Über die Reinton-Hörschwelle bei Schulkindern

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Hörschäden sind nicht heilbar und können nur durch präventive Maßnahmen vermieden werden. Da Hörtests bei Schulkindern häufig schlechtere Ergebnisse zeigen als bei jungen Erwachsenen, werden daraus regelmäßig düstere Prognosen für die weitere Zukunft abgeleitet. Aber sind diese negativen Prognosen berechtigt? Dieser Frage wurde nachgegangen und in vergleichenden Feldstudien untersucht. In der ISO 7029 wird die Hörfähigkeit als Funktion des Alters beschrieben, berücksichtigt aber nicht Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die vorliegende Arbeit stellt einen Versuch dar, diese Lücke zu schließen.197 otologisch unauffällige Schüler einer deutschen Grundschule (D) wurden mit Audiometern im Frequenzbereich von 125-16.000 Hz untersucht, nachdem eine standardisierte Befragung, ein Audiometrie-Training, eine Ohrinspektion und eine Tympanometrie vorangegangen waren. Dasselbe erfolgte im Rahmen einer Expedition in China mit 91 chinesischen Schulkindern (C). Die deutschen Kinder wurden in zwei: D1 (6-8 J., N=91) und D2 (9-12 J., N=106), die chinesischen in drei Altersgruppen: C1 (6-8 J., N=29), C2 (9-12. J., N=32) und C3 (13-16 J., N=30) aufgeteilt und miteinander verglichen.Gruppe D2 zeigte ein signifikant besseres Hörvermögen als Gruppe D1. Die gemittelte Hörfähigkeit beträgt bei D1 7,1 dB HL und bei D2 3,6 dB HL. In einer anschließenden Längsschnittstudie mit den Erstklässlern (N=35 aus D1) wurden diese Verbesserungen 3 Jahre später bestätigt. Die gemittelte Hörfähigkeit von C1 ist 6,4 dB HL, von C2=4,7 dB HL und von C3=3,0 dB HL. Im ethnischen Vergleich zeigt sich die gleiche Tendenz mit etwas geringeren Verbesserungen bei chinesischen Kindern. Die Hörentwicklung scheint auch im Alter von 16 Jahren noch nicht ganz abgeschlossen zu sein.Auffällig ist die bessere Hörfähigkeit der Kinder bei hohen Tönen verglichen mit tiefen Tönen. Zur Norm-Hörschwelle für Erwachsene in der ISO 389-7 sind die kindlichen Hörkurven deutlich gekippt. Strukturgrößen wie das Ohrkanal-Volumen sind für diesen Verlauf mit verantwortlich, da aus kleineren Volumen höhere Resonanzfrequenzen resultieren. Bei den deutschen Kindern wurden gemittelte Ohrkanal-Volumina von 1,05 ml bei D1 gemessen und 1,18 ml bei D2. Die chinesischen Kinder haben in Altersgruppe C1 ein gemitteltes Volumen von 0,78 ml, bei C2=0,92 ml und bei C3=0,97 ml. Im Vergleich zu deutschen Kindern sind diese etwa 25 % kleiner. Neben der höheren Resonanzfrequenz des Gehörgangs, spielt auch das kleinere Mastoid-Volumen eine Rolle bei dem auffälligen Frequenzgang der kindlichen Hörschwelle. Das Hörvermögen von Schulkindern erfährt bei allen Testfrequenzen eine deutliche Entwicklung im Altersverlauf, die mit der Ausreifung des Hörpfades und der Reizverarbeitung im Cortex in Zusammenhang stehen.Bei der Beurteilung von kindlichen Audiogrammen sollte die Hörentwicklung durch eine Alterskorrektur berücksichtigt werden, um falsche Schlussfolgerungen aus schlechteren Testergebnissen zu vermeiden. Die klinische Relevanz einer solchen Alterskorrektur zeigt sich in einem nur geringen Verlust an Sensitivität von 3,8 % bei der Anwendung eines Schadenskriteriums von 20 dB. Dem steht aber ein deutlich größerer Gewinn von 12,7 % bei der Spezifität gegenüber, die bei Anwendung auf den vorliegenden Datensatz mit 250 deutschen Schülern auf über 85 % ansteigt.

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