Der "Herr der Tiere" in europäischen Volksmärchen : Ein Beitrag zur vergleichenden Erzählforschung
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Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit hat die Aufgabe, aufgrund kulturgeschichtlicher Befundedie Beziehung zwischen Mensch und Tier von ihren Anfängen bis in die Gegen-wart darzustellen und zu analysieren. Um im Besonderen die Verantwortung desMenschen für das Tier zu veranschaulichen, ist der "Herr der Tiere" in den euro-päischen Volksmärchen ein gut geeignetes Leitbild.Die Arbeit beginnt mit Gedanken über die Herkunft des Wortes "Tier" undeiner Annäherung an die Definition des Begriffes "Tier" anhand der vielfältigenErklärungen abendländischer Philosophen seit dem klassischen Altertum.Es folgt eine Abgrenzung des Volksmärchens von Mythos, Sage und Legendeund ein kurzer Abriss seiner Herkunft und lebendigen Weiterentwicklung, seinerStruktur und Form sowie seines Wesens und seiner Bedeutung. Mit Auszügen ausdem Gilgameschepos und dem Etanamythos wird darauf hingewiesen, dass Ges-talt und Funktionen des Herrn der Tiere dort schon ca. 2000 v. Chr. dokumentiertsind.Ausführlicher werden dann die Glaubensvorstellungen, Riten und Bräuche derfrühzeitlichen Jägerkultur und der darauf folgenden viehbäuerlichen Lebensweisesowie die heutige Tierwirklichkeit ins Blickfeld gerückt. Dabei wird dargelegt,inwiefern sich die Einstellung des Menschen gegenüber dem Tier im Verlauf derJahrhunderte veränderte. In Verbindung mit der Jägerkultur wird auch der Scha-mane mit seiner Stellung und Erlebniswelt beschrieben und gedeutet. Beispiels-weise werden seine Initiation, seine Suchwanderungen, seine Zaubertiere, Tier-verkleidungen, Tierverwandlungen, seine Totems und Tabus herausgestellt. De-ren zahlreiche, mehr oder weniger umstrittene, "Survivals" in den europäischenVolksmärchen werden jeweils mit aufgezeigt und diskutiert.Des Weiteren werden die verschiedenen Tieraspekte speziell im Hinblick aufdie Volksmärchen vorgestellt und kommentiert: Mächtiges Tier Tierparlament hilfreiches, dankbares Tier Tiersprache Tierschwager Tierehe Tierkind Tierverkleidung Tierverwandlung Untier Beutetier Opfertier Haustier.Im Hauptteil der vorliegenden Untersuchung wird der Herr der Tiere, gleich-viel ob Herr oder Herrin, in den Vordergrund gestellt und mit seiner Gestalt undFunktion, seinen Eigenschaften und Beziehungen eingehend geschildert. Abbil-dungen archäologischer Fundstücke und Auszüge aus vormals oral überliefertenTexten bezeugen seine lange Geschichte und nachhaltige Rezeption.Danach folgt eine Abhandlung über die volkstümlichen Vorstellungen von derGleichheit zwischen der Seele des Menschen und der Seele des Tieres. Dabeizeigt sich, dass die Märchengestalt des Herrn der Tiere in dem allgegenwärtigenTiertöter- und Tierschädigerskrupulantismus wurzelt: Sie hat den Sinn, das prob-lematische Verhältnis zwischen Mensch und Tier zu entlasten und den Menschenzu einem verantwortlichen Umgang mit den Tieren zum Vorteil für beide Seitenhinzuleiten. Zum Abschluss der vorliegenden Arbeit wird auf die Bedeutung desHerrn der Tiere für das menschliche Handeln im Hier und Heute hingewiesen.Den wesentlichen Gesichtspunkten ist jeweils ein passendes Märchenbeispielzur Seite gestellt, der Übersichtlichkeit wegen allerdings nur in signifikanten Ausschnitten.Im Anhang findet der Leser noch fünf Originalvolksmärchen in voller Länge,damit er nach Belieben durch eigenes Erleben den Herrn der Tiere für sich entde-cken kann.Verknüpfung zu Publikationen oder weiteren Datensätzen
Beschreibung
Anmerkungen
Erstpublikation in
Giessen : VVB Laufersweiler
