Adhäsionsmoleküle sind an Progress und Metastasierung von Tumoren beteiligt. Die Expression und Regulation der Adhäsionsmoleküle E-Cadherin und CD44 ist in den vergangenen Jahren an verschiedenen humanen malignen Tumoren untersucht worden. Die verminderte Expression von E-Cadherin wurde in der überwiegenden Anzahl der Publikationen mit einem Progress und einer schlechten Prognose in Verbindung gebracht. Eine geringe Expression von E-Cadherin auf kleinen Fallzahlen maligner Pleuramesotheliome mittels handelsüblicher monoklonaler Antikörper und verschiedener immunhistochemischer Verfahren wurde bereits von einigen Arbeitsgruppen nachgewiesen.
Bei den Isoformen der CD44-Familie ist die Datenlage heterogen. Sowohl die Upregulation als auch die Downregulation wurde in verschiedenen Publikationen mit einem Tumorprogress in Verbindung gebracht.
Eine umfassende Untersuchung der Expression von CD44-Isoformen an einer größeren Fallzahl maligner Pleuramesotheliome ist in der Literatur nicht bekannt. Die Expression von CD44H, CD44V6, CD44V3 an kleinen Fallzahlen maligner Pleuramesotheliome wurde in der Vergangenheit bereits untersucht.
In unserer Arbeit geht es um die Fragestellung, ob formalinfixierte und in Paraffin konservierte maligne Pleuramesotheliome die Adhäsionsmoleküle E-Cadherin, CD44H, CD44V3, CD44V5, CD44V6 und CD44V9 exprimieren und ob es möglich ist, eine Aussage über die Regulation der oben genannten Adhäsionsmoleküle zu treffen. Ferner geht es um die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen der Expression dieser Marker und Überlebenszeiten gibt.
Zu diesem Zwecke untersuchten wir rund 130 maligne Pleuramesotheliome. Verwendet wurden handelsübliche monoklonale Antikörper gegen die oben genannten Adhäsionsmoleküle. Die Auswertung erfolgte lichtmikroskopisch nach einem semiquantitativen Verfahren durch zwei Gutachter. Der Zusammenhang zwischen der Expression der einzelnen Adhäsionsmoleküle und Überlebenszeiten wurde mit dem Mann-Whitney-U-Test geprüft.
Mit unserer Methode konnten wir eine Expression der Adhäsionsmoleküle E-Cadherin und CD44H nachweisen. Die Expression der Adhäsionsmoleküle CD44V3, CD44V5, CD44V6 und CD44V9 fiel geringer aus.
E-Cadherin war in 46 (37,4 Prozent) Fällen, CD44H in 67 (61,5 Prozent) Fällen, CD44V3 in 22 (18,4 Prozent) Fällen, CD44V5 in 26 (21,8 Prozent) Fällen, CD44V6 in 22 (18,2 Prozent) Fällen, CD44V9 in 29 (24,2 Prozent) Fällen auf Zellen des malignen Pleuramesothelioms nachweisbar.
Für keines der untersuchten Adhäsionsmoleküle konnten wir mit dem Mann- Whitney-U-Test eine prognostische Tendenz nachweisen.
Ob es sich bei den Färbeergebnissen für E-Cadherin und die CD44-Isoformen um Upregulation oder Downregulation handelt, können wir mit den vorliegenden Daten nicht abschließend beantworten. Invasives Verhalten nach eindeutigen histologischen Kriterien konnten wir nur bei einer geringen Anzahl von malignen Pleuramesotheliomen feststellen. Auch gibt es in der Literatur keine eindeutigen Hinweise für die Expression von E-Cadherin und CD44-Isoformen an normalem Mesothel. Wie auch immer, bei zunehmender Entartung und fibroblastischer Entwicklung des malignen Pleuramesothelioms könnte für E-Cadherin, CD44V3 und CD44V6 eine Tendenz zur Downregulation und für CD44H eine Tendenz zur Upregulation vorliegen.
Mit den von uns verwendeten monoklonalen Antikörper HECD-1 gegen E-Cadherin und 2C5 gegen CD44H kann eine Unterscheidung zwischen malignem Pleuramesotheliom und Adenokarzinom der Lunge wahrscheinlich nicht erfolgen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass E-Cadherin in größerem Umfang und CD44H weniger häufig auf malignen Pleuramesotheliomen exprimiert wird als von anderen Autoren vermutet wurde. Ob dies mit anderen Antikörpern gelingt und ob E-Cadherin und CD44 generell als Marker für eine solche Betrachtung in Frage kommen, muss Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.
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