Mit Bildern beten: Bildrosenkränze, Wundenringe, Stundengebetsanhänger (1413-1600): Andachtsschmuck im Kontext spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Frömmigkeit

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Religiöse Schmuckstücke sind ein bedeutender Teil der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bildkultur. Neben Hausaltären, illustrierten Büchern und druckgrafischen Blättern gehörten auch bebilderte Schmuckstücke zum Bildarsenal der privaten Frömmigkeit. Einige dieser Schmuckstücke, die zum Teil ein sehr reiches und komplexes Bildprogramm aufweisen, lassen einen Bezug zu einem konkreten Gebet oder einer konkreten Andachtsform erkennen. So dienen Rosenkranzketten zum Abzählen der Ave-Maria-Gebete beim Rosenkranzgebet. Bei einer Reihe kostbarer Rosenkränze aus der Zeit zwischen 1413 und 1600 sind die Perlen reich bebildert, weshalb diese Objekte als Bildrosenkränze bezeichnet werden. Bei näherem Hinsehen erweist sich jedoch der Zusammenhang zwischen den Bilder auf den Bildrosenkränzen und den Bildern, die in den in das Ave Maria eingeflochtenen Meditationen, den so genannten Geheimnissen oder claussula aufgerufen werden, als recht komplex. Die Bilder auf den Perlen zeigen zum Teil Szenen aus dem Marienleben und von der Passion, die mit den Rosenkranz-Meditationen thematisch übereinstimmen, andere stellen in vielen Bildern die im Credo angesprochenen Themen dar, was damit zu erklären ist, dass das Credo in zeitgenössischen Quellen als das reifflein oder dy schyne des Rosenkranzes bezeichnet wird. Wieder andere zeigen Heilige, die Leidenswerkzeuge oder Rosen und ein besonders reich bebildertes Exemplar aus Elfenbein präsentieren die Schöpfungsgeschichte und die alttestamentarischen Karsamstagsprophetien, die ergänzt um die darüber gesprochenen Rosenkranz-Geheimnisse, typologische Beziehungen herstellen und die ganzen Heilsgeschichte in den Rosenkranz einschließen. Auch dort, wo sich die Bilder nicht als Darstellungen der Rosenkranz-Meditationen verstehen lassen, bieten sie eine Vielzahl von Verweisen auf das Rosenkranzgebet: etwa in Gestalt der Rosenkranzmadonna oder von Rosen, die Betonung des Rings, bzw. des Fingers, an dem spätmittelalterlichen Gebetsanweisungen folgend, die Meditationsbilder festgemacht werden sollten, aber auch die haptischen und materiellen Qualitäten der Gebetsketten, soweit sie mit Bedeutung aufgeladen wurden. Auch der Corpus Christi und der mystische Leib der Kirche, Jenseitsvorsorge und Memento mori, Typologie, Gebetstext ist im Bild und die Bebilderung des Herzens, die das Ideal der Beherzigung und Verinnerlichung der Gebete verkörpert, sind Themen, die in den Bildprogrammen auf diesen Rosenkränzen verhandelt werden. Rosenkränze sind jedoch nicht die einzigen Schmuckstücke bei denen sich direkte Bezüge zwischen dem Objekt mit seinen Bildern und einem bestimmten Gebet nachweisen lassen. Dies ist auch bei Wundenringen möglich, einer Gruppe englischer Ringe aus Gold mit Darstellungen der Fünf Wunden Christi, einem Bild Christi sowie Inschriften in denen die Fünf Wunden als well of pitty, well of merci, well of confort, well of gracy und well of ewerlastingh lyffe bezeichnet werden. Genauso werden die Wunden in englischen Fünf-Wunden-Gebeten bezeichnet; und wie auf den Ringen stehen auch dort diese mystischen Namen im Zusammenhang mit Bildern von den Wunden. Unter einer Reihe von Anhängern, die die Gestalt von winzigen Flügelaltären haben, ist einer für meine Fragestellung besonders interessant: ein von der Forschung fast gänzlich übersehener Anhänger, der im Schrein, genau die acht Szenen zeigt, die im Stundenbuch, die acht Gebetsstunden des Marienoffiziums einleiten. Die Tatsache, dass dieses Triptychon mit Darstellungen zu den acht Gebetsstunden des Marienoffiziums versehen ist, wie sie uns gewöhnlich in Stundenbüchern begegnen, ist bisher niemandem aufgefallen. Dabei weist dieses Bildprogramm so deutlich auf eine Gebetspraktik, nämlich das Stundengebet, hin, die sehr umfassend überliefert ist und bei der das Gebet ganz eng mit einem bestimmten Bildprogramm verbunden ist, wobei das Verhältnis von Bild und Gebet wieder ein ganz anderes ist als bei den Rosenkränzen oder den Wundenringen.Die Bildrosenkränze, die Wundenringe und dieser Stundengebetsanhänger stammen aus einer Zeit in der Kostbarkeit und äußere Pracht nicht als Widerspruch zu einer andächtigen inneren Haltung empfunden wurde. Ihre Bildprogramme beziehen sich in ganz unterschiedlicher Weise auf die Funktion des Objekts als Gegenstand für die Andacht und hatten doch zugleich in den fürstlichen Schätzen, wie etwa der Sammlung des Duc de Berry, auch die Aufgabe als Schaustücke der Repräsentation des Fürsten zu dienen. Ende des 16. Jahrhunderts scheinen diese beiden unterschiedlichen Funktion nur noch schwer vereinbar zu und einige der Objekte finden in dieser Zeit den Weg in die entstehenden Kunstkammern, in denen ihr Kunstwert bestaunt werden kann, ihr religiöser Wert aber nicht mehr wahrgenommen wird. Dies führt dazu, dass derartige Schmuckstücke, insbesondere das Phänomen der Bildrosenkränze, zu dieser Zeit ebenso verschwinden, wie die reich illuminierten Stundenbuchmanuskripte.

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