Elektromyographische Verlaufsuntersuchungen bei Kühen nach operativer Reposition einer linksseitigen Labmagenverlagerung
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Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit wurden an 25 Kühen nach operativer Reposition einer linksseitigen Labmagenverlagerung elektromyographische Untersuchungen am Labmagen und Duodenum durchgeführt. Damit sollte geprüft werden, ob solche Verlagerungszustände tatsächlich mit einer auch noch in den ersten 7 Tagen nach Operation nachweisbaren Hypotonie oder Atonie dieser Organe einhergehen. Zur Erfassung der myoelektrischen Aktivität wurde eine telemetrische Methode entwickelt und etabliert. Dabei wurden in die Lamina muscularis des Labmagens (Corpus abomasi u. Pars pylorica abomasi) und des Anfangsabschnitts des Duodenums Elektroden aus rostfreiem Stahldraht implantiert. Der gesamte Elektrodenstrang verlief in der Bauchhöhle zu einer Anschlußbuchse ('Pettinger-Skin-Button') in der rechten Hungergrube, an welche für die Messungen ein kleiner Sender zur telemetrischen Datenübertragung angeschlossen wurde. Die elektromyographischen Messungen erfolgten am 1., 3., 5. u. 7. Tag nach der Operation. Bei 10 Kühen erstreckten sie sich an den Messtagen auf 4 Intervalle zu je 20 Minuten, beginnend jeweils um 08:30 Uhr, 14:30 Uhr, 20:30 Uhr und 02:30 Uhr. Bei 15 Kühen wurden an den genannten Tagen Messungen über den Gesamtzeitraum von 24 Stunden durchgeführt. Anhand der ermittelten Daten wurden folgende zwei Parameter als Ausdruck der myoelektrischen Aktivität berechnet: Das Gesamtintegral (GI) und die Gesamtamplitude (GA). Damit wurde die myoelektrische Aktivität über den Zeitraum von sieben Tagen beurteilt. Darüber hinaus wurden die Patienten klinisch und labordiagnostisch überwacht. Am 8. Tag p. op., also nach Ende des eigentlichen Untersuchungszeitraums, wurde 9 Patienten Neostigmin (0,05 mg / kg KM s. c.) und 7 Patienten Erythromycin (5 mg / kg KM i. m.) sowie Carazolol (0,01 mg / kg KM i. m.) verabreicht, um mögliche Auswirkungen dieser Pharmaka auf die myoelektrische Aktivität zu erfassen. Nach Abschluß der Messungen wurde der Elektrodenstrang durch Zug am Skin Button entfernt. Anhand der Ergebnisse zeigten sich erhebliche interindividuelle, aber auch zirkadiane Einflüsse auf die Labmagenmotorik. Tagsüber, insbesondere am Nachmittag, wurde eine höhere myoelektrische Aktivität registriert als in den Nachtstunden. In den ersten 7 Tagen nach der Operation einer linksseitigen Labmagenverlagerung war bei den untersuchten Probanden die myoelektrische Aktivität von Labmagen und Duodenum im Vergleich zu derjenigen einer gesunden Kontrollgruppe in der Regel noch deutlich erniedrigt, doch ließen sich diesbezüglich, unter Zugrundelegung der 24-Stunden-Messungen, 2 Cluster unterscheiden: Bei der größeren Gruppe (11 / 15 Tiere) bewegten sich die Werte während des gesamten Untersuchungszeitraum auf niedrigem Niveau. Hingegen erreichten die Werte der 2. Gruppe (4 / 15 Tiere) inner-halb von 5 Tagen p. op. wieder den Bereich der Kontrollgruppe. Allerdings ließen sich bezüglich der Entwicklung der klinischen Befunde sowie der gemessenen Laborparameter zwischen beiden Clustern keine signifikanten Unterschiede feststellen. Die Applikation von Erythromycin führte bei diesen Patienten innerhalb von 5 Stunden zumindest tendenziell zu einer Steigerung der myoelektrischen Aktivität von Labmagen und Duodenum, nach Verabreichung von Neostigmin war ein solcher Effekt am Labmagen über 2 3 Stunden zu beobachten. Die Wirkung war jedoch jeweils nur schwach ausgeprägt und ließ sich statistisch nicht absichern. Nach Carazololgabe kam es diesbezüglich zu keinem erkennbaren Effekt. Insgesamt deuten die Ergebnisse dieser Studie darauf hin, dass bei den meisten Labmagenpatienten auch postoperativ eine mehr oder weniger ausgeprägte Atonie von Labmagen und Duodenum noch über mehrere Tage besteht, selbst wenn sich diese klinisch und labordiagnostisch nicht erkennbar manifestiert. Diese Motilitätsstörung könnte nicht nur das erstmalige Auftreten einer Verlagerung, sondern auch die Rezidivneigung nach konservativer Therapie einer linksseitigen Labmagenverlagerung erklären.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Wettenberg : VVB Laufersweiler 2005
