sich eine Washout Phase an, während der folgende Fragebögen bearbeitet wurden: VASs zu Sinnesqualitäten und Emotionen, Juckreizfragebogen, NEO-FFI, HADS-D, SAM, Sozialdatenfragebogen. Zur objektiven Erhebung von Kratzevents und kumulierter Kratzdauer während den Phasen Priming und Treatment wurden Videoaufnahmen der Probanden ausgewertet. Ergebnisse: Während des Treatments zeigte sich der Intensitätsanstieg von Juckreiz nach audiovisueller Juckreizinduktion der Histamin-Iontophorese als nicht unterlegen. Für das unmittelbar nachfolgende Intervall kann selbiges Ergebnis allerdings nicht sicher angenommen werden. Beide Induktionsmethoden weisen spezifische Prurituslokalisationen auf und bedingen unterschiedliche Pruritusqualitäten. Ebenso zeigen beide Methoden schwache Assoziationen mit psychologischen Skalen. Fazit: Mit dieser Studie konnte erstmalig nachgewiesen werden, dass die auf dermales Priming folgende audiovisuelle Juckreizinduktion während ihres Treatments gegenüber der ebenfalls non-invasiven Histamin-Iontophorese äquivalente Intensitätsanstiege von Juckreiz bedingt. Die Ergebnisse der Nebenfragestellungen bestätigen überwiegend aus der Literatur vorbekannte Sachverhalte. Insgesamt ergeben sich durch den erfolgten Äquivalenznachweis erweiterte Möglichkeiten für die Pruritusforschung durch die Juckreizinduktionsmethode im no-touch-Verfahren.
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