Fragestellung: Die Psoriasis (Schuppenflechte) ist mit 1-3 % Prävalenz eine der wichtigsten juckenden Dermatosen. Obwohl Pruritus bei nahezu jedem Patienten mit Psoriasis vorkommt, wurde diesem lange Zeit keine Beachtung geschenkt. Eine mentale Pruritusinduktion mittels Videostimulation konnte bereits in Vorstudien von Niemeier et al. (2000) und Gomoll et al. (2006) an Hautgesunden, sowie von Schut et al. (2013) an Patienten mit Neurodermitis durchgeführt werden. Ziel der vorliegenden Studie ist es nun, die Studien zur mentalen Juckreizinduktion um eine Patientengruppe zu erweitern und Zusammenhänge zwischen Pruritus, Schuppenflechte und psychosozialen Einflüssen näher zu untersuchen.Methode: An der Studie nahmen 36 Hautgesunde und 36 Patienten mit Psoriasis teil, wobei ein Cross-over Design angewendet wurde. Das Stimulationsmaterial bestand aus drei Videos, einem Kontrollvideo (KV) und zwei Experimentalvideos (Hautvideo (EVH) und Tiervideo (EVT)). Die Videos wurden durch eine zwanzig minütige Wash-out Phase voneinander getrennt, in denen die Teilnehmer die verschiedenen psychosoziale Fragebögen (NEO-FFI, HADS-D, SAM, Sozialdatenfragebogen und Haut-Zuf) ausfüllen sollten. Der subjektiv empfundene Juckreiz, wurde mittels visueller Analogskalen erfasst, welche sich in den Beurteilungsfragebögen zu den Videos versteckten. Zusätzlich wurden die Probanden während der Betrachtung der Videos gefilmt, sodass die Anzahl der Kratzbewegungen und Kratzdauer erfasst werden konnte.Ergebnisse: Juckreiz ist auch bei Patienten mit Psoriasis mental induzierbar, wobei der Effekt hinsichtlich der subjektiven Juckreizintensität stärker ausfällt als hinsichtlich der objektiv erfassbaren Parameter Kratzanzahl und dauer. Jedoch konnte kein Unterschied zwischen den Psoriatikern und den Hautgesunden hinsichtlich des Juckreizanstieges festgestellt werden. Betrachtet man den Einfluss von psychosozialen Faktoren auf den Juckreizanstieg, so konnte ein Anteil des Anstiegs in der subjektiven Juckreizintensität durch die öffentliche Selbstaufmerksamkeit vorhergesagt werden. Des Weiteren ließ sich der Anstieg in der Anzahl der Kratzbewegungen durch die Variablen Verträglichkeit und Partnerberührung vorhersagen und auch für den Anstieg in der Kratzdauer war die Partnerberührung der entscheidende Prädiktor. Für die Hautgesunden ließen sich keine Prädiktoren ermitteln.Diskussion und Fazit: Mentale Juckreizinduktion ist auch bei Patienten mit Psoriasis möglich, wobei kein größerer Juckreizanstieg zu verzeichnen ist, als bei Hautgesunden. Persönlichkeit und soziale Aspekte, wie Aufmerksamkeitsprozesse, Partnerschaft und Verträglichkeit scheinen einen modulierenden Effekt auf die Juckreizinduktion zu besitzen, sodass z.B. Schulungen zur Verträglichkeit und Selbstaufmerksamkeit durchgeführt werden könnten.
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