Effekt der Hysterektomie auf die funktionelle Anatomie des Beckenbodens in der dynamischen Beckenboden-MRT
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Zusammenfassung
Hintergrund In zahlreichen Ländern zählt die HE zu den am häufigsten angewendeten operativen Techniken im Fachbereich Gynäkologie. Im Jahr 2006 wurden etwa 153 000 Patientinnen in Deutschland hysterektomiert. Als Indikationen für eine HE gelten benigne Erkrankungen der weiblichen Genitalorgane. Die HE gilt nicht als geeignete Operation zur Korrektur einer Deszensusproblematik oder Harninkontinenz. Allerdings wird sie bei vorliegenden Pathologien bzw. Symptomen häufig in Verbindung mit anderen Indikationen oder im Hinblick auf eine onkologische Prophylaxe durchgeführt. Trotz des unterschiedlichen Zugangsweges ähneln sich die laparoskopische HE und die abdominelle HE in Bezug auf Indikation, operative Schritte, Standards und Komplikationen (Hofmann, 2009). Im bundesweiten Vergleich waren die HE-Raten aufgrund benigner Erkrankungen in Hamburg mit 213,8 Patientinnen pro 100 000 Personenjahren am niedrigsten und in Mecklenburg-Vorpommern mit 361,9 Operationen pro 100 000 Personenjahren am höchsten (Stang, Merrill & Kuss, 2011). In vorliegender Studie wurden die Auswirkungen der HE auf die funktionelle Anatomie des Beckenbodens anhand dynamischer MRT-Untersuchungen bei Patientinnen mit Symptomen einer Beckenbodeninsuffizienz und durchgeführter HE im Vergleich zu Frauen mit Symptomen einer Beckenbodeninsuffizienz ohne HE untersucht. Die Magnetresonanztomografie stellt aufgrund der fehlenden Strahlenbelastung eine geeignete Untersuchungstechnik dar, gerade für junge Frauen. In der sagittalen Ebene können mit nur einer Untersuchung alle drei Kompartimente des Beckenbodens beurteilt werden. Bedauerlicherweise ist diese Untersuchungstechnik zur Beckenbodeninsuffizienz rezent nicht weit verbreitet. So stellt es für die Patientinnen einen größeren Aufwand dar, die Röntgen-Defäkografie zu umgehen. In Anbetracht der hohen physischen wie psychischen Belastung der Betroffenen erscheint die großzügige Überweisung an ein Beckenbodenzentrum unerlässlich. Material und Methoden Diese Arbeit stellte eine retrospektive Auswertung von Informationen dar, welche von März 2005 bis Dezember 2006 erhoben wurden. Die bildmorphologischen Daten wurden mittels einer dynamischen Beckenboden-MRT erfasst. In der Studie wurden Daten von 60 Patientinnen mit einer Beckenbodeninsuffizienz ohne HE mit jenen von 55 Patientinnen mit einer Beckenbodeninsuffizienz und HE verglichen. Die Arbeit konnte somit Aufschluss über die Konsequenzen der HE in Bezug auf die funktionelle Anatomie des Beckenbodens geben. Ergebnisse In unseren Ergebnissen zeigten sich beim Vergleich beider Gruppen (HE vs. ohne HE) keine signifikanten Häufigkeitsunterschiede einer Beckenbodeninsuffizienz in den drei Kompartimenten. Diese Ergebnisse widersprechen der allgemeingültigen Aussage, welche von Müller et al. (2010) verifiziert wurde, dass hysterektomierte Frauen ein erhöhtes Risiko für einen nachfolgenden Deszensus oder einer Inkontinenz aufweisen. Entero- und Peritoneozelen traten signifikant häufiger in der Gruppe der hysterektomierten Frauen auf. Dies lässt sich durch die Funktion des Uterus als Statthalter erklären. Dementsprechend entsteht nach einer HE ein freier Raum, welcher in der Spätphase des Pressvorgangs mit Intestinum oder Fett gefüllt wird. Die Diagnosehäufigkeit von Rektozelen und Zystozelen war zwischen dem hysterektomierten und nicht hysterektomierten Kollektiv vergleichbar. Auffallend hoch erschien der Anteil von 80 % der Patientinnen ohne HE, welche eine Rektozele > 2 cm aufwiesen. Schlussfolgerungen Die Ergebnisse dieser Studie können die allgemeingebräuchliche Aussage, nach welcher die Hysterektomie die funktionelle Anatomie des Beckenbodens verändert, nicht unterstützen. Allerdings bedarf es einer Festigung der Ergebnisse anhand größerer Patientinnenkollektive unter Einbeziehung einer Kontrollgruppe ohne Beckenbodeninsuffizienz.