Auf der Zelloberfläche modulieren Sialinsäuren Zell-Zell- und Zell-Molekül-Interaktionen. In der endständigen Position oberflächlicher Glykoproteine und Glykolipide nehmen Sialinsäuren im Rahmen des viralen Replikationszyklus eine Schlüsselrolle ein. Die Substratpermissivität verschiedener Enzyme in der Sialinsäurebiosynthese erlaubt die chemische Veränderung sialinsäuretragender Glykokonjugate. Ziel dieser Arbeit war es, künstlich sialylierte Glykokonjugate anzureichern und diese als potentielle Virostatika zu untersuchen. Die hergestellten peracetylierten ManNAc-Analoga, OAc4-ManNProp und OAc4-ManNBut, dienten der Inkubation von A549-Zellen, wobei es möglich war, bis zu 72 % der natürlichen Sialinsäuren durch künstlich veränderte zu ersetzen. Es wurde unter verschiedenen Parametern ein Protokoll entwickelt, das gestattet, etwa die Hälfte der Sialinsäuren durch künstliche zu ersetzen und dabei gleichzeitig ermöglicht, eine erhebliche Stoffmenge an Sialinsäuren für weitere Versuche zu synthetisieren. Getestete Neuraminidasen verschiedener Influenza-A-Viren spalteten die natürlichen Sialinsäuren von A549-Zellsuspensionen, hatten aber deutliche Schwierigkeiten in der Umsetzung der künstlichen Konjugate mit Neu5Prop und Neu5But. Um eine mögliche inhibierende Wirkung der modifizierten Glykokonjugate gegenüber dem Influenza-A-Virus zu studieren, wurde weiterführend ein Protokoll entwickelt, das der Anreicherung der künstlich veränderten sialylierten Glykokonjugate mittels Anionenaustauschersäule diente. Die hergestellten Glykokonjugate zeigten in allen virologischen Versuchen einen inhibitorischen Effekt gegenüber dem Influenza-A-Virus. Dabei war der Effekt der künstlichen Glykokonjugate, die natürliche sowie künstliche Sialinsäuren enthielten, gegenüber den natürlichen Glykokonjugaten in allen Versuchsreihen stärker ausgeprägt. Die Aktivität der Neuraminidase wurde durch alle Präparate gesenkt. Zudem reduzierten die Präparate in den Versuchen der Einzelzyklus- und Multizyklus-Replikation des Influenza-A-Virus die Infektion von MDCK-Zellen bzw. Calu-3-Zellen. In den Versuchen der multizyklischen Replikation konnte das Präparat mit der künstlichen Sialinsäure Neu5Prop im Vergleich zu Oseltamivircarboxylat und den anderen getesteten Substanzen die beste Wirkung erzielen. Die gewonnenen Daten zeigen, dass die Verlängerung der N-Acylseitenkette an Sialinsäuren von Glykokonjugaten erheblichen Einfluss auf das Influenza-A-Virus hat und eine Steigerung des inhibitorischen Effekts der Konjugate bewirkt. Neben einer inhibierenden Wirkung gegenüber der Neuraminidase, ist auch eine Blockade der Hämagglutinin-Bindestellen wahrscheinlich.
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