Morphometrische Studien an Eiern von Hybrid- und Rassehühnern mit Versuchen zur Detektion einer Beziehung zwischen der Form von Eiern und dem Geschlecht der darin befindlichen Küken : Eine oologische und mathematische Studie

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Die Vorteile einer Geschlechtsbestimmung von Bruteiern der heute verwendetenLegehybridhühner allein an Hand ihrer äußeren Form, liegen klar auf der Hand.Beispielsweise entfiele das Töten männlicher, eintägiger Küken; die Eier mitmännlichen Anlagen stünden uneingeschränkt für den menschlichen Verzehr zurVerfügung; Hühnereier mit weiblichen Anlagen würden weder eröffnet noch auf andereWeise beschädigt, so dass es keine Auswirkungen auf die Brutfähigkeit und den Schlupfgeben sollte.Da frühgeschichtliche Autoren Anlass zu der Vermutung geben, Eier mit weiblichenund männlichen Anlagen könnten von unterschiedlicher Form sein, hat sich diese Studiezur Aufgabe gemacht, die entsprechenden Behauptungen von Aristoteles und anderenantiken Autoren mit moderner Messtechnik und Berechnungen zu überprüfen.Die verwendeten Eier stammten von Legehybrid-Elterntieren der Firma LohmannTierzucht GmbH, Cuxhaven und von Hennen verschiedener genetischer Herkunft, die inder Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische der Justus-Liebig-UniversitätGießen gehalten wurden. Die Eier dieser Hennen konnten dabei eindeutig ihrer Legerinzugeordnet werden, so dass es möglich war, die Eier von einer einzelnen Henneuntereinander zu vergleichen.Für den Vergleich der Form der Eier mit weiblichen und männlichen Anlagen wurdeninsgesamt 1.223 Eier nach ihrer Herkunft in 12 Gruppen (Lohmann Brown, LohmannLSL 1, Lohmann LSL 2, Tetra, Welsumer Zwerg, Maran 1, Maran 2, Maran 3, Shaver1,Shaver 2, Grünleger und Italiener) eingeteilt. Ihre maximale Länge und ihr maximalerQuerdurchmesser wurden mit einem digitalen Messschieber gemessen.Außerdem erfolgten Messungen mit einem selbst konstruierten Messgerät. Dabei ist einMessschieber so hinter einer Lochschablone montiert, dass es möglich ist, den Abstandbestimmter, durch den Radius des Messlochs festgelegter Ebenen des Eies vom spitzenund stumpfen Pol zu messen. Das Messgerät ist mit Löchern zunehmender Radien (von2,5 mm bis 25 mm; in 2,5 mm-Schritten) versehen und ermöglicht es, den Verlauf derEilinie in Zahlen zu bestimmen.Von den Eiern der Herkunft Lohmann LSL 2 wurden Röntgenbilder angefertigt und dieabgebildeten Eier vermessen.Abgesehen von den Eiern der Herkunft Lohmann LSL 2, bei denen es sich um Eierhandelt, die bis zum erwarteten Schlupftag in Brutschränken der LSL-Brüterei derFirma Lohmann Tierzucht GmbH in Schaafheim bebrütet wurden, dort aber nicht zumSchlupf gelangt sind, wurden die übrigen 954 Eier bis zum 19. Tag bebrütet undanschließend das Geschlecht der in den Eiern befindlichen Küken makroskopischbestimmt. 50,37 % der Eier enthielten weibliche, 49,63 % männliche Küken.Außerdem wurde die Lage aller Küken im Ei beurteilt. Das geschah bei den Eiern derHerkunft Lohmann LSL 2 mit besonderem Interesse, da es sich um Schlupfversager handelte. Tatsächlich enthielten diese Eier einen deutlich größeren Anteil an Küken ineiner Fehllage (29,2 %) als die Eier der anderen Herkünfte (< 4 %). Zwischen der Lageder Küken im Ei, der Eiform und dem Geschlecht der Küken konnte unter Einbeziehungder Parameter maximale Länge und maximaler Querdurchmesser der Eier und dem ausdiesen beiden Parametern berechneten Formindex mit einer zweifaktoriellenVarianzanalyse keine signifikante Korrelation festgestellt werden.Um einen Zusammenhang zwischen Eiform und Geschlecht der Gonaden in den Eiernzu untersuchen, wurden von allen Eiern mit weiblichen Anlagen und allen Eiern mitmännlichen Anlagen unter anderem die arithmetischen Mittelwerte der maximalenLänge und des maximalen Querdurchmessers berechnet und diese miteinanderverglichen.Für die Eier mit weiblichen Anlagen ergab sich ein arithmetischer Mittelwert derEilänge von 58,10 mm bei einer Standardabweichung von 3,11 mm und des maximalenQuerdurchmessers von 43,69 mm bei einer Standardabweichung von 1,96 mm. Für dieEier mit männlichen Anlagen ergaben sich Werte von 57,79 mm, Standardabweichung2,94 mm, für die Eilänge und 43,53 mm, Standardabweichung 1,86 mm, für denmaximalen Querdurchmesser. Damit sind die Eier mit weiblichen Anlagen im Mittelgeringfügig länger und breiter als die Eier mit männlichen Anlagen. Für dieseUnterschiede liefert der Student t-Test p > 0,05. Sie sind damit nicht signifikant.Außerdem wurden die Messwerte der Eier innerhalb ihrer jeweiligen Herkunftverglichen. Aber auch dabei konnte bei keiner der 12 Herkünfte, mittels des Student t-Tests, ein signifikanter Unterschied der arithmetischen Mittelwerte der maximalenLänge und der maximalen Querdurchmesser berechnet werden.Der arithmetische Mittelwert des aus maximaler Länge und maximalemQuerdurchmesser berechneten Formindex der Eier mit weiblichen Anlagen beträgt75,29, die Standardabweichung ist 2,80 und der Formindex der Eier mit männlichenAnlagen 75,41 bei einer Standardabweichung von 2,75. Der Student t-Test hat zumErgebnis, dass dieser minimale Unterschied nicht signifikant ist.Ebenso nicht signifikant sind die verglichenen arithmetischen Mittelwerte derFormindices der Eier mit weiblichen und männlichen Anlagen innerhalb ihrerjeweiligen Herkunft.Die Form der Eier der Herkünfte Lohmann Brown, Lohmann LSL 1, Tetra, WelsumerZwerg, Maran 2, Maran 3 und Shaver 2 wurden darüber hinaus noch genauer analysiert.Mit Hilfe der Messwerte der Lochschablonen wurden die Konstanten der Formel desKartesischen Ovals für jedes einzelne Ei berechnet und diese Konstanten miteinanderverglichen. Die zugrunde liegende Formel lautet:x2 & #61483; y 2 & #61483; m* & #61480;e & #61485; x& #61481;2 & #61483; y2 & #61501; CDie mit dem Student t-Test durchgeführten Vergleiche der arithmetischen Mittelwerteder Konstanten C, e und m, sowie der aus allen drei Konstanten berechneten Zahl Dlassen für keine der Herkünfte einen signifikanten Unterschied der Eier mit weiblichenund der Eier mit männlichen Anlagen erkennen. Der Student t-Test liefert jeweils p-Werte von größer als 0,05.Für noch genauere Analysen wurden aus den Messwerten Polynome berechnet. Sowurde die aus der maximalen Länge und dem maximalen Querdurchmesser eines Eiesberechnete Ellipse mit einer Deformationsfunktion addiert, um sie auf die Form desEies anzupassen:egg(x) & #61501; Ellipse(x) & #61483; Deformation(x)Bei der anschließenden Kurvendiskussion von Differenzfunktionen aus je einem Ei mitweiblichen Anlagen und einem Ei mit männlichen Anlagen sollte ein Unterschied desVerlaufes der Eilinien herausgearbeitet werden. Die analysierten Differenzkurven derEilinien, die aus den arithmetischen Mittelwerten aller Messwerte berechnet wurden,verlaufen allerdings so unterschiedlich, dass keine Gemeinsamkeiten erkennbar sind.Diese Studie zeigt, dass Hühnereier durchaus von unterschiedlicher Form sind. Einsignifikanter Zusammenhang dieser Formunterschiede mit dem Geschlecht der in denEiern befindlichen Geschlechtsanlagen konnte allerdings mit keiner der angewandtenMethoden nachgewiesen werden.Die Tatsache, dass Hühnereier von unterschiedlicher Form sind und die Tatsache, dassHühner bereits mehrfach hinsichtlich Form, Zahl, Farbe, Größe ihrer Eier selektiert undgezüchtet wurden, gibt Anlass zur Hoffnung, dass eine Relation zwischen Geschlechtder Anlagen und Form des Eies zukünftig auf züchterischem Wege erzeugt werdenkann. Zuchtversuche sind angesichts der Bedeutung dieser Frage sicherlich lohnend undkönnten das Töten männlicher Eintagsküken vermeiden.

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Giessen : VVB Laufersweiler

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