Tropische Wirbelstürme stellen eine der gefährlichsten und verheerendsten Naturgefahren weltweit dar. Jedes Jahr treffen diese Sturmsysteme viele Küsten dieser Welt mit brachialer Gewalt und sorgen für zahlreiche Opfer und große Zerstörungen. Taiwan ist regelmäßig während einer Saison von meist sieben Taifunen betroffen, die die Insel direkt treffen. Durch seinen schwierigen diplomatischen Status ist Taiwan aus vielen internationalen Forschungs- und Warnprogrammen ausgeschlossen, oder bezieht die Daten über Dritte, wie die USA oder Japan, die auf nationaler Ebene mit Taiwan zusammen arbeiten, wenn auch nicht auf voller diplomatischer Ebene, um mit China keinen diplomatischen Zwischenfall zu provozieren, das Taiwan als abtrünnige Provinz ansieht.
Taiwan kämpft aber nicht nur gegen die Schäden der Taifune, sondern auch gegen die Umweltsünden der eigenen Regierung und deren Vorgänger. Gedankenloser Holzeinschlag und mangelhafte Wiederaufforstung, Ausbau der Infrastruktur um jeden Preis und mit politischen Zielen als Hintergrund und Nichtbeachtung grundlegender ökologischer Vorgehensweisen, haben viele der potentiellen Gefahrenquellen erst selber geschaffen. Erosion und Erdrutsche sind die direkten Folgen dieser ignoranten Vorgehensweise. Dazu kommt, dass Taifune eine der wichtigsten Quellen für Wasser auf der Insel sind. Ihre starken Niederschläge füllen jedes Jahr die Reservoire, sowohl natürlich als auch künstlich, wieder auf. Bleiben die Niederschläge hinter den Erwartungen zurück, werden Grundwasservorräte angezapft, was stellenweise zur Absenkung des Bodenniveaus geführt hat. Das, kombiniert mit dem steigenden Meeresspiegel, wird in den kommenden Jahrzehnten eines der größten Probleme für Taiwan sein. Schon heute werden während eines mittelstarken Taifuns so große Gebiete überschwemmt und verheerende Schäden an Landwirtschaft und Industrie verursacht, dass sie sich auf das Bruttoinlandsprodukt auswirken können. Wird dieser Entwicklung nicht entschieden entgegen gewirkt, werden diese Schäden vielleicht irgendwann nicht mehr behebbar sein.
Mit diesem Hintergrund hat in Taiwan ein Umdenken stattgefunden. Die Vorhersagetechnik des Wetterdienstes wurde sowohl auf technischer als auch auf menschlicher Ebene entschieden verbessert, was auch ein großes Verdienst der Zusammenarbeit mit der NOAA, dem amerikanischen Wetterdienst ist. Hinzu kommt ein neuer Satellit, der die Beobachtung und Vermessung der Insel ermöglicht, sowie ein Beobachtungssystem, das instabile und gefährdete Hänge beobachtet und bei Erdrutschgefahr die Bevölkerung warnt. Aber all diese Bemühungen fruchten nicht, wenn die Bevölkerung die Notwendigkeit dieser Techniken nicht akzeptiert. So wurde eben genanntes Warnsystem für Erdrutsche nach Beschwerden der Bevölkerung, aufgrund der vielen Fehlalarme, wieder deaktiviert. Hier ist also noch sehr viel Aufklärungsarbeit gefragt.
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