Blutentnahmen gehören in der Klinik und ärztlichen Praxis zur alltäglichen Routine. Komplikationen sind eher selten, bei der Masse der Durchführungen aber nicht unbedeutend. Dennoch werden die Vorgaben zur korrekten Durchführung einer Venenpunktion häufig nicht oder nur teilweise eingehalten. Daher wurde eine internetbasierten virtuellen Lehreinheit entwickelt, die (a) eine standardisierte Methode zur Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten zur Venenpunktion darstellt, (b) reproduzierbar ist, (c) die Überprüfung des Wissensstandes der Teilnehmer ermöglicht, (d) über die Vermittlung pathophysiologischer und mikrobiologischer Inhalte eine Verfahrensweise zur Durchführung der Venenpunktion ableitet. Dabei sollte die Studie die Fragen klären: (1) ob die Teilnehmer/-innen über das Wissen und die Erfahrung zur Durchführung der Venenpunktion verfügen, (2) welche Erfahrung die Teilnehmer/-innen mit computergestütztem Lernen haben, (3) ob ein theoretischer oder praktischer Lerneffekt durch das Absolvieren des WBTs erzielt wird, (4) ob die PC- und E-Learning Erfahrung der Studienteilnehmer/-innen einen Einfluss auf den Lerneffekt haben, (5) ob das WBT benutzerfreundlich gestaltet ist und von den Teilnehmern/-innen akzeptiert wird, (6) ob die MPJ vor dem Absolvieren des WBTs Blutentnahmen bereits korrekt durchführen und (7) ob bezüglich des theoretischen oder praktischen Lerneffekts ein Unterschied zwischen der WBT- und der Kontroll-Gruppe besteht?Dazu wurde eine randomisierte kontrollierte Studie mit Auszubildenden in der Krankenpflege (KPS) durchgeführt. Nach einer Selbsteinschätzung der Teilnehmer/-innen zur Theorie und Praxis der Venenpunktion wurde der theoretische und praktische Lerneffekt der Gruppe, die das WBT absolvierte, mit dem Lerneffekt einer Kontroll-Gruppe, die ihr Wissen über einen konventionellen Unterricht erworben hatte, mittels Forced-Choice- und Skillstests verglichen. Anhand des Skillstests wurde auch die Durchführungsqualität der Venenpunktion durch Medizinstudierende im PJ (MPJ) ge-messen, die ebenfalls an der Selbsteinschätzung, mehreren Forced-Choice-Tests und der Evaluation des WBTs teilnahmen. In der Selbsteinschätzung zeigte sich, dass die KPS nur spärliche, die MPJ umfangreiche Kenntnisse zur Venenpunktion für sich beanspruchen. Insgesamt bestand eine große Erfahrung mit computerbasiertem Lernen, aber nicht alle Teilnehmer hatten Erfahrung mit animierten Lernprogrammen. Blutentnahmen wurden durch die erfahrenen MPJ zwar schnell, aber in einer geringen Qualität durchgeführt. Ein theoretischer und praktischer Lerneffekt durch das WBT war nachzuweisen. Es gab keine Hinweise auf einen Unterschied der WBT- und Kontroll-Gruppe bezüglich des theoretischen Lerneffekts, aber bezüglich der praktischen Durchführung. Hier erzielte die WBT-Gruppe bessere Werte. Ein Zusammenhang des globalen Lerneffekts mit der Erfahrung bzw. Nutzung von Informationstechnologien wurde nicht gefunden. Das WBT wurde von den Teilnehmern insgesamt positiv beurteilt. Das Bearbeiten machte Spaß, steigerte die Motivation und auch ein subjektiver Lerneffekt wurde angegeben. Neue Wissensinhalte wurden durch das WBT sehr gut vermittelt. Die Teilnehmer gaben in der Evaluation wichtige Hinweise für eine Überarbeitung des WBTs. Ferner wurde eine Internetrecherche zur Identifizierung ähnlicher E-Learning-Angebote durchgeführt, deren Ergebnis zeigte, dass das erarbeitete Konzept bisher ein Alleinstellungsmerkmal hat.Die Ergebnisse zeigen, dass das WBT erfolgreich ist. Es stellt sich ein hoher Lerneffekt ein, der neben den theoretischen Inhalten auch die praktischen Fertigkeiten der Teilnehmer miteinbezieht. Die Schlussfolgerung ist, dass das WBT in der Lage ist, einen theoretischen und praktischen Lernerfolg zu erzielen, der sogar über dem praktischen Qualitätsniveau von Medizinstudenten im PJ liegt. Das WBT ist in der Lage, die Lehre in der Medizin zu verbessern und die Instruktionspflicht, zumindest in großen Teilen, zu erfüllen. Unter Beachtung rechtlicher Rahmenbedingungen bietet der Einsatz des WBTs die Möglichkeit der Instruktion, Prüfung und Dokumentation im Rahmen der Delegation der Blutentnahme. Der Forderung nach mehr Effizienz im Gesundheitswesen wird durch das Web-Based-Training Rechnung getragen.
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