Morphometrische Untersuchungen des Kehlskeletts bei singulärer Anlage des Cornu superius der Cartilago thyroidea : Untersuchungen zur forensischen Traumatologie
HINTERGRUND UND ZIELSETZUNG: Die grundlegende Kenntnis des Schildknorpels stellt einen entschiedenen Vorteil für rechtsmedizinische Untersuchungen bei Gewalt gegen den Hals dar. Diese Dringlichkeit führte bereits zu ausgedehnten Untersuchungen der Halsorgane. Die einseitige Agenesie der Schildknorpeloberhörner wird für eine Seltenheit gehalten. Allerdings wurde seine Bedeutung bisher nicht näher untersucht. Diese Untersuchung soll einen Beitrag zur Einordnung dieser Anomalie im Vergleich mit regulären Kehlköpfen leisten.MATERIAL UND METHODIK: 49 Kehlköpfe (23 von gestorbenen Frauen, 26 von gestorbenen Männern; 23 mit regulärer Schildknorpelkonfiguration, 21 mit einseitiger und fünf mit bilateralem Agenesie) stammen aus gerichtlich angeordneten Obduktionen. Von jedem Kehlkopf wurde mittels Mikrocomputertomographie hochauflösende Bilder erzeugt. Teilweise wurde Kontrastmittel bei geringer Ossifikation verwendet. 18 Parameter (7 Winkel, 11 Strecken) wurden am Schild- und Ringknorpel gemessen.ERGEBNISSE: Insgesamt wurden 882 Messungen an den 49 Kehlköpfen (Median: weiblich = 68 Jahre; männlich = 64,5 Jahre) durchgeführt. Ein Geschlechtsdimorphismus konnte bestätigt werden: Beispielsweise betrug der Winkel zwischen den Schildknorpelplatten bei Frau 81,92°±12,9° (p<0,001). Die Analyse der beiden Paar-zugeordneten Gruppen zeigte keinen signifikanten Unterschied. Der intraindividuelle Symmetrievergleich zeigte ebenfalls keinen signifikanten Unterschied. (p=0,139).SCHLUSSFOLGERUNG: Die Verletzbarkeit des laryngealen Komplexes stellt im Rahmen von rechtsmedizinischen Untersuchungen bei Gewalt gegen den Hals eine Hauptgrundlage dar. Verschiedene Kriterien wurden herangeführt, um dessen Stabilität und Vulnerabilität einzuordnen. Die Symmetrie und Ossifikation des Kehlkopfes sind wichtige Parameter. Diese Untersuchung konnte zeigen, dass die einseitige Agenesie eines Schildknorpeloberhorns keinen Einfluss auf die Symmetrie hat, allerdings mit großen Unterschieden in der Ossifikationsausprägung. Vor allem die dorsalen Anteile wiesen im intraindividuellen Vergleich besonders im Kollektiv mit einseitiger Schildknorpeloberhornanlage eine asymmetrische, inhomogene Ossifikation auf. Daher ist von einer größeren Verletzungsanfälligkeit bei flächiger Krafteinwirkung auszugehen.
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