Ergebnissse nach arthroskopisch assistiert durchgeführter vorderer Kreuzbandplastik mit Semitendinosussehne als Triple-Implantat in Single-Incision-Technik und femoraler Endobutton-Fixation : Nachuntersuchungen über einen Zeitraum von 1 Jahr
Das Ziel dieser Arbeit ist die Überprüfung des Stabilitätsgewinnes infolge einer operativen Therapie des rupturierten vorderen Kreuzbandes mit einer ipsilateralen autogenen, femoral mit einem Endobutton fixierten, Semitendinosussehne als Dreifachschlinge bei 103 Patienten, die in der Zeit vom Juli 1993 bis zum Januar 1995 an der Orthopädischen Klinik der Justus-Liebig-Universität in Gießen operiert wurden. Des weiteren sollten im Rahmen dieser Arbeit geschlechtsspezifische Unterschiede, Unterschiede in der akuten bzw. chronischen Versorgung der Ruptur sowie bezüglich der Compliance der Patienten im Hinblick auf die erzielte Stabilität ermittelt werden. Darüberhinaus sollte der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Patienten auf ihr ursprüngliches, prätraumatisches bzw. präoperatives sportliches Aktivitätsniveau zurückkehren konnten. Im Rahmen dieser prospektiven Studie wurden an fünf verschiedenen Untersuchungsterminen (präoperativ, 6 Wochen p.o., 3 Monate p.o., 6 Monate p.o., 12 Monate p.o.) umfangreiche klinische Untersuchungen sowie jeweils ausführliche systematische Befragungen der Patienten durchgeführt. Zu den durchgeführten klinischen Untersuchungen gehörten der vordere Schubladentest, der Lachmann-Test sowie die Anschlagsqualität beim Lachmann-Test, KT-1000-Arthrometer-Messungen, Pivot-Shift-Zeichen, Seitenbandstabilität, Beinumfangsmessungen, Muskelfunktionstests und Bewegungsdefizite. Neben röntgenologischen Befunden wurden des weiteren systematische Befragungen zur subjektiven Beurteilung des Stabilitätsgewinnes und dem Auftreten von Schmerzen und Schwellungen herangezogen. Zur Klassifizierung der Kniegelenkstabilität und der klinischen Probleme wurden in der vorliegenden Arbeit die IKDC-Qualifikation, der Lysholm-Score und der OAK-Score ausgewählt. Die körperliche Aktivität der Patienten wurde mit dem Aktivitätsscore nach Tegner und Lysholm dokumentiert. Zwölf Monate nach der Operation wurden die Patienten zusätzlich zu postoperativen Komplikationen sowie der Compliance befragt. Die Ergebnisse des vorderen Schubladentests zeigen nach zwölf Monaten p.o. bei 86,2 % der Patienten ein negatives und somit normales Ergebnis der vorderen Kniestabilität. Ähnliche Ergebnisse liefert der Lachmann-Test sowie dessen Anschlagsqualität mit 81,6 bzw. 96,6 % der Patienten, die zwölf Monate p.o. eine normale Kniestabilität aufweisen. Die metrische vordere Translation der KT-1000-Arthrometer-Messungen lag präoperativ deutlich über, im weiteren Verlauf jedoch stets unter dem Normwert von 3,0 mm. Der ermittelte Compliance Index lag präoperativ im Mittel deutlich über dem Normwert von 1,0 mm, im weiteren Beobachtungszeitraum jedoch stets darunter. Während in Bezug auf den Compliance Index bei den Männern signifikant höhere Werte als bei den Frauen nachgewiesen werden können, zeigen sich beim MMD keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Tendenziell liegen jedoch auch beim MMD die Werte der Männer über denen der Frauen. Die Ergebnisse der KT-1000-Arthrometer-Messung zeigen in der vorliegenden Untersuchung keine Unterschiede in der erzielten Stabilität des Kniegelenkes in Abhängigkeit vom Operationszeitpunkt. Das Ausmaß der Flexionsdefizite steigt tendenziell mit zunehmender Dauer zwischen Ruptur und Operationszeitpunkt an, es können jedoch weder hinsichtlich der Flexions- noch der Extensionsdefizite signifikante Unterschiede in Abhängigkeit vom Operationszeitpunkt nachgewiesen werden. Prätraumatisch wies das untersuchte Patientenkollektiv einen mittleren Tegner-Activity-Level von 7,2 auf. Unmittelbar präoperativ sank dieser Wert auf 2,7. Zwölf Monate p.o. wurde ein Wert von 6,0 ermittelt. Um zu überprüfen, ob sich die Stabilität, die Beinumfangsdifferenzen und die Bewegungsfreiheit des operierten Kniegelenks in Abhängigkeit von der Compliance der Patienten unterscheiden, wurde der H-Test nach Kruskal-Wallis durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen signifikante Unterschiede in Bezug auf die KT-1000-Arthrometer-Messung und die Extensionsdefizite in Abhängigkeit von der Compliance der Patienten, während bei den Flexionsdefiziten und Beinumfangsdifferenzen keine Unterschiede nachgewiesen werden können. Auffällig ist, dass die Gruppe mit einer nur mäßigen Compliance die niedrigsten KT-1000 MMD-Werte aufweist. Durch die vorliegende Studie konnte gezeigt werden, dass die angewandte Operationsmethode und das gewählte Implantat in dem evaluierten kurzfristigen Nachuntersuchungszeitraum keine zur Änderung des Therapieverfahrens führenden Schwächen boten. Insgesamt zeigten sich aufgrund der erzielten vorderen Kniegelenksstabilität, der subjektiven Zufriedenheit der Patienten und der geringen Komplikationsrate sehr zufriedenstellende Ergebnisse. Weitere, mittel- und langfristige Nachuntersuchungen sind notwendig, um die Zuverlässigkeit des gewählten Operationsverfahrens abzusichern.
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