Die Schuleingangsuntersuchung der Seiteneinsteiger als Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes

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Fragestellung: Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter, die aus dem Ausland nach Hessen zuziehen (sog. Seiteneinsteiger ) unterliegen einer Schuleingangsuntersuchung durch den Kinder- und Jugendärztlichen Dienst (KJGD) des jeweiligen Gesundheitsamtes. Im Rahmen einer deskriptiven Auswertung der Gesundheitsdaten der Seiteneinsteigeruntersuchungen in Frankfurt am Main von 2006 bis 2017 sollte der Frage nachgegangen werden, was die Seiteneinsteigeruntersuchung leisten kann und soll und ob es Verbesserungsbedarf gibt. Methode: Die Untersuchung beinhaltet eine standardisierte Anamneseerhebung, ein Seh- Hör- und Läuse-Screening, eine körperliche Untersuchung, die Dokumentation des Impfstatus sowie vor 2016 eine Röntgenuntersuchung des Thorax bei Seiteneinsteigern >15 Jahre aus Hochprävalenzländern für Tuberkulose. Die bereits in einer Datenbank vorliegenden Untersuchungsdaten werden statistisch erfasst und beschrieben. Ergebnisse: Von 2006 bis 2017 wurden insgesamt 9243 Untersuchungen durchgeführt. Die Anzahl der Untersuchungen nahm von 401 im Jahr 2006 auf 1810 im Jahr 2016 zu. Im Jahr 2016 kamen sehr viele Seiteneinsteiger aus Afghanistan und dem Nahen/ Mittleren Osten. Bei den Seh- sowie Hörscreening-untersuchungen zeigte sich von 2006 bis 2017 eine stetige Zunahme auffälliger Befunde von 14,4% auf 21,2%, resp. ca. 1% auf 4%. In nur wenigen Prozent der Seiteneinsteiger waren körperliche Auffälligkeiten festzustellen; allerdings waren diese wegen eines Mangels der Software nur in 50-60% der Fälle dokumentiert. Knapp ein Fünftel der Seiteneinsteiger (18,3%) wurden anlassbezogen, Ausschluss einer Tuberkulose, geröntgt. Hierbei wurde keine Tuberkulose erfasst. Der Anteil der gemäß der Empfehlungen der STIKO vollständig geimpften Kinder lag im gesamten Zeitraum bei ca. 1%, der Anteil der unvollständig geimpften Kinder bei 34%. Ab 2010 liegt die Rate der unvollständig geimpften Kinder bei 42,5%. Schlussfolgerung: Die Durchführung der gesetzlich vorgeschriebenen Seiteneinsteigeruntersuchung, zum Ausschluss schulrelevanter Befunde (wie Hör- oder Sehstörungen) und zur Ermittlung chronischer Krankheiten, Behinderungen sowie des Impfstatus hat sich als sinnvoll erwiesen. In der Zwischenzeit konnte die Software verbessert werden, um eine vollständige Erfassung aller Befunde zu gewährleisten. Um latente Tuberkulosen nicht zu übersehen, sollte bei Seiteneinsteigern aus Ländern mit hoher Tuberkulose Prävalenz mittels IGRA-Test nach einer LTBI gesucht und bei LTBI gemäß S2kLeitlinie eine Chemoprävention durchgeführt werden. Der Beratung und Information von Seiteneinsteiger über präventive Gesundheitsangebote und Impfungen vor Ort sollte mehr Beachtung geschenkt werden. Im Hinblick auf die Schwierigkeit, einen Kinderarzt zu finden, sollte der KJGD selbst fehlende Impfungen sozialkompensatorisch vornehmen.

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