Infektionen mit dem Hepatitis B-Virus spielen in der Humanmedizin weltweit eine bedeutende Rolle. Obwohl schon seit den 1960er Jahren bekannt, waren Studien zum Infektionsvorgang von HBV lange Zeit nur sehr eingeschränkt möglich, da es an einem praktikablen Infektionssystem mangelte. Diesbezüglich stellte die Entdeckung der Suszeptibilität von Tupaiahepatozyten für HBV in vivo und in vitro einen enormen Fortschritt dar.
In der hier vorliegenden Arbeit wurden die frühen Phasen der HBV-Infektion in einem in vitro-System mit primären Tupaiahepatozyten untersucht. Der biologische Funktions- bzw. Differenzierungszustand der Zellen in diesem System konnte an Hand von Oberflächenrezeptoren und Zytoskelettfilamenten genauer charakterisiert werden. Es wurde klar, daß diesbezüglich innerhalb einer Zellkultur eine gewisse Heterogenität besteht, die im Zusammenhang mit einer unterschiedlichen Infizierbarkeit der Zellen mit HBV stehen könnte.
Es konnte gezeigt werden, daß bestimmte Populationen primärer Tupaiahepatozyten als Zeichen einer HBV-Infektion de novo HBsAg synthetisieren, und daß das intrazelluläre Verteilungsmuster des HBsAgs weitgehend mit dem übereinstimmt, welches bei der akuten HBV-Infektion des Menschen beobachtet werden kann.
Weiterhin wurde dargestellt, daß HBsAg in Form von subviralen Partikeln spezifisch an Tupaiahepatozyten bindet, und von diesen aufgenommen wird. Diese Vorgänge konnten durch Anti-HBs-Antikörper und PräS1-Peptide inhibiert werden. Damit wurde gezeigt, daß die PräS1-Domäne bei der Bindung von HBsAg an Hepatozyten eine wesentliche Rolle spielt. Zwar konnten subvirale Partikel auch noch nach weitgehender Entfernung der PräS-Domänen aufgenommen werden, jedoch ergaben sich Hinweise dafür, daß diesem Aufnahmevorgang ein anderer Mechanismus zu Grunde liegt.
Viele Aspekte der frühen Phasen der HBV-Infektion bleiben nach wie vor unklar, und bedürfen weiterer Untersuchungen. Insbesondere konnte der HBV-Rezeptor oder HBV-Rezeptorkomplex noch nicht zweifelsfrei identifiziert werden. Durch diese Arbeit konnte die Eignung primärer Tupaiahepatozyten für derartige Untersuchungen bestätigt, und einige Aspekte dieses Modellsystems für die HBV-Infektion genauer charakterisiert werden.
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