Die Artischocke wird als Gemüse- und Arzneipflanze genutzt. Für die pharmazeutische Anwendung sind vor allem die Rosettenblätter von Bedeutung, deren Wirkstoffe (Caffeoylchinasäuren, Flavonoide, Sesquiterpenlactone) eine Linderung dyspeptischer Symptome sowie choleretische, cholesterinsenkende und antioxidative Effekte bewirken können. Für einen effizienten Anbau in Deutschland sind Kenntnisse zur Sorteneignung, zur Standortadaption sowie zur Beeinflussung von Drogenertrag und -qualität durch pflanzenbauliche Maßnahmen erforderlich. Zur Klärung dieser Fragestellungen wurden mehrjährige Feldversuche (Sortenversuche, Herkunftsprüfungen sowie Saatzeiten- und Standraumversuche) an den Standorten Gießen, Groß Gerau und Rauischholzhausen durchgeführt. In den Versuchen wurden Prüfmerkmale zur Blattmorphologie, zum Entwicklungsverlauf und zum Bestandesaufbau erfaßt. Darüber hinaus wurden die Blatterträge sowie die Wirkstoffgehalte (CCS-Verbindungen und Flavonoide) nach einer HPLC-Methode gemessen. Weiterhin wurden populationsgenetische Untersuchungen (RAPD-PCR) mit insgesamt 43 Sorten bzw. Akzessionen der Artischocke durchgeführt. Die Art Cynara cardunculus ssp. flavescens spaltet sich genetisch eindeutig in die zwei Subspezies scolymus und cardunculus auf. Die geprüften Sorten und Akzessionen konnten mit Hilfe der RAPD-PCR-Methode diesen Subspezies zugeordnet werden. Die Ergebnisse der Feldversuche zeigen, dass mit der Artischocke mindestens 2 bzw. 3 Blatternten pro Vegetationsperiode durchgeführt werden können. Die höchsten Blattdrogenerträge wurden in der Regel mit Bestandesdichten von etwa 12 Pflanzen/m² erzielt (Sorte: Green Globe´). Die Aussaatzeit der Artischocke ist durch die Kälteempfindlichkeit limitiert. Frühsaaten in der ersten Aprilhälfte bewirkten eine verzögerte Pflanzenentwicklung und reduzierte Blatterträge.
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