Vergleich zwischen der vertikal-infraklavikulären Plexusanästhesie nach Kilka, Geiger und Mehrkens und der infraklavikulären Plexusanästhesie nach Raj, modifiziert nach Borgeat
Blockaden des Plexus brachialis gehören zu den etablierten Methoden der regionalen Anästhesie, wobei klinisch eine Reihe verschiedener Verfahren zu Anwendung kommen können. Primäres Ziel dieser Studie war es, zwei infraklavikuläre Verfahren im Hinblick auf Effektivität und Erfolgsrate miteinander zu vergleichen.An der prospektiven Studie nahmen insgesamt 58 männliche und 38 weibliche Patienten im mittleren Alter von 48,5 Jahren teil, die im Rahmen eines elektiven Eingriffes an Arm oder Hand operiert werden sollten. Die Patienten wurden randomisiert entweder einer Anästhesie mittels vertikal-infraklavikulärer Blockade nach Kilka, Geiger und Mehrkens (VIB) (n=47) oder mittels infraklavikulärer Blockade nach Raj modifiziert nach Borgeat (Raj-Borgeat) (n=49) unterzogen. Hierbei wurde zu verschiedenen Zeitpunkten die sensorische und motorische Blockade anhand einer 3-stufigen Skala festgehalten, wobei eine Reihe von Nervenästen berücksichtigt wurde. Ermittelt wurden ferner die Anlagedauer, die Anschlagdauer und die Erfolgsquote bzw. die Notwendigkeit zum Verfahrenswechsel sowie die Patientenzufriedenheit.Es konnte gezeigt werden, dass die mittlere Anlagedauer in der VIB-Gruppe signifikant kürzer war als in der Raj-Borgeat-Gruppe, wobei allerdings keine statistisch signifikante Differenz erreicht wurde (102 vs. 139 Sek.). Ähnliches konnte auch für die Anschlagdauer festgestellt werden, die in der VIB-Gruppe etwa drei Minuten kürzer war (22,7 vs. 26,0 Min.; p=0,003).Hinsichtlich der sensorischen und motorischen Blockade konnte fast ausnahmslos für alle Messzeitpunkte und für alle Nervenäste eine Überlegenheit des VIB-Verfahrens festgestellt werden. Bei der zusammengefassten Betrachtung aller acht sensiblen bzw. aller fünf motorischen Nervenäste lagen hinsichtlich aller fünf Messzeitpunkte statistisch signifikante Unterschiede vor, die im Vergleich zum Raj-Borgeat-Verfahren ein deutlich besseres Ansprechen in der VIB-Gruppe erkennen ließen. Nach 25 Minuten wiesen deutlich mehr VIB-Patienten einen kompletten sensorischen Block aller acht Nervenäste auf (40,4 vs. 24,5%; n.s.); ähnliches galt auch für den kompletten motorischen Block aller Nervenäste (89,9 vs. 61,2%; p=0,002). Analog zu diesem Ergebnis fand sich bei den Patienten der VIB-Gruppe auch signifikant häufiger eine hinreichende sensorisch-motorische Blockade aller Nervenäste (85,1 vs. 67,3%; p=0,043). Absolute Verfahrensversager mit Notwendigkeit zum Verfahrenswechsel (Allgemeinanästhesie) fanden sich in der VIB-Gruppe bei lediglich einem Patienten, in der Raj-Borgeat-Gruppe hingegen bei zehn (2,1 vs. 20,4%; p=0,005).Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es sich bei der VIB um ein sehr effektives Anästhesieverfahren handelt, welches dem Raj-Borgeat-Verfahren in allen Punkten überlegen ist. Wegen der Unterrepräsentation der weiblichen Patienten bei gleichzeitig vergleichsweise gutem Ansprechen auf die Methode, sollte diese Patientengruppe künftig mehr berücksichtigt werden, sofern die Option einer Plexusanästhesie gegeben ist.
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