Neurologischer und kognitiver Entwicklungsstand von im Neonatal-/ Säuglings- und Kindesalter am Aortenbogen mit selektiver Hirnperfusion operierten Kindern im Schul- und Jugendalter
Erkrankungen des Aortenbogens und der thorakalen Aorta liegen im Ursprungsgebiet der zerebralen Blutversorgung. Operationen dieser Erkrankungen stellen daher eine große Herausforderung dar. Die Etablierung der HLM seit dem Jahr 1953 ermöglichte solche Operationen. Der Forschungsschwerpunkt verlagerte sich, weg von der Durchführung des chirurgischen Eingriffes, hin zur Reduktion der zerebralen Morbidität. Heute wird als Standard in der Aortenchirurgie die Kombination aus ASCP und MHCA angewendet, um das neurokognititve Outcome bestmöglich zu optimieren. Ziel dieser Studie war es, die neurokognitive Langzeitentwicklung von Kindern und Jugendlichen, die mit ASCP operiert wurden, zu untersuchen. Häufigkeit und Ausmaß von kognitiven und motorischen Einschränkungen wurden mit validierten Tests ermittelt und die Ergebnisse mit einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Zusätzlich wurden Aufmerksamkeitsprobleme und Verhaltensauffälligkeiten sowie die HRQL der Kinder erfasst.Methodik: 22 Patienten mit AHF (medianes Untersuchungsalter 8,0 (IQR [6,08; 10,53]) und 21 gesunde Vergleichspartner, die im Hinblick auf Alter, Geschlecht und sozioökonomischen Status parallelisiert wurden, nahmen an der Studie teil.Ergebnisse: Der IQ wurde für Kinder bis 9,5 Jahre mit dem CFT 1-R und ab 9,6 Jahre mit dem CFT 20-R bestimmt. 95% der Patienten (n= 22) erzielten einen Intelligenzwert größer gleich 85 (Normale Intelligenz: 85 114). Trotzdem waren die erreichten IQ-Werte signifikant niedriger als in der Normalbevölkerung (Patienten 99 (IQR [90; 103,5]) vs. Kontrolle 111 (IQR [106; 121,5]); p*** <0,0001; Mann-Whitney-U-Test). Es konnte weder eine Korrelation zwischen der Dauer der ASCP und dem IQ (p = 0,776; r = -0,066; Pearson-Korrelation) noch zwischen dem Operationsalter und dem IQ (p = 0,751; r = -0,072; Pearson-Korrelation) nachgewiesen werden. Ein niedriger sozioökonomischer Status der Eltern sowie eine schlechtere HRQL waren Prädiktoren für niedrigere IQ-Werte. Die motorischen Fähigkeiten wurden mit dem M-ABC-2 erfasst. Sowohl im Gesamtwert als auch in den einzelnen Dimensionen Handgeschicklichkeit, Ballfertigkeiten und Balance erreichten die Patienten niedrigere Werte im Vergleich zur Normalbevölkerung (37 (IQR [25; 75]) vs. 84 (IQR [56,5; 93]); p = 0,001; 37 (IQR [14,24; 63]) vs. 63 (IQR [37; 84]); p = 0,011; 37 (IQR [16; 79]) vs. 75 (IQR [37,5; 95]); p = 0,035; 43,5 (IQR [25; 63]) vs. 63 (IQR [56;5; 91]); p = 0,001; jeweils Mann-Whitney-U-Test). Für die motorischen Fähigkeiten insgesamt sowie für die Dimension Balance waren die Unterschiede signifikant. Die Erfassung des selektiven Aufmerksamkeitsvermögens mittels KKA/d2-Test ergab keine Hinweise auf systematische Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Das Verhalten der Kinder wurde mithilfe der CBCL untersucht, wobei Probleme im Sozialverhalten (9,52%) und der Aufmerksamkeitsfähigkeit in der Patientengruppe häufiger vertreten waren. Die Patienten und ihre Eltern gaben eine zufriedenstellende HRQL an, deren Werte dennoch unter den Werten der Kontrollgruppe lagen. Die neurologische Untersuchung ergab geringfügige Auffälligkeiten bei 14% der Patienten. Die Studie konnte zeigen, dass Kinder, die mit ASCP operiert wurden, trotz guter HRQL ein erhöhtes Risiko für kognitive und motorische Defizite aufweisen und deshalb präventive Überwachungs- und Nachsorgestrategien entwickelt werden sollten, um neurokognitive Auffälligkeiten frühestmöglich zu entdecken und den Kindern durch entsprechende Interventionen eine optimale Entwicklung ermöglichen zu können.
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