Vokalisation und Lokomotion von Saugferkeln im Open Field

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Auf der Lehr- und Forschungsstation Oberer Hardthof des Institutes für Tierzucht undHaustierGenotyp der Justus-Liebig-Universität Gießen wurden in einemschallgedämmten Open Field 628 Saugferkel im Alter von 9 Tagen jeweils für 10Minuten unter dem Aspekt der Vokalisation und Lokomotion untersucht. DieSaugferkel entstammten den Rassen Deutsches Edelschwein, Pietrain und Durocsowie den Rassekreuzungen Deutsches Edelschwein x Pietrain und DeutscheLandrasse x Pietrain.Die Lautäußerungen der Saugferkel wurden mit dem Lautanalyseprogramm AvisoftSASLab Pro® Recorder (Avisoft Bioacoustics) in digitalisierter Form aufgenommenund mit Avisoft SASLab Pro® bezüglich verschiedener Lautparameter (Lautlänge,Peakfrequenz, Abstand zwischen dem 75 %- und 25 %-Frequenzquartil, Entropie)analysiert. Außerdem wurden die Anzahl der Laute im gesamten Zeitraum (10Minuten) sowie in der 1., 5. und 10 Minute ausgewertet. Zeitgleich wurden Videosaufgenommen, die der Auswertung der Lokomotion, des Fluchtverhaltens und desEliminationsverhaltens dienten. Die automatische Klassifizierung der Laute erfolgtemit einem speziell entwickelten Analyseprogramm basierend auf LabVIEW (NationalInstruments, USA), das anhand von LPC-Koeffizenten die Laute charakterisiert. DieFerkel wurden bezüglich Körperlänge und Brustumfang zum Test vermessen.Ziel der vorliegenden Arbeit war es, verschiedene Einflüsse (Genotyp, Geschlecht,Wurf, Körpermaße und Tageszeit), die auf die quantitative und qualitativeLautgebung einwirken können, zu untersuchen. Geprüft wurde auch, ob eineautomatische Klassifizierung von 3 Lauttypen (Grunzlaut, Quieklaut, Schrei) möglichist und mit welcher Genauigkeit diese klassifiziert werden können. All dies hatübergreifend und langfristig das Ziel, die Ferkel anhand der ermitteltenLautparameter individuell in ihrer Lautgebung zu charakterisieren.Folgende Ergebnisse wurden ermittelt.Der Genotyp hatte einen signifikanten Einfluss auf die Gesamtlautanzahl/10 min undauf die betrachteten Zeitabschnitte (1., 5., 10. Minute des Open Field Tests). Dabeizeigte sich, dass die Ferkel der Rasse Deutsches Edelschwein mit Abstand amwenigsten vokalisierten (287,29 ± 37,08 Laute/10 Minuten) und die beidenRassekreuzungen die höchste Gesamtlautanzahl/10 Minuten aufwiesen.Der Genotyp hatte ebenfalls einen signifikanten Einfluss auf Körperlänge undBrustumfang. Ferkel der Rasse Deutsches Edelschwein waren die größten Tiere(Körperlänge = 42,09 ± 0,53 cm; Brustumfang = 36,41 ± 0,49 cm).Das Fluchtverhalten unterschied sich signifikant zwischen den Genotypen. Dabeizeigten die Probanden der Rassekreuzung aus Deutsche Landrasse x Pietrain diegeringste Anzahl an Ausbruchversuche (5,36 ± 0,58-mal) und die Tiere der RasseDuroc den höchsten Wert (10,38 ± 1,33-mal).Die Lautparameter Lautlänge, Peakfrequenz, Abstand zwischen dem 75 %- und 25%-Frequenzquartil und Entropie bei den 3 verschiedenen Lauttypen (Grunzlaut,Quieklaut und Schrei) wurden durch den Genotyp beeinflusst. Die genetischeHerkunft hatte keine Auswirkung auf die Lokomotion.Das Geschlecht hatte auf die Gesamtlautanzahl bzw. auf die Zahl der Laute in denausgewählten Zeiträumen (1., 5. und 10. Minute), die Lokomotion und dasFluchtverhalten während des Open Field Tests, auf die Körpermaße sowie auf dieLautparameter bei den Lauttypen keinen signifikanten Einfluss.Von maximal 15 Sauen konnten die Ferkel mehrerer aufeinanderfolgenden Würfehinsichtlich Lautanzahl, Lokomotion, Fluchtverhalten und den Lautparameternanalysiert werden. Es traten zwar signifikante Einflüsse auf alle Parameter auf, einebiologische Gesetzmäßigkeit lies sich daran allerdings nicht ableiten, da sich beieinigen Sauen mit zunehmenden Alter die Zeitparameter bei ihren Nachkommenpositiv, bei anderen Sauen negativ und in einer dritten Kategorie ungerichtetänderten.Die Tageszeit, geteilt in Vormittag (7:00 bis 11:00 Uhr) und Mittag- sowie Nachmittag(ab 11:00 bis 17:00) hatte einen signifikanten Einfluss auf die Lokomotion der Ferkel.In den Vormittagsstunden wurde eine Wegstrecke von 110,26 ± 4,24 m und in denMittags- und Nachmittagsstunden eine von 97,01 ± 4,65 m zurückgelegt. DieVokalisationshäufigkeit blieb von der Tageszeit unberührt.Der Kot- und Harnabsatz wurde für die Berechnung der Vokalisationshäufigkeit undder Lokomotion pro Zeiteinheit (Sekunde) im statistischen Modell als fixer Effektbehandelt. Die Zeit, die für Kot- und Harnabsatz benötigt wurde, wurde von derGesamtzeit des Open Field Tests abgezogen. Mit dieser ermittelten Zeit wurde dieLautanzahl und Lokomotion pro Sekunde berechnet. Das Eliminationsverhaltenzeigte einen signifikanten Einfluss auf die Lautanzahl und Lokomotion pro Sekunde.Einen Einfluss der Körpermaße (Körperlänge und Brustumfang) auf dieLautparameter konnte nicht nachgewiesen werden. Es ergab sich zwar eine positiveKorrelation zwischen Brustumfang und Lautlänge, die anderen Lautparameterwiesen nur sehr geringe Korrelationen mit den Körpermaßen auf.Die von Störgeräuschen freien Laute wurden durch die Diskriminanzanalyse zu einerder 3 Lauttypen (Grunzer, Quieker, Schreie) zugeteilt. Die Fehlklassifizierung laginnerhalb der Grunzlaute bei & #8804; 0,15 %. Bei den Schreien lag diese um 20 %, nur dieQuieklaute konnten der jeweiligen Gruppe schwer zugeordnet werden. EineFehlklassifizierung von 30 bis 50 % musste hingenommen werden.Zusammenfassend ist festzustellen, dass mit der vorgelegten Arbeit unterstandardisierten Bedingungen signifikante Unterschiede in der Vokalisation vonFerkeln verschiedener Genotypen nachgewiesen werden konnten. Zwischen denGeschlechtern gab es keine gravierenden Differenzen. Zwischen den Ferkelnaufeinanderfolgender Würfe bestanden deutliche und teilweise gesicherteUnterschiede in der Vokalisation, ohne allerdings eine Wiederholbarkeit inverschiedenen Lautparametern bei Ferkeln konsekutiver Würfe derselben Saufeststellen zu können.Auf Grund der erhaltenen Ergebnisse scheint es möglich, eine Kategorisierung vonFerkeln im Sinne einer Phänotypisierung vornehmen zu können.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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